Die große Verschwörung

Drittes Buch - Die fünfte Kolonne in Rußland

XXI. MORD IN MEXIKO

Der Hauptangeklagte der drei Moskauer Prozesse war achttausend Kilometer vom Verhandlungsort entfernt.

Im Dezember 1936, nach Abschluß des Verfahrens gegen Sinowjew und Kamenew und der Verhaftung Pjatakows, Radeks und anderer führender Mitglieder des trotzkistischen Zentrums, mußte Trotzki Norwegen verlassen. Nach einer Schiffsreise über den Atlantischen Ozean traf er am 13. Januar 1937 in Mexiko ein. Er nahm kurze Zeit im Hause des reichen mexikanischen Künstlers Diego Rivera Aufenthalt, dann errichtete er in Coyoacan, einer Vorstadt von Mexico City, sein neues Hauptquartier. Von dort aus mußte er während der nächsten Monate mit gebundenen Händen zusehen, wie der komplizierte mächtige Apparat der russischen Fünften Kolonne unter den Hammerschlägen der Sowjetregierung Stück für Stück auseinanderfiel.

Auf Betreiben der amerikanischen Trotzkisten wurde in New York ein amerikanisches Komitee für die Verteidigung Leo Trotzkis gegründet, das der nominellen Leitung sowjetfeindlicher Sozialisten, Journalisten und Pädagogen unterstand. Zu den Mitgliedern des Komitees zählten ursprünglich mehrere prominente Liberale. Einer von ihnen, der Schriftsteller und Mitherausgeber der „Baltimore Sun“, Mauritz Hallgren, zog sich zurück, nachdem er erkannt hatte, daß es sich bei diesem Komitee in Wirklichkeit um eine antisowjetische Propagandaagentur handelte. Am 27. Januar 1937 richtete Hallgren eine öffentliche Erklärung an das Komitee, in der es unter anderem hieß:

„Die gegebenen Tatsachen zwingen mich zu der Annahme, daß das amerikanische Komitee für die Verteidigung Leo Trotzkis - vielleicht unwissentlich - ein Instrument der trotzkistischen politischen Intervention gegen die Sowjetunion geworden ist… Ich bitte Sie daher, meinen Namen aus der Mitgliederliste zu streichen.“

Das Komitee betrieb eine lebhafte Propaganda, in der Trotzki als heldenhafter Märtyrer der russischen Revolution und die Moskauer Prozesse als „Theater“ hingestellt wurden. Eine der ersten Handlungen des Komitees war die Errichtung einer „Voruntersuchungs-Kommission“, deren Aufgabe es sein sollte, die während der Moskauer Prozesse vom August 1936 und Januar 1937 gegen Leo Trotzki erhobenen Anschuldigungen zu überprüfen.“

Dem Komitee gehörten folgende Persönlichkeiten an: der bejahrte Philosoph und Pädagoge John Dewey, der Schriftsteller Carleton Beals, der ehemalige sozialistische Reichstagsabgeordnete Otto Kühle, der ehemalige amerikanische Radikale und sowjetfeindliche Journalist Benjamin Stolberg und die Journalistin Suzanne La Follette, eine begeisterte Anhängerin Trotzkis.

Mit einem großen Aufwand an Publizität wurden die Sitzungen der Kommission am 10. April in Coyoacan in Mexiko eröffnet. Die einzigen Zeugen waren Leo Trotzki und einer seiner Sekretäre, Jan Fränkel, der 1930 in Prinkipo in Trotzkis Leibgarde eingetreten war.

Die Verteidigung wurde von Trotzkis amerikanischem Rechtsberater Albert Goldman geführt.[68]

Das Verhör dauerte sieben Tage. Die „Aussagen“ Leo Trotzkis, die in der amerikanischen und europäischen Presse weiteste Verbreitung fanden, bestanden in erster Linie aus heftigen Ausfällen gegen Stalin und die Sowjetunion und selbstherrlichen Anpreisungen seiner eigenen Verdienste um die russische Revolution. Das während der Moskauer Prozesse gegen Trotzki vorgebrachte reichhaltige Beweismaterial wurde von der Untersuchungskommission überhaupt nicht beachtet. Am 17. April schied Carleton Beals aus der Kommission aus. Er gab die Gründe, die ihn zu diesem Schritt veranlaßt hatten, in einer öffentlichen Erklärung bekannt:

„… Die stumme Bewunderung, die Herrn Trotzki von den übrigen Komiteemitgliedern während der Sitzungen entgegengebracht wurde, schloß von vornherein jeden Versuch einer ehrlichen Untersuchung aus… Gleich am ersten Tag wurde mir erklärt, daß meine Fragen unschicklich seien. Das abschließende Kreuzverhör wurde in einer Form abgehalten, die es unmöglich machte, der Wahrheit auf den Grund zu gehen. Ich wurde zur Rede gestellt, weil ich starkes Interesse für Trotzkis Archive an den Tag legte … Das Kreuzverhör bestand darin, daß man Trotzki gestattete, Propagandareden und wüste Anschuldigungen vorzubringen; nur in den seltensten Fällen wurde der Versuch gemacht, eine Beweisführung von ihm zu verlangen … Wenn das Komitee will, kann es das Ergebnis seiner oberflächlichen Untersuchungen der Öffentlichkeit vorlegen. Ich werde meinen Namen für die Fortsetzung derartiger Kindereien nicht hergeben.“

Auf Veranlassung des amerikanischen Komitees für die Verteidigung Leo Trotzkis wurde für Trotzkis Übersiedlung nach den Vereinigten Staaten Propaganda gemacht. Seine Bücher, Artikel und Erklärungen fanden in allen Teilen der Vereinigten Staaten weiteste Verbreitung, während die Wahrheit über die Moskauer Prozesse in den Aktenschränken des Staatsdepartements oder in den Köpfen einiger nach Moskau entsandter Zeitungskorrespondenten verborgen blieb, denen, wie Walter Duranty später schrieb, „die entschiedene Abneigung der amerikanischen Leser, etwas anderes als Schlechtes über Rußland zu hören“, wohl bekannt war.[69]

Trotzki sammelte in Mexiko bald einen Hofstaat von Jungen, Abenteurern und Leibwächtern um sich, gerade so, wie er es in der Türkei, in Frankreich und Norwegen getan hatte. Auch hier war sein Leben von der Intrige beherrscht.

Die Villa in Coyoacan, in der Trotzki sein mexikanisches Hauptquartier aufgeschlagen hatte, glich einer Festung. In den vier Ecktürmen waren Tag und Nacht Wachen mit Maschinenpistolen postiert. Außer der mexikanischen Polizeiabteilung, die ausschließlich mit der Bewachung der Villa betraut war, patrouillierte Trotzkis bewaffnete Leibgarde ständig vor seinem Hauptquartier. Sämtliche Besucher mußten sich legitimieren; ihre Pässe wurden gezeichnet und gegengezeichnet; die Formalitäten, denen sie sich unterziehen mußten, waren mindestens so streng wie bei einem Grenzübertritt. Nachdem sie endlich auf die andere Seite der hohen Umfriedungsmauer gelangt waren, wurden sie beim Betreten der Villa nach Waffen durchsucht.

Im Innern des Hauses herrschte rege Tätigkeit. Ein ansehnlicher Beamtenstab war damit beschäftigt, die Instruktionen des Führers entgegenzunehmen und seine Aufträge auszuführen. Die Vorbereitung der sowjetfeindlichen Propagandaliteratur und die Vorarbeiten zu Trotzkis Proklamationen, Artikeln, Büchern und Geheimberichten in russischer, deutscher, französischer, spanischer und englischer Sprache waren besonders qualifizierten Sekretären anvertraut. Wie in Prinkipo, Paris und Oslo gingen auch hier so manche von Trotzkis „Sekretären“ mit Revolvern in der Tasche herum; auch hier war der sowjetfeindliche Verschwörer von der abenteuerlichen Atmosphäre geheimnisvoller Intrigen umgeben.

Eine Fülle von Briefen aus allen Teilen der Welt häufte sich in Trotzkis mexikanischem Hauptquartier. Ein Teil der Post mußte einer chemischen Behandlung unterzogen werden, da die eigentliche Nachricht oft mit unsichtbarer Tinte zwischen die Zeilen einer harmlosen Mitteilung geschrieben war. Unaufhörlich trafen Depeschen aus Europa, Asien und den Vereinigten Staaten ein, die telegraphisch beantwortet wurden. Besonders zahlreich waren die ausländischen Trotzkistendelegationen - es kamen französische, amerikanische, indische und chinesische Trotzkisten und Agenten der spanischen POUM.

Trotzki empfing seine Besucher mit den Allüren eines Despoten. Die amerikanische Journalistin Betty Kirk, die ihn für das „Life“-Magazin interviewte und Aufnahmen von ihm machen ließ, schilderte sein theatralisches, diktatorisches Benehmen:

„Trotzki sah auf seine Uhr und erklärte in selbstherrlichem Ton, er könne uns genau acht Minuten bewilligen. Es sollte beim Diktat photographiert werden; als seine russische Sekretärin nicht rasch genug erschien, schrie er sie wegen ihrer Langsamkeit an. Dann befahl er seinem nordamerikanischen Sekretär Bernard Wolfe, sich ebenfalls an den Schreibtisch zu setzen; während Wolfe durch das Zimmer ging, klopfte Trotzki ungeduldig mit dem Bleistift auf den Tisch und rief: ‚Rascher, wir haben keine Zeit!’„

Von seiner Villa in Coyoacan aus leitete Trotzki seine weltumspannende sowjetfeindliche Organisation, die Vierte Internationale.

Überall in Europa, Asien, Nord- und Südamerika bestanden enge Verbindungen zwischen der Vierten Internationale und dem Netzwerk der Fünften Kolonne der Achsenmächte:

Tschechoslowakei: Die Trotzkisten arbeiteten mit dem Naziagenten Konrad Henlein und seiner Sudetendeutschen Partei. Sergei Bessonow, der trotzkistische Kurier und ehemalige Berater der sowjetischen Botschaft in Berlin, bestätigte, als er 1938 vor Gericht stand, daß er im Sommer 1935 in Prag den Kontakt mit Konrad Henlein hergestellt hatte. Bessonow erklärte, daß er als Vermittler zwischen Leo Trotzki und der Henlein-Gruppe fungierte.

Frankreich: Jacques Doriot, Naziagent und Begründer der faschistischen Volkspartei, war ein kommunistischer Renegat und Trotzkist. Doriot arbeitete wie andere Naziagenten und französische Faschisten in engster Verbindung mit der französischen Sektion der trotzkistischen Vierten Internationale.

Spanien: Die Trotzkisten drangen in die Reihen der POUM ein, jener Organisation der Fünften Kolonne, die Francos faschistischen Aufstand unterstützte. Der Leiter der POUM war Trotzkis alter Freund und Verbündeter Andreas Nin.

China: Die Trotzkisten arbeiteten unter der direkten Aufsicht der japanischen Militärspionage. Die führenden Offiziere des japanischen Geheimdienstes waren mit den Leistungen der Trotzkisten sehr zufrieden. Der Chef des japanischen Spionagedienstes in Peking erklärte 1937: „Wir sollten die trotzkistische Gruppe unterstützen und ihr zum Erfolg verhelfen, damit ihre Tätigkeit in den verschiedenen Teilen Chinas dem Kaiserreich zum Nutzen gereicht, denn diese Chinesen zerstören die Einheit des Landes. Sie arbeiten mit bemerkenswerter Geschicklichkeit und Finesse.“

Japan: Die Trotzkisten wurden der „Gehirn-Trust“ des Geheimdienstes genannt. In besonderen Schulen unterrichteten sie japanische Geheimagenten in der Technik, die bei der Durchsetzung der Kommunistischen Partei in Sowjetrußland und der Bekämpfung der antifaschistischen Tätigkeit in China und Japan angewandt werden sollte.

Schweden: Nils Hyg, einer der führenden Trotzkisten, hatte von dem nazifreundlichen Finanzmann und Hochstapler Ivar Kreuger für die trotzkistische Bewegung Geldzuwendungen erhalten. Diese Tatsache wurde nach Kreugers Selbstmord bekannt. Die Buchsachverständigen fanden unter Kreugers Papieren Quittungen mit den Unterschriften der verschiedensten politischen Abenteurer, darunter auch Adolf Hitlers.

In allen Ländern der Welt dienten die Trotzkisten den Geheimorganisationen der Achsenmächte als Werkzeuge bei der Durchsetzung der liberalen, radikalen und sozialistischen Bewegungen.[70]

Die endgültige Vernichtung der russischen Fünften Kolonne durch den Moskauer Prozeß gegen den „Block der Rechten und Trotzkisten“ war für Trotzki ein vernichtender Schlag. Von dieser Zeit an bekamen alle seine Schriften einen deutlichen Unterton hysterischer Verzweiflung. Seine Propaganda gegen die Sowjetunion wurde immer rücksichtsloser, widerspruchsvoller und ausfälliger. Er sprach unaufhörlich von der „historischen Richtigkeit“ seiner Anschauungen. Seine Angriffe gegen Josef Stalin entbehrten jeder vernünftigen Grundlage, der glühende persönliche Haß, den er Stalin entgegenbrachte, wurde mehr und mehr zur bestimmenden Kraft seines Lebens.

1939 trat Trotzki mit dem von Martin Dies, dem Abgeordneten für Texas, geleiteten Kongreßausschuß in Verbindung. Dieses Komitee, dessen Aufgabe die Untersuchung unamerikanischer Tätigkeit war, hatte sich zu einem Forum sowjetfeindlicher Propaganda entwickelt. Trotzki wurde von Agenten des Dies-Komitees aufgefordert, als „sachkundiger Zeuge“ über die von Moskau ausgehende Gefahr auszusagen. Die „New York Times“ vom 8. Dezember 1939 wußte zu berichten, daß Trotzki es für seine politische Pflicht halte, vor dem Dies-Komitee Zeugnis abzulegen. Man begann, Vorbereitungen für Trotzkis Reise nach den Vereinigten Staaten zu treffen, aber der Plan gelangte nicht zur Durchführung…

Im September 1939 traf ein europäischer trotzkistischer Agent, der unter dem Namen Frank Jacson reiste, mit dem französischen Dampfer „He de France“ in New York ein.[71] Jacson war, während er in Paris an der Sorbonne studierte, von der amerikanischen Trotzkistin Sylvia Ageloff für die trotzkistische Bewegung gewonnen worden. 1939 erteilte ihm ein Agent des geheimen „Büros der Vierten Internationale“ den Auftrag, sich von Paris nach Mexiko zu begeben, um dort bei Trotzki als „Sekretär“ zu arbeiten. Man gab ihm einen Paß, der ursprünglich dem kanadischen Staatsbürger Tony Babich gehört hatte (Babich war als Mitglied der spanischen republikanischen Armee von den spanischen Faschisten getötet worden). Die Trotzkisten hatten sich Babichs Paß verschafft, die Photographie entfernt und statt dessen Jacsons Bild hineingeklebt.

Jacson wurde bei seiner Ankunft in New York von Sylvia Ageloft und anderen Trotzkisten abgeholt; man brachte ihn nach Coyoacan, wo er in Trotzkis Dienste trat. Jacson erklärte später der mexikanischen Polizei:

„Trotzki wollte mich nach Rußland schicken, wo ich bei der Vorbereitung des Umsturzes mitwirken sollte.“ Er sagte mir, „ich müßte mit dem ‚China Clipper’ nach Schanghai fahren. Dort würde ich mit Agenten von verschiedenen anderen Schiffen zusammentreffen und gemeinsam mit ihnen über die Mandschurei nach Rußland reisen. Es war unsere Aufgabe, die Rote Armee zu demoralisieren und verschiedene Sabotageakte in Munitionsfabriken und anderen Betrieben durchzuführen.“

Jacson kam nicht dazu, seine terroristische Mission anzutreten. Am Spätnachmittag des 20. August 1940 ermordete er seinen Führer Leo Trotzki, indem er ihm in seiner sorgfältig bewachten Villa in Coyoacan mit einem Eispickel die Schädeldecke zertrümmerte.

Als er von der mexikanischen Polizei verhaftet wurde, sagte er, Trotzki habe ihm verboten, Sylvia Ageloff zu heiraten. Darauf sei es wegen des Mädchens zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern gekommen. „Um ihrentwillen beschloß ich, mein Leben zu opfern“, sagte Jacson.

Im Verlaufe einer späteren Aussage erklärte er:

„…ich stand nicht vor einem politischen Führer, der den Kampf um die Befreiung der Arbeiterklasse leitete - ich sah mich einem Mann gegenüber, der nur einen Wunsch hatte: seine Haßgefühle und Rachegelüste zu befriedigen - dem der Kampf der Arbeiter nur dazu diente, seine eigene Erbärmlichkeit und seine verächtlichen Berechnungen zu verstecken. … wenn ich dieses Haus betrachtete, von dem er mit Recht sagte, er habe es in eine Festung verwandelt, fragte ich mich oft, woher die Mittel dafür stammten … Vielleicht könnte der Konsul eines großen Staates, der ihn oft besuchte, diese Frage beantworten …

Trotzki zerstörte meinen Charakter, meine Zukunft und alle inneren Neigungen. Er verwandelte mich in einen Menschen ohne Namen, ohne Heimat - in ein Werkzeug Trotzkis. Ich war in eine Sackgasse geraten … Trotzki zerdrückte mich in seiner Hand wie einen Fetzen Papier.“

Nach Trotzkis Tod gab es nur noch einen lebenden Anwärter auf die Rolle Napoleons in Rußland: Adolf Hitler.


ANMERKUNGEN

  1. Am 1. Dezember 1941 wurde Albert Goldman von einem Bundesgericht in Minneapolis, Minnesota, wegen versuchter Untergrabung der Moral der amerikanischen Armee und Flotte verurteilt.

  2. Trotzki hatte für die Geständnisse, die seine ehemaligen guten Freunde, Adjutanten und Verbündeten während der Prozesse ablegten, verschiedene „Erklärungen“. Zuerst erklärte er den Prozeß gegen Sinowjew und Kamenew damit, daß die Sowjetregierung den Angeklagten die Aussetzung der Todesstrafe versprochen habe „wenn sie sich zu falschen Aussagen gegen Trotzki entschließen“. Nach der Erschießung Sinowjews, Kamenews und Ihrer Komplizen aus dem terroristischen trotzkistisch-slnowjewistischen Zentrum behauptete Trotzki, die Angeklagten seien einer List zum Opfer gefallen. Aber als Pjatakow, Radek und die übrigen Angeklagten des zweiten Moskauer Prozesses sich ebenfalls schuldig bekannten und noch kompromittierendere Geständnisse machten, reichte diese Erklärung nicht mehr aus. Jetzt behauptete Trotzki, die Aussagen der Angeklagten seien das Ergebnis teuflischer Quälereien und geheimnisvoller, starker „Drogen“.

    In einem Artikel schilderte Trotzki die Angeklagten als Männer von „edlem Charakter“ begeisterte, ehrliche „alte Bolschewiki“. In einem anderen Artikel nannte er Pjatakow, Radek, Bucharin und die anderen plötzlich „verächtliche Charaktere“, „willenaschwache Menschen“.

    Als man Trotzki schließlich bei der Vernehmung in Mexiko im Jahre 1937 die Frage stellte, warum alte Revolutionäre, ohne sich schuldig zu fühlen, solche Geständnisse ablegten, warum keiner der Angeklagten sich die Öffentlichkeit der Gerichtsverhandlung zunutze gemacht habe, um seine Unschuld laut zu verkünden, antwortete Trotzki: „Bei der Art des Falles bin ich nicht verpflichtet, diese Fragen zu beantworten.“

  3. Sogar nach Trotzkis Tod setzte die Vierte Internationale ihre Tätigkeit als Fünfte Kolonne fort.

    In England wurden im April 1944 die trotzkistischen Zentralen in London, Glasgow, Wallsend und Nottingham von Scotland Yard und der Polizei durchsucht, nachdem festgestellt worden war, daß die Trotzkisten in allen Teilen des Landes zu Streiks aufhetzten, um die militärische Leistungsfähigkeit Englands zu beeinträchtigen.

    Am l. Dezember 1941 wurden achtzehn führende amerikanische Trotzkisten von einem Bundesgericht in Minneapolis verurteilt, weil sie versucht hatten, die Loyalität und Disziplin amerikanischer Soldaten und Matrosen zu untergraben.

    Der Auslandskorrespondent der „Chicago Daily News“, Paul Ghali, meldete am 28. September 1944 aus der Schweiz, daß der Chef der Gestapo, Heinrich Himmler, die Absicht habe, die europäischen Trotzkisten in die für die Nachkriegszeit geplante unterirdische nazistische Sabotage- und Verschwörerorganisation einzubeziehen.

    Ghali berichtete, daß Mitglieder faschistischer Jugendverbände im trotzkistischen „Marxismus“ ausgebildet und mit falschen Papieren und Waffen ausgerüstet hinter die Linien der Alliierten gebracht würden, um sich in die Kommunistischen Parteien der befreiten Gebiete einzuschleichen - Ghali enthüllte, daß in Frankreich Angehörige der faschistischen Miliz Joseph Darnands von den Deutschen bewaffnet wurden, um Terrorakte zu verüben und nach dem Krieg für die Fünfte Kolonne zu arbeiten. „Dieser Abschaum der französischen Bevölkerung“, fuhr Ghali fort, „wird jetzt unter persönlicher Anleitung Heinrich Himmlers im ‚Bolschewismus’ gemäß der Tradition der trotzkistischen Internationale unterrichtet: es wird die Aufgabe dieser Leute sein, die Verbindungslinien der Alliierten zu stören und französische Patrioten zu ermorden. Es ist Himmlers neueste Taktik, solche Gruppen von roten Terroristen zu schaffen und auf diese Weise eine Vierte Internationale zu begründen, die stark von nazistischen Zellen durchsetzt ist. Diese Organisation richtet sich gegen England, Amerika und Rußland, in erster Linie aber gegen Rußland.“

  4. Frank Jacsons wahrer Name war Jacques Mornard van den Dresche. Er nannte sich auch Leon Jacome und Leon Kaikys.

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