Die große Verschwörung

Viertes Buch - Von München bis San Francisco

XXII. DER ZWEITE WELTKRIEG

1. München

„Das schicksalsschwere Jahrzehnt von 1931 bis 1941 wurde durch japanische Gewaltakte eingeleitet und abgeschlossen“, erklärte das amerikanische Staatsdepartement in seiner offiziellen Veröffentlichung „Krieg und Frieden: die Außenpolitik der Vereinigten Staaten“.

„Dieser Zeitabschnitt war durch die Entwicklung einer rücksichtslosen, entschlossenen Weltherrschaftspolitik In Japan, Deutschland und Italien gekennzeichnet.“

Der zweite Weltkrieg begann 1931 mit dem Überfall der Japaner auf die Mandschurei, der als Rettungsaktion gegen den nach Asien vordringenden Kommunismus hingestellt wurde. Zwei Jahre später stürzte Hitler die deutsche republikanische Regierung unter dem Vorwand, Deutschland vor dem Kommunismus zu erretten. 1935 fiel Italien in Abessinien ein, um das Land vor „Bolschewismus und Barbarei“ zu bewahren. 1936 besetzte Hitler das Rheinland; Deutschland und Japan unterzeichneten den Antikominternpakt; Deutschland und Italien sandten Truppen nach Spanien - wiederum als Schutz gegen den Kommunismus.

1937 trat Italien dem deutsch-japanischen Antikominternpakt bei; die Japaner erneuerten ihre Angriffe auf China, sie besetzten Peking, Tientsin und Schanghai. Im nächsten Jahr wurde Österreich von Deutschland annektiert. Die Achse Berlin-Rom-Tokio wurde gebildet, um „die Welt vor dem Kommunismus zu erretten…“

Im September 1937 sprach der Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten, Maxim Litwinow, vor dem Völkerbund folgende Worte:

„Wir wissen von drei Staaten, die in den letzten Jahren Angriffe auf andere Länder unternommen haben. Obwohl zwischen den angegriffenen Völkern grundlegende Unterschiede der Regierungsform, der Lebensauffassung, des materiellen und kulturellen Niveaus bestehen, rechtfertigen die drei Staaten ihr Vorgehen in allen Fällen mit dem gleichen Motiv: dem Kämpf gegen den Kommunismus. Die Führer dieser Staaten haben die naive Auffassung - oder geben zumindest vor, sie zu haben -, daß ihnen all ihre internationalen Schwerverbrechen verziehen werden, sobald sie nur das Wort ‚Antikommunismus’ aussprechen.“

Unter dem Deckmantel des Antikominternpaktes bereiteten Deutschland, Japan und Italien die Eroberung und Versklavung Europas und Asiens vor.

Zwei Wege standen der Welt offen: der nazistischen, faschistischen und japanischen Aggression den geeinten Widerstand aller andersgesinnten Nationen entgegenzusetzen und die von der Achse ausgehende Kriegsgefahr zu bannen, bevor es zu spät war - oder durch Uneinigkeit und schrittweises Zurückweichen vor der Aggression dem faschistischen Sieg den Weg zu bereiten. Die Propagandaministerien der Achse, die Agenten Leo Trotzkis, die französischen, englischen und amerikanischen Reaktionäre führten in vollster Übereinstimmung einen internationalen faschistischen Feldzug gegen die kollektive Sicherheit. Der Gedanke einer gemeinsamen Front gegen die Angreifer wurde als „kommunistische Propaganda“ abgelehnt, als „utopischer Traums verlacht, als „Aufmunterung zum Krieg“ gebrandmarkt. Statt dessen förderte man die Befriedungspolitik, empfahl man den Plan, den unvermeidlichen Krieg in einen allgemeinen Sturm auf Sowjetrußland umzuwandeln. Nazideutschland zog aus dieser Politik den größten Nutzen.

Der englische Ministerpräsident Neville Chamberlain, der eifrigste Vorkämpfer der Befriedung, behauptete, Europa würde durch das Prinzip der kollektiven Sicherheit in „zwei bewaffnete Lager“ gespalten werden.

Die nazistische Zeitung „Nachtausgabe“ erklärte im Februar 1938:

„Wir wissen jetzt, daß der englische Premier die kollektive Sicherheit ebenso wie wir selbst für völligen Unsinn hält.“

Im September 1938 erreichte die Versöhnungspolitik ihren Höhepunkt. Die Regierungen des nazistischen Deutschlands, des faschistischen Italiens, Großbritanniens und Frankreichs unterzeichneten das Münchener Abkommen. Die sowjetfeindliche Heilige Allianz, von der die Weltreaktion seit 1918 träumte, war endlich erreicht.

Nach Abschluß dieses Paktes stand die Sowjetunion ohne Bundesgenossen da. Das französisch-sowjetische Abkommen, der Grundpfeiler der europäischen kollektiven Sicherheit, war bedeutungslos geworden. Die tschechischen Sudetenländer wurden dem Deutschen Reich einverleibt. Das Tor nach dem Osten stand der Wehrmacht weit offen.[72]

„Das Münchener Abkommen“, schrieb Walter Duranty in „The Kremlin and the People“, „war wohl die schlimmste Erniedrigung, die Sowjetrußland seit dem Vertrag von Brest-Litowsk erlebt hatte.“

Die Welt wartete auf den Krieg zwischen Deutschland und der Sowjetunion.

Bei seiner Rückkehr nach England rief Neville Chamberlain, indem er einen Fetzen Papier mit Hitlers Unterschrift in der Hand schwenkte, triumphierend aus: „Das bedeutet Frieden, solange wir leben!“

Aber die ersten Opfer des antisowjetischen Münchener Abkommens waren nicht die Völker der Sowjetunion, sondern die demokratischen Nationen Europas. Auch diesmal versteckte sich hinter der antisowjetischen Fassade der Verrat an der Demokratie.

Im Februar 1939 erkannten England und Frankreich die faschistische Diktatur des Generalissimo Franco als gesetzmäßige Regierung Spaniens an. Nach zweieinhalbjährigem, heldenhaftem, todesmutigem Kampf gegen eine überwältigende Übermacht wurde in den letzten Märztagen aus dem republikanischen Spanien eine faschistische Provinz.

Am 15. März hörte die Tschechoslowakei auf, ein unabhängiger Staat zu sein. Die nazistischen Panzerdivisionen rasselten durch die Straßen Prags. Hitler eignete sich die Skoda-Werke und dreiundzwanzig andere Waffenfabriken an und gelangte damit in den Besitz einer Rüstungsindustrie, die dreimal so stark war wie die des faschistischen Italiens. Der faschistenfreundliche General Jan Sirovy, der einst die tschechischen Interventionstruppen im sowjetischen Sibirien kommandiert hatte, lieferte der deutschen Heeresleitung Arsenale und Lagerhäuser tausend Flugzeuge und die gesamte erstklassige militärische Ausrüstung der tschechoslowakischen Armee aus.

Am 20. März übergab die litauische Regierung Deutschland den einzigen Hafen des Landes: Memel.

Am Morgen des 7.April, an einem Karfreitag, setzte Mussolini über das Adriatische Meer und fiel in Albanien ein. Fünf Tage später nahm König Viktor Emanuel die albanische Krone an.

Noch zu der Zeit, als Hitler in die Tschechoslowakei einrückte, versuchte Stalin, den Versöhnungspolitikern Englands und Frankreichs klarzumachen, daß ihre sowjetfeindliche Politik für sie selbst verhängnisvolle Folgen haben würde.

In einer Rede, die er am 10. März 1939 in Moskau vor dem XVIII Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion hielt, erklärte Stalin, der in Europa und Asien von den Achsenmächten unter dem Deckmantel des Antikominternpaktes ohne Kriegserklärung geführte Krieg richte sich nicht nur gegen Sowjetrußland, sondern ebenso - und sogar noch viel mehr - gegen die Interessen Englands, Frankreichs und der Vereinigten Staaten.

„Der Krieg wird von den aggressiven Staaten geführt“ sagte Stalin, „die die Interessen der nichtaggressiven Staaten, vor allem Englands, Frankreichs und der USA, in jeder Weise schädigen; die letzteren weichen jedoch zurück, treten den Rückzug an, machen den Aggressoren ein Zugeständnis nach dem anderen…

Somit vollzieht sich vor unseren Augen eine offene Neuaufteilung der Welt und der Einflußsphären auf Kosten der Interessen der nichtaggressiven Staaten, wobei diese keinerlei Versuche zur Abwehr unternehmen, in gewisser Weise sogar jene begünstigen. Unglaublich, aber wahr.

Die reaktionären Politiker der westlichen Demokratien, besonders Englands und Frankreichs, hätten die Politik der kollektiven Sicherheit abgelehnt. Statt dessen trügen sie sich noch immer mit der Idee einer sowjetfeindlichen Koalition, die sich hinter diplomatischen Phrasen, wie ‚Befriedung’ und ‚Nichteinmischung’ verstecke. Diese Politik“, meinte Stalin, „sei bereits gescheitert.“ Er fuhr fort: „… gewisse Politiker und Pressevertreter in Europa und in den Vereinigten Staaten, die In Erwartung eines Feldzugs gegen die Sowjetukraine die Geduld verloren haben, gehen selber dazu über, die wahren Hintergründe der Nichteinmischungspolitik zu enthüllen. Sie erklären geradeheraus und geben es schwarz auf weiß, daß sie von den Deutschen schwer enttäuscht seien, da diese, statt weiter nach Osten, gegen die Sowjetunion, vorzustoßen, sich … nach Westen wenden und Kolonien verlangen. Der Gedanke liegt nahe, man habe den Deutschen Gebiete der Tschechoslowakei als Kaufpreis für die Verpflichtung gegeben, den Krieg gegen die Sowjetunion zu beginnen, daß sich aber die Deutschen nunmehr weigern, den Wechsel einzulösen …“

„Ich bin weit davon entfernt“, sagte Stalin, „über die Nichteinmischungspolitik zu moralisieren, von Verrat, von Treubruch und dergleichen zu sprechen. Es wäre naiv, Leuten, die die menschliche Moral nicht anerkennen, Moral zu predigen! Politik ist Politik, wie die alten durchtriebenen bürgerlichen Diplomaten sagen. Es ist jedoch notwendig, zu bemerken, daß das große und gefährliche politische Spiel, das die Anhänger der Nichteinmischungspolitik begonnen haben, für sie mit einem ernsten Fiasko enden kann.“

Die Sowjetunion strebte noch immer eine internationale Zusammenarbeit gegen die Angreifer und eine realistische Politik der kollektiven Sicherheit an; aber Stalin erklärte mit aller Deutlichkeit, daß eine solche Zusammenarbeit vom Geist der Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit getragen sein müsse. Die Rote Armee habe nicht die leiseste Absicht, für die Befriedungspolitiker Englands und Frankreichs die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Wenn es zum Äußersten käme, würde die Rote Armee auf ihre Stärke und die Einigkeit und Treue des Sowjetvolkes vertrauen. Stalin sagte: „… im Kriegsfall wird bei uns das Hinterland und die Front stärker sein als bei jedem anderen Volk. Diese Tatsache sollten die Leute im Ausland, die eine Vorliebe für militärische Auseinandersetzungen haben, lieber nicht vergessen.“

Aber Stalins unverblümte und inhaltsschwere Warnung wurde nicht beachtet.

Eine im April 1939 in England veranstaltete Umfrage ergab, daß 87 Prozent der englischen Bevölkerung den Abschluß eines anglo-sowjetischen Bündnisses gegen Nazideutschland befürworteten.

Churchill betrachtete die anglo-sowjetische Annäherung als „lebenswichtig“ In einer am 27. März gehaltenen Rede gab er eine scharfe Erklärung ab:

„Wenn die Regierung Seiner Majestät, die das Verteidigungssystem unseres Landes vernachlässigt, die Tschechoslowakei mit ihrem ganzen Kriegspotential preisgegeben und schließlich die Verpflichtung, Polen und Rumänien zu verteidigen, auf sich genommen hat, jetzt die unentbehrliche Hilfe Rußlands zurückweist und wegwirft und uns so auf die schlimmste Weise dem schlimmsten aller Kriege entgegenführt, dann hat sie die Großmut, mit der sie von ihren Landsleuten behandelt wurde, nicht verdient.“

Am 29. Juli bekräftigte Lloyd George Churchills Ausführungen mit folgenden Worten:

„Mr. Chamberlain hat mit Hitler direkte Verhandlungen geführt. Er reiste zu ihm nach Deutschland. Er und Lord Halifax besuchten Mussolini. Sie tranken auf seine Gesundheit und sagten ihm, er sei ein feiner Kerl. Aber wen haben sie nach Rußland geschickt? Noch nicht einmal den untersten Kabinettsminister, sondern einen Beamten des Außenministeriums. Das ist eine Beleidigung… Sie haben kein Urteilsvermögen, kein Gefühl für den Ernst der Lage - und dabei erbebt die Welt, ein Abgrund tut sich auf…“

Niemand hörte auf die Stimme des englischen Volkes und auf die Worte britischer Staatsmänner wie Churchill und Lloyd George. „Ein rückhaltloses Bündnis mit Rußland“, bemerkte die Londoner „Times“, „würde anderweitige Verhandlungen behindern.“[73]

Gegen Ende des Sommers 1939, als die Gefahr eines europäischen Krieges in greifbare Nähe rückte, war die englische Regierung in Moskau nur durch einen untergeordneten Beamten des Außenamtes, William Strang, vertreten. Unter dem Druck der öffentlichen Meinung sah sich Chamberlain gezwungen, die Verhandlungen mit Rußland wenigstens zum Schein wiederaufzunehmen. Am 11. August traf in Moskau eine englische Militärmission ein, um Besprechungen mit dem russischen Generalstab zu führen. Die englische Mission hatte für ihre Reise von London nach Rußland das langsamste Transportmittel gewählt, das sich finden ließ: ein Schiff mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von dreizehn Knoten. Die Russen mußten nach kurzer Zeit feststellen, daß die Militärmission ebensowenig zum Abschluß eines Vertrags mit der Sowjetregierung berechtigt war wie Mr. Strang, Rußland sollte isoliert und ohne Hilfe dem nationalsozialistischen Deutschland entgegentreten, das wohl nicht aktiv, aber passiv von den mit dem Münchener Abkommen sympathisierenden europäischen Regierungen unterstützt wurde.

Joseph E. Davies schilderte in einem Brief vom 18. Juli 1941 dem ehemaligen amerikanischen Botschafter und späteren Berater Roosevelts, Harry Hopkins, wie Rußland von den anderen Mächten zu gewissen politischen Entschlüssen gezwungen wurde:

„Auf Grund der persönlichen Beobachtungen, zu denen ich seit 1936 Gelegenheit hatte, kann ich behaupten, daß außer dem Präsidenten der Vereinigten Staaten keine Regierung die Gefährdung des Friedens durch Hitler und die Notwendigkeit der kollektiven Sicherheit und des Abschlusses von Bündnissen zwischen den friedfertigen Nationen so klar erkannte wie die Sowjetregierung. Die führenden Männer Rußlands waren bereit, für die Tschechoslowakei zu kämpfen. Sie kündigten noch vor dem Münchener Abkommen den Nichtangriffspakt mit Polen, weil sie ihren Truppen den Weg durch Polen frei halten wollten, um nötigenfalls ihren vertraglichen Verpflichtungen der Tschechoslowakei gegenüber nachkommen zu können. Sogar nach München, im Frühjahr 1939, erklärte sich die Sowjetregierung bereit, mit England und Frankreich zusammenzugehen, falls Deutschland Polen oder Rumänien angreifen sollte. Rußland forderte allerdings die Einberufung einer internationalen Konferenz aller nichtaggressiven Staaten, um die Pflichten der einzelnen Länder objektiv und konkret festzulegen; dann sollte Hitler von dem vereinten Widerstandswillen der Teilnehmer in Kenntnis gesetzt werden … Dieser Vorschlag wurde von Chamberlain mit der Begründung abgelehnt, daß Polen und Rumänien sich gegen die Einbeziehung Rußlands ausgesprochen hätten…

Während des ganzen Frühjahrs 1939 bemühten sich die Sowjets um das Zustandekommen eines endgültigen Abkommens, das dem weiteren Vordringen Hitlers durch gemeinsames Handeln und Koordinierung der militärischen Pläne einen Riegel vorschieben sollte. England … weigerte sich, Rußland mit Bezug auf die baltischen Staaten die gleichen Schutzmaßnahmen zu garantieren, die Rußland im Falle eines Angriffs auf Belgien oder Holland Frankreich und England zusichern wollte. Die Sowjets kamen schließlich mit vollem Recht zu der Überzeugung, daß eine wirksame, direkte, konkrete Vereinbarung mit Frankreich und England nicht zu erzielen war. So wurden sie zum Abschluß des Nichtangriffspaktes mit Hitler gezwungen.“

Zwanzig Jahre nach Brest-Litowsk trieben die sowjetfeindlichen Politiker Europas Sowjetrußland neuerlich in ein unerwünschtes Bündnis mit Deutschland hinein, das den Zwecken der Selbstverteidigung diente.

Am 23. August 1939 unterzeichnete die Regierung der Sowjetunion den Nichtangriffspakt mit Nazideutschland.

2. Der zweite Weltkrieg

Am l. September 1939 überschritten die motorisierten Divisionen der Nazis an sieben Stellen die polnische Grenze. Zwei Tage später erfolgte die englische und die französische Kriegserklärung an Deutschland. Die polnische Regierung, die sich unter dem Einfluß der antisowjetischen „Obersten-Clique“ mit dem Nationalsozialismus verbündet, die Hilfe der Sowjets abgewiesen und die kollektive Sicherheit boykottiert hatte, zerfiel im Laufe von zwei Wochen. Die Nazis trieben die zerstreuten Überreste ihrer ehemaligen Bundesgenossen zu Paaren.

Am 17. September - der nazistische Blitzkrieg war noch im Gange, die polnische Regierung ergriff in panischem Schrecken die Flucht - überschritt die Rote Armee die russisch-polnische Vorkriegsgrenze und besetzte Bjelorußland, die Westukraine und Galisien, bevor die deutschen Panzerkolonnen in diese Gebiete vorstoßen konnten. In raschem Vormarsch eroberten die Russen das gesamte Territorium, das ihnen im Jahre 1920 von den Polen abgenommen worden war.

„Es ist klar, daß die russische Armee diese Linie beziehen mußte, um Rußland vor der nazistischen Bedrohung zu schützen …“, erklärte Winston Churchill am l. Oktober in einer Rundfunkrede. „So wurde eine Ostfront geschaffen, die Deutschland nicht anzugreifen wagt. Als Herr von Ribbentrop vorige Woche der Einladung nach Moskau Folge leistete, wurde ihm kategorisch erklärt, daß die Nazis ihre Absichten auf die baltischen Staaten und die Ukraine aufgeben müßten.“

Der Vormarsch der Roten Armee nach Westen eröffnete eine Reihe von Maßnahmen, durch die Sowjetrußland ein Gegengewicht gegen die Ausbreitung des Nationalsozialismus zu schaffen und sein Verteidigungssystem für die unvermeidliche Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich zu stärken suchte …

Während der letzten Septemberwoche und in den ersten Oktobertagen unterzeichnete die Sowjetregierung Abkommen für gegenseitige Hilfe mit Estland, Lettland und Litauen. Durch die Verträge erhielt die Sowjetunion das Recht, in den baltischen Staaten Garnisonen, Flughäfen, Marinestützpunkte zu errichten.

Aber der nördlichste Nachbar, Finnland, mußte als künftiger Waffenbruder des Dritten Reiches angesehen werden.

Der militärische Führer Finnlands, Baron Karl Gustav von Mannerheim, unterhielt freundschaftliche Beziehungen zur deutschen Heeresleitung. Die Generalstäbe der beiden Länder waren in ständiger Fühlung, deutsche Offiziere leiteten periodisch die Manöver der finnischen Armee. Der finnische Generalstabschef General Karl Oesch hatte in Deutschland seine militärische Ausbildung erhalten; ebenso sein erster Adjutant, General Hugo Ostermann, der während des ersten Weltkrieges in der deutschen Armee diente.

Auch politisch stand Finnland dem Dritten Reich nahe. Der Ministerpräsident Risto Ryti sah in Hitler ein „Genie“; der reiche Germanophile Per Svinhufrud, dem die Deutschen das Eiserne Kreuz verliehen hatten, übte hinter den Kulissen einen entscheidenden Einfluß auf die finnische Politik aus.

Mit Hilfe deutscher Offiziere und Techniker war Finnland in eine mächtige Festung verwandelt worden, die als Basis für einen Einfall in die Sowjetunion dienen konnte. Es gab auf finnischem Boden dreiundzwanzig militärische Flughäfen, in denen man die Flugzeuge der finnischen Luftflotte zehnmal hätte unterbringen können. Nazistische Techniker leiteten den Ausbau der Mannerheimlinie, einer Reihe komplizierter, großartig ausgerüstete Festungsbauten von mehreren Kilometern Tiefe längs der sowjetischen Grenze; an einer Stelle lagen nur 34 Kilometer zwischen Lenin grad und den Mündungen der schweren finnischen Geschütze. Im Gegensatz zur Maginotlinie war die Mannerheimlinie nicht nur für Verteidigungszwecke, sondern auch für die Unterbringung starker Offensivkräfte eingerichtet. Als die Mannerheimlinie im Sommer 1939 ihrer Vollendung entgegenging, begab sich Hitlers Generalstabschef General Halder nach Finnland, um eine abschließende Inspektion der imposanten Befestigungsanlage vorzunehmen…

Die Sowjetregierung schlug Finnland einen gegenseitigen Beistandspakt vor. Moskau erklärte sich bereit, im Austausch für einige strategisch wichtige Inseln in der Nähe von Lenin grad, einen Teil der karelischen Landenge und einen dreißigjährigen Pachtvertrag für den Hafen von Hangoe, in dem ein sowjetischer Flottenstützpunkt errichtet werden sollte, mehrere tausend Quadratkilometer sowjetischen Territoriums abzutreten. Die Sowjetregierung war der Ansicht, daß diese finnischen Gebiete für die Verteidigung der Flottenbasis von Kronstadt und der Stadt Lenin grad von ausschlaggebender Bedeutung seien.

Mitte November brach die finnische Regierung auf Betreiben ihrer nazifreundlichen Mitglieder plötzlich die Verhandlungen ab. Ende November begann der finnisch-russische Krieg.

Die sowjetfeindlichen Elemente in England und Frankreich glaubten, daß der langersehnte Heilige Krieg nun endlich gekommen war. Der merkwürdig ereignislose Kampf gegen Nazideutschland im Westen erschien ihnen als der „falsche Krieg“. Der wahre Krieg mußte sich gegen den Osten richten. Unter dem Schlagwort „Hilfe für Finnland“ setzte in England, Frankreich und den Vereinigten Staaten ein heftiger Propagandafeldzug gegen die Sowjetunion ein.

Ministerpräsident Chamberlain, der erst kurz zuvor behauptet hatte, sein Land verfüge nicht über die für den Kampf gegen Deutschland notwendigen Waffen, ordnete die sofortige Entsendung von 144 britischen Flugzeugen, 114 schweren Geschützen, 185000 Geschossen, 50000 Handgranaten, 15700 Luftbomben, 100000 Armeemänteln und 48 Ambulanzen nach Finnland an. Zu einer Zeit, wo die französische Armee für den Widerstand gegen die unvermeidliche Nazioffensive jede Gewehrkugel brauchte, stellte die französische Regierung dem finnischen Heer 179 Flugzeuge, 472 Kanonen, 795000 Geschosse, 5100 Maschinengewehre und 200000 Handgranaten zur Verfügung.

Während an der Westfront nach wie vor Ruhe herrschte, plante die englische Heeresleitung, die noch immer unter dem Einfluß sowjetfeindlicher Militärs vom Schlage des Generals Ironside stand, einen Truppentransport von 100000 Mann über Skandinavien nach Finnland. Der französische Generalstab rüstete zu einem gleichzeitigen Angriff auf den Kaukasus. Diese Operation sollte von General Weygand geleitet werden, der offen erklärte, die im Nahen Osten stationierten französischen Flugzeuge stünden bereit, um ihre Bomben auf die Ölfelder von Baku abzuwerfen.

Tag für Tag verkündeten die Schlagzeilen der englischen, französischen und amerikanischen Zeitungen triumphale Siege der Finnen und verheerende Niederlagen der Sowjets. Aber nach dreimonatigem Kampf auf außerordentlich schwierigem Terrain, in einem Gebiet, wo die Temperatur häufig 60 bis 70 Grad unter Null erreichte, gelang es der Roten Armee, die „undurchdringliche“ Mannerheimlinie zu durchbrechen. Die finnische Armee wurde in die Flucht geschlagen.[74]

Am 29. März 1940 erklärte Molotow vor dem Obersten Sowjet der UdSSR:

„Obwohl es der Sowjetunion nach der Vernichtung des finnischen Heeres ein leichtes gewesen wäre, ganz Finnland zu besetzen, nahm sie von diesem Schritt Abstand. Sie verlangte keine Kriegsentschädigung, wie es jede andere Macht getan hätte, sondern beschränkte ihre Forderungen auf ein Mindestmaß… Wir verfolgten bei den Friedensverhandlungen kein anderes Ziel als die Sicherung von Lenin grad, Murmansk und der Murmansker Eisenbahn …“

Aber Nazideutschland setzte seine heimliche Kriegsführung gegen die Sowjetunion fort…

Am Tage nach der Einstellung der Feindseligkeiten zwischen Finnland und Sowjetrußland erließ General Mannerheim eine Proklamation an das finnische Heer, in der er es als die „heilige Mission der Armee“ bezeichnete, „ein Vorposten der westlichen Zivilisation im Osten zu sein“. Kurz darauf begann die finnische Regierung, längs der abgeänderten Grenze neue Befestigungen zu errichten. Die Arbeiten wurden von nazistischen Technikern beaufsichtigt. Finnland vergab große Rüstungsaufträge an deutsche und schwedische Firmen. Starke deutsche Truppenkontingente trafen in Finnland ein. Die Generalstäbe Finnlands und Deutschlands errichteten ein gemeinsames Hauptquartier, das deutsch-finnische Manöver veranstaltete. Das Personal der deutschen Botschaft in Helsinki und der elf über das Land verteilten deutschen Konsulate wurde durch Scharen von nazistischen Agenten erweitert.

Im Frühjahr 1940 war es mit der Ruhe im Westen plötzlich vorbei. Am 9. April fielen deutsche Truppen in Dänemark und Norwegen ein. Die Dänen leisteten keinerlei Widerstand, die Besetzung wurde in einem einzigen Tag durchgeführt. Gegen Ende des Monats war der organisierte Widerstand in Norwegen gebrochen, die englischen Truppen, die den Norwegern zu Hilfe gekommen waren, gaben ihre wenigen, unsicher gewordenen Stützpunkte auf. In Oslo wurde eine von Major Vidkun Quisling geführte nazistische Marionettenregierung eingesetzt.

Am 10. Mai reichte Ministerpräsident Chamberlain seinen Abschied ein, nachdem er das Land in eine der verzweifeltsten Situationen seiner langen Geschichte hineinmanövriert hatte. Am gleichen Tage beauftragte der König Winston Churchill mit der Kabinettsbildung - und am gleichen Tage fiel die deutsche Armee in Holland, Belgien und Luxemburg ein. Am 21. Mai stießen die Deutschen nach Beseitigung der letzten Hindernisse bis zum Kanal vor. Die Alliierten waren in Flandern abgeschnitten.

Frankreich wurde von einer Panik ergriffen. Die Fünfte Kolonne war überall am Werk. Die französischen Truppen wurden von ihren Offizieren im Stich gelassen. Ganze Divisionen waren ohne jede militärische Ausrüstung. Paul Reynaud erklärte dem Senat, die Führer der französischen Armee hätten unfaßbare Irrtümer begangen. Er sprach von „Verrätern, Defäitisten und Feiglingen“. Hochgestellte französische Offiziere wurden plötzlich dutzendweise verhaftet. Aber diese Verhaftungen kamen zu spät. Frankreich war bereits in der Gewalt der Fünften Kolonne.

Der frühere französische Minister für Flugwesen, Pierre Cot, schrieb später in seinem Buch „Triumph des Verrates“:

„…die Faschisten hatten überall im Land und in der Armee freie Hand. Hinter dem Rauchvorhang der antikommunistischen Agitation war die große politische Verschwörung im Gange, die Frankreich lahmen und Hitler seine Arbeit erleichtern sollte. Die wirksamsten Werkzeuge der Fünften Kolonne waren Weygand, Petain und Laval. In dem Ministerrat, der am 12. Juni 1940 in Cange bei Tours stattfand, drängte Weygand auf Beendigung des Krieges. Als Hauptargument brachte er vor, daß in Paris eine kommunistische Revolution ausgebrochen sei. Er behauptete, Maurice Thorez, der Generalsekretär der Kommunistischen Partei, habe sich bereits im Präsidentenpalais niedergelassen. Innenminister Georges Mandel rief sofort den Polizeipräfekten von Paris an, der Weygand Lügen strafte; es seien keinerlei Störungen vorgekommen, die Bevölkerung verhalte sich ruhig … Nachdem es Petain und Weygand gelungen war, in der allgemeinen Verwirrung des Zusammenbruchs die Macht an sich zu reißen, gingen sie mit Lavais und Darlans Hilfe daran, unverzüglich jede politische Freiheit zu unterbinden, das Volk zu knebeln und ein faschistisches Regime zu errichten.“

Mit jeder Stunde wuchs die Verwirrung, das Debakel rückte immer näher - und die französischen Soldaten kämpften weiter, verzweifelt und hoffnungslos. Noch nie war ein so ungeheurer Verrat an einem Volk begangen worden.

Vom 29. Mai bis zum Abend des 4. Juni dauerte die Evakuierung der englischen Truppen aus Dünkirchen. Durch eine heroische Aktion der britischen Armee wurden 335 000 Mann gerettet.

Am 10. Juni erklärte das faschistische Italien Frankreich und England den Krieg.

Am 14. Juni fiel Paris. Petain, Weygand, Laval und der Trotzkist Dorföt bildeten die nazistische Marionettenregierung des neuen Frankreich.

Am 22. Juni wurde im Wald von Compiegne in demselben Eisenbahnwaggon, in dem Marschall Foch zweiundzwanzig Jahre vorher den besiegten Deutschen seine Bedingungen diktiert hatte, der Waffenstillstand zwischen Deutschland und Frankreich unterzeichnet.

Während Frankreich zerfiel, befestigte die Rote Armee durch einen neuerlichen, raschen Schachzug die Verteidigungsstellungen der Sowjetunion.

Mitte Juni griffen die sowjetischen Panzerdivisionen durch die Besetzung Estlands, Lettlands und Litauens einem drohenden Naziputsch in den baltischen Staaten vor.

Am 27. Juni fiel die Rote Armee in Bessarabien und in die nördliche Bukowina ein, die Rumänien den Russen nach der Revolution entrissen hatte.

Die Sowjetunion und Nazideutschland standen einander auf der künftigen Kampflinie gegenüber.

Gegen Ende Juli begannen die deutschen Großangriffe auf London und andere englische Städte. Tonnen von Explosivstoffen gingen auf die Zivilbevölkerung nieder. Die Luftangriffe, die im Laufe des folgenden Monats immer rücksichtsloser wurden, sollten die ganze Nation mit lähmender Angst erfüllen und das bereits erheblich geschwächte England binnen kurzem auf die Knie zwingen.

Aber inzwischen waren in Großbritannien tiefgreifende Veränderungen vor sich gegangen. Die durch Chamberlains Führerschaft hervorgerufene Unschlüssigkeit und Uneinigkeit hatte einer entschlossenen Stimmung Platz gemacht. Das Bewußtsein der nationalen Einheit war neu erstarkt. Das englische Volk konnte die Tätigkeit der Fünften Kolonne auf der anderen Seite des Kanals beobachten. Die Regierung Churchills handelte rasch und entschlossen. Scotland Yard und der englische Geheimdienst machten Jagd auf Naziagenten, britische Faschisten und Intriganten der Fünften Kolonne. Bei einer unerwarteten Razzia im Londoner Hauptquartier des britischen Faschisten-Bundes konnten die Behörden wichtige Dokumente beschlagnahmen. Eine große Anzahl von Agenten der Fünften Kolonne wurde festgenommen. Sir Oswald Mosley, der Führer der englischen Faschistenpartei, wurde in seiner Wohnung verhaftet. Sensationelle Ereignisse folgten: John Beckett, ein ehemaliges Parlamentsmitglied und Begründer der sowjetfeindlichen, nazifreundlichen Volkspartei, Hauptmann A. H. Ramsay, konservativer Abgeordneter für Peebles, Edward Dudley Elan, Beamter im Ministerium für Gesundheitswesen, seine Frau, Mrs. Dacre Fox, und andere prominente Nazifreunde und Faschisten wurden verhaftet. Durch eine neue gesetzliche Verfügung wurde die Todesstrafe für Landesverrat eingeführt.

Die Verhaftung des Admirals Sir Barry Domvile, des ehemaligen Leiters der Marinespionage, war ein Beweis dafür, daß die britische Regierung aus den Ereignissen in Frankreich und den Moskauer Prozessen eine Lehre gezogen hatte. Domvile, ein Freund Alfred Rosenbergs und des verstorbenen Generals Max Hoffmann, hatte sich seit 1918 fast an allen sowjetfeindlichen Verschwörungen beteiligt. Zur Zeit seiner Verhaftung, im Juli 1940, stand er an der Spitze einer nazifreundlichen englischen Geheimgesellschaft, die den Namen „The Link“ führte und unter Mitwirkung des Gestapochefs Heinrich Himmler gegründet worden war. Gegen Verrat im eigenen Lager gesichert, ertrug das englische Volk die Heimsuchung des nazistischen Luftkrieges mit Mut und Standhaftigkeit. Das Verteidigungssystem wurde ausgebaut, und am 17. September gelang es der britischen Luftwaffe, an einem einzigen Tag nicht weniger als 185 deutsche Flugzeuge über England abzuschießen.

Hitler, der mit einem so entschlossenen Widerstand nicht gerechnet hatte und durch das Vorrücken der Roten Armee im Osten beunruhigt wurde, blieb am Kanal stehen. Der geplante Überfall auf die britischen Inseln unterblieb…

Man schrieb das Jahr 1941. Mit gespannter Aufmerksamkeit erwartete ganz Europa den Ausbruch der Feindseligkeiten zwischen den zwei größten Militärmächten der Welt: Nazideutschland und Sowjetrußland. Am l. März zogen die Deutschen in Sofia ein, Bulgarien wurde eine Kriegsbasis der Nazis. Nachdem die Regentschaft des Prinzen Paul durch einen jugoslawischen Volksaufstand gestürzt und die Naziagenten aus dem Lande gejagt waren, schloß die Sowjetregierung am 6. April mit der neuen jugoslawischen Regierung einen Nichtangriffspakt. Am gleichen Tage erfolgte die Kriegserklärung Deutschlands an Jugoslawien und die Eröffnung der Kampfhandlungen.

Am 6. Mai wurde Stalin Vorsitzender des Rates der Volkskommissare der UdSSR.[75]

Am 22. Juni 1941, um 4 Uhr morgens, rasten deutsche Tanks, Flugzeuge, mobile Artillerie, motorisierte Einheiten und Infanterietruppen ohne vorherige Kriegserklärung über die sowjetische Grenze. Die Frontlinie erstreckte sich von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer.

Auch Italien, Rumänien, Ungarn und Finnland beteiligten sich an dem Krieg gegen Sowjetrußland. In Frankreich und Spanien wurden faschistische Spezialeinheiten zusammengestellt. Die Armeen der europäischen Gegenrevolution vereinten ihre Kräfte in einem Heiligen Krieg gegen die Sowjets. Der Plan General Hoffmanns war Wirklichkeit geworden.

Am 7. Dezember 1941 griffen japanische Bombenflugzeuge und Schlachtschiffe die Vereinigten Staaten von Amerika ohne vorherige Warnung an. Das nazistische Deutschland und das faschistische Italien erklärten Amerika den Krieg.

Am 9. Dezember sagte Präsident Roosevelt in einer Rede an das amerikanische Volk:

„Der Kurs, den Japan während der letzten zehn Jahre in Asien verfolgte, entspricht dem Kurs Hitlers und Mussolinis in Europa und Afrika. Heute ist daraus weit mehr geworden. Heute ist es eine so genau berechnete Zusammenarbeit, daß die Strategen der Achse sämtliche Erdteile und Meere der Welt als ein einziges, riesiges Schlachtfeld ansehen können.“

1931 fiel Japan in die Mandschurei ein - ohne Warnung.

1935 überfielen die Italiener Abessinien - ohne Warnung.

1938 wurde Österreich von Hitler besetzt - ohne Warnung.

1939 fiel Hitler in die Tschechoslowakei ein - ohne Warnung.

Zu einem späteren Zeitpunkt desselben Jahres überfiel Hitler Polen - ohne Warnung.

1940 besetzte Hitler Norwegen, Dänemark, Holland, Belgien und Luxemburg - ohne Warnung.

1940 griff Italien zuerst Frankreich und dann Griechenland an - ohne Warnung.

1941 fiel Hitler in Rußland ein - ohne Warnung.

Und schließlich erfolgte der Überfall Japans auf die malaiischen Inseln, Siam und die Vereinigten Staaten - ohne Warnung. Es war immer das gleiche System.

Die Maske war gefallen. Der Geheimkrieg der von den Achsenmächten begründeten Antikomintern gegen Sowjetrußland war mit dem Weltkrieg gegen alle freien Völker der Erde verschmolzen.

Am 15. Dezember erklärte Präsident Roosevelt in einer Botschaft an den Kongreß:

„Im Jahr 1936 stellte sich Japan durch seinen Beitritt zum Antikomintern-Pakt offen auf die Seite Deutschlands. Wie wir alle wissen, war dieser Pakt dem Namen nach gegen die Sowjetunion gerichtet; in Wirklichkeit handelte es sich um die Bildung einer faschistischen Liga gegen die freie Welt, vor allem gegen Großbritannien, Frankreich und die Vereinigten Staaten.“

Die entscheidende Endphase des zweiten Weltkrieges hatte begonnen: die weltumspannende Auseinandersetzung zwischen dem internationalen Faschismus und den vereinigten Streitkräften, der fortschrittlichen Menschheit.


ANMERKUNGEN

  1. Am 24. September 1938, als die Nazis gegen das Sudetengebiet marschierten, erklärte die New Yorker trotzkistische Zeitung „Socialist Appeal“ in ihrem Leitartikel: „Unter den nationalen Fehlgeburten, die aus den Wehen der infamen Versailler Konferenz hervorgingen, ist die Tschechoslowakei eine der unglücklichsten… Die tschechoslowakische Demokratie war immer nur der schäbige Deckmantel einer vorgeschrittenen kapitalistischen Ausbeutung… Aus dieser Perspektive ergibt sich als zwingende Folgerung und unter allen Umständen der entschlossenste revolutionäre Widerstand gegen den bourgeoisen tschechischen Staate.“

    Mit solchen pseudorevolutionären Schlagworten führten die europäischen und amerikanischen Trotzkisten eine unermüdliche Propaganda gegen die Verteidigung der von der Achse bedrohten kleinen Nationen und gegen die kollektive Sicherheit. Während Abessinien, Spanien, Nord- und Mittelchina, Österreich und die Tschechoslowakei der Reihe nach von Deutschland, Italien und Japan besetzt wurden, versuchte Trotzkis Vierte Internationale die These zu verbreiten, daß die kollektive Sicherheit nichts anderes bedeute als „Aufhetzung zum Krieg“. Trotzki erklärte, die „Verteidigung der Nationalstaaten“ sei eigentlich „eine reaktionäre Aufgabe“.

    Trotzkis Anhänger und Gesinnungsfreunde in Europa und Amerika führten einen erbitterten Kampf gegen die Volksfront in Frankreich, die republikanische Regierung in Spanien und andere patriotische, antifaschistische Massenbewegungen, die die Herstellung der nationalen Einheit im eigenen Land und Abkommen mit der Sowjetunion zur Förderung der kollektiven Sicherheit anstrebten. Die trotzkistische Propaganda behauptete, diese Bewegungen würden die betreffenden Länder nur in Kriege stürzen.

    So waren Trotzki und seine Propagandisten gemeinsam mit den Befriedungspolitikern und den Propagandaministerien der Achse bemüht, den europäischen Völkern einzureden, daß die kollektive Sicherheit die Kriegsgefahr erhöhe und daß alle Kräfte, die dieses Ziel anstrebten, im Dienst Stalins stünden.

  2. Am Tage des deutschen Einmarsches in Prag war eine Abordnung des britischen Industriellen-Verbandes in Düsseldorf mit der Festlegung der letzten Einzelheiten eines umfassenden Abkommens mit der deutschen Großindustrie beschäftigt.

    Im Juli brachte die englische Presse die sensationelle Nachricht, daß Robert S. Hudson, der Parlamentssekretär des Handelsministeriums, mit Hitlers Wirtschaftsberater Dr. Helmut Wohlthat zusammengekommen war, um über die Möglichkeit einer englischen 51-Millionen-Pfund-Anleihe an Nazideutschland zu verhandeln.

    Nicht alle großen englischen Geschäftsleute sympathisierten mit der Befriedungspolitik. Am 8. Juli erklärte der Bankier und Kohlenmagnat Lord Davies im Oberhaus: „Die russische Regierung weiß sehr genau, daß gewisse Kreise dieses Landes die stille Hoffnung hegen, die deutschen Adler würden nicht westwärts, sondern ostwärts fliegen, wie es ja allem Anschein nach zu der Zeit, als Hitler ‚Mein Kampf’ schrieb, in Aussicht genommen war…“ Über die Verhandlungen Chamberlains mit der Sowjetregierung sagte Lord Davies: „Manchmal bezweifle ich sogar jetzt, daß es das Kabinett mit diesen Verhandlungen ernst meint. Vielleicht soll die öffentliche Meinung nur wieder einmal beschwichtigt werden.“

  3. Im Juni 1940 berichtete das Institut für Propaganda-Analyse in New York: „Über keinen zeitgenössischen Konflikt hat die amerikanische Presse so wenig Wahres und so viel Lügenmärchen verbreitet wie über den Krieg in Finnland.“

  4. Am 10. Mai 1941 um 22.30 Uhr stürzte in Lanarkshire, Schottland, ein deutsches Messerschmitt-Flugzeug ab. Der Apparat fiel auf ein Feld in der Nahe von Dungavel Castle, das dem jungen Duke of Hamilton gehörte. Ein ehemaliger Angestellter des Herzogs sah den Feuerschein der in Brand geratenen Maschine, dann erkannte er den weißen Umriß eines langsam niedergehenden Fallschirms. Mit einer Heugabel bewaffnet stürzte er ins Freie.

    Er fand einen Mann, der mit gebrochenem Knöchel am Boden lag: es war Rudolf Heß, der Stellvertreter des Führers.

    „Führen Sie mich zum Duke of Hamilton“ sagte Heß auf englisch. „Ich bin gekommen, um die Menschheit zu retten!“

    Sir Patrick Dollan, Bürgermeister von Glasgow, sagte am 11. Juni 1941: „Heß kam hierher… in dem Glauben, er könnte zwei Tage in Schottland bleiben und seine Friedensvorschläge mit einer bestimmten Gruppe durchsprechen. Dann würde man ihm Betriebsstoff und Landkarten zur Verfügung stellen, um ihm die Rückfahrt nach Deutschland und die Berichterstattung über die Ergebnisse seiner Unterredung zu ermöglichen.“

    Stalin erklärte in diesem Zusammenhang in seiner Rede vom 6. November 1941: „Die Deutschen wußten, daß ihre Politik des Spiels mit den Gegensätzen zwischen den Klassen der einzelnen Staaten sowie zwischen diesen Staaten und dem Sowjetland schon ihre Resultate in Frankreich gezeitigt hatte, dessen Machthaber sich durch das Gespenst der Revolution schrecken ließen und in ihrer Angst ihr Heimatland Hitler zu Füßen legten und auf Widerstand verzichteten. Die faschistischen deutschen Strategen glaubten, daß genau das gleiche auch mit Großbritannien und den Vereinigten Staaten von Amerika geschehen werde. Der nicht unbekannte Heß wurde ja deshalb von den deutschen Faschisten nach England gesandt, damit er die englischen Politiker dazu überrede, sich dem allgemeinen Feldzug gegen die Sowjetunion anzuschließen. Aber die Deutschen haben sich gründlich verrechnet. Rudolf Heß wurde von der englischen Regierung als Gefangener behandelt.“

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