Die große Verschwörung

Viertes Buch - Von München bis San Francisco

XXIII. ANTIKOMINTERN IN AMERIKA

1. Das Erbe der Schwarzen Hundertschaften

Nach dem 22. Juni 1941 waren die Bemühungen der Geheimdiplomatie der Achse in erster Linie darauf gerichtet, den Beitritt der Vereinigten Staaten zu der anglo-sowjetischen Allianz um jeden Preis zu verhindern. Die Isolierung Amerikas war eine der wesentlichen Voraussetzungen für die Verwirklichung der deutsch-japanischen militärischen Pläne…

Amerika wurde zum Brennpunkt der von den Achsenmächten betriebenen sowjetfeindlichen Propaganda und Intrigen.

Seit 1918 waren die Vereinigten Staaten mit einer Flut lügenhafter sowjetfeindlicher Propaganda überschwemmt worden. Die russische Revolution wurde als das Werk „wilder, zügelloser, von Meuchelmördern und degenerierten Verbrechern aufgehetzter Pöbelhaufen“ dargestellt; die Rote Armee galt als „undiszipliniertes Gesindel“, die sowjetische Wirtschaft als „undurchführbares Unternehmen“; es wurde behauptet, daß die sowjetische Industrie und Landwirtschaft sich „in einem Zustand hoffnungsloser Anarchie“ befinde und daß das Sowjetvolk nur auf einen Krieg warte, um sich gegen die „skrupellosen Herren von Moskau“ zu erheben.

Sofort nach dem Angriff Nazideutschlands auf die Sowjetunion erhob sich in den Vereinigten Staaten ein Chor von Stimmen, die den Zusammenbruch der UdSSR für die allernächste Zukunft ankündigten. Die folgenden Äußerungen sind bezeichnend für die Stimmung, die damals in weiten Kreisen Amerikas herrschte:

„Im Laufe von dreißig Tagen wird Hitler Rußland erobern.“ - (Martin Dies, Mitglied des Kongresses, am 24. Juni 1941.) „Nur ein Wunder, wie es seit biblischen Zeiten nicht mehr erlebt wurde, könnte die Roten vor einer baldigen, vernichtenden Niederlage bewahren.“ (Fletcher Pratt, „New York Post“, 27.Juni 1941.)

„Rußland ist verloren; Amerika und Großbritannien können nicht verhindern, daß das Land in kürzester Zeit unter den Hammerschlägen des nazistischen Blitzkrieges zusammenbricht.“ (Hearst „New York Journal-American“, 27. Juni 1941.) Am 20. November 1941 erschien in der „Houston Post“ ein Leitartikel mit der Überschrift „Unbekanntes Rußland“. Darin wurde eine Frage aufgeworfen, die damals viele Amerikaner beschäftigte:

„Es gibt keine zureichende Erklärung für die Tatsache, daß die Bevölkerung der Vereinigten Staaten während der letzten zwanzig Jahre in fast völliger Unkenntnis der in der Sowjetunion erzielten materiellen Fortschritte belassen wurde. Als Hitler Rußland angriff, herrschte in unserm Lande die nahezu einstimmige Ansicht, daß Stalin sich nicht lange halten würde. Unsere besten Köpfe betrachteten die Sache Rußlands als hoffnungslos. Sie erwarteten eine rasche Niederwerfung der Sowjetunion durch die Nazis… Die meisten Amerikaner glaubten, Rußland werde unter dem deutschen Druck Zusammenbrechen …. Warum und auf welche Weise wurden diese Informationen dem amerikanischen Volk so lange vorenthalten?“

Seit 1918 war das amerikanische Volk von dem sowjetrussischen durch eine Grenzwand getrennt. Künstlicher Haß und Furcht vor Sowjetrußland waren in Amerika durch reaktionäre Politiker und Geschäftsleute, weißgardistische Emigranten und gegenrevolutionäre Agenten und schließlich durch Vertreter der Propagandaministerien und Spionageorganisationen der Achsenmächte systematisch genährt worden.

Unmittelbar nach der russischen Revolution begannen die weißgardistischen Emigranten, Amerika mit sowjetfeindlichen Fälschungen zu überschwemmen, um Feindseligkeit und Argwohn gegen die Sowjetunion zu wecken. Von Anfang an bestand eine enge Zusammenarbeit zwischen der antisowjetischen Kampagne der zaristischen Emigranten in den Vereinigten Staaten und dem faschistischen Geheimkrieg, der sich gegen Amerika selbst richtete.

1924 wurden in Amerika die ersten nazistischen Zellen gebildet. Ihre Tätigkeit unterstand dem Leiter der nazistischen Teutonia-Gesellschaft in Chicago, Fritz Gissibl. Im gleichen Jahr gründete Hauptmann Sidney George Reilly mit Unterstützung seiner weißgardistischen Verbündeten in den Vereinigten Staaten eine Zweigstelle seiner Internationalen Antibolschewistischen Liga. In den zwanziger Jahren betrieben Naziagenten wie Fritz Gissibl und Heinz Spanknoebel in engster Zusammenarbeit mit den sowjetfeindlichen Weißgardisten in Amerika ihre antidemokratische und antisowjetische Tätigkeit. Sie erhielten ihre Instruktionen von Rudolf Heß und Alfred Rosenberg.

Im Jahr 1922 traf der russische Emigrant Peter Afanassjew, alias Fürst Peter Kuschubje, alias Peter Armstrong, in San Francisco ein. Er sorgte für die Verbreitung der „Protokolle der Weisen von Zion“; in Amerika und gab zusammen mit dem ehemaligen zaristischen Offizier, Hauptmann Viktor de Kayville, eine nazifreundliche, antisemitische Propagandazeitung, „The American Gentile“, heraus. Er stand in enger Verbindung mit den Naziagenten Fritz Gissibi und Oscar Pfaus.

Nikolai Rybakow, ein ehemaliger Oberst der unter japanischem Oberbefehl stehenden weißgardistischen Armee des Ataman Grigori Semjonow, begab sich anfangs der zwanziger Jahre nach den Vereinigten Staaten, wo er sich mit antisowjetischer und antisemitischer Propaganda beschäftigte. Als Hitler 1933 in Deutschland die Macht ergriff, gründete Rybakow in New York eine nazifreundliche russische Zeitung „Rossija“. Der japanische Agent Semjonow und sein Stellvertreter Rodsajewski, die in der Mandschurei eine von den Japanern finanzierte weißgardistische Armee befehligten, belieferten Rybakow mit japanischem Propagandamaterial über die Mandschurei, das regelmäßig neben nazifreundlichen Artikeln in der „Rossija“ veröffentlicht wurde. 1941, nach Hitlers Einmarsch in Rußland, bezeichnete Rybakows Zeitung die nazistische Wehrmacht als „ein feuriges Schwert, das die gerechte Strafe der Vorsehung vollzieht“, als „die christlich-patriotischen, antibolschewistischen, weißen siegreichen Legionen Hitlers.“

Der wichtigste Verbindungsmann zwischen den Nazis und den Weißgardisten in den Vereinigten Staaten war James Wheeler-Hill, der Sekretär des Deutsch-Amerikanischen Bundes. Wheeler-Hill war kein Deutscher, sondern ein aus Baku gebürtiger Weißgardist. Die Niederlage der Weißen Armeen in Rußland veranlaßte ihn, seinen Wohnsitz nach Deutschland und später nach den Vereinigten Staaten zu verlegen. 1939 wurde er als Nazispion vom FBI (Föderal Bureau of Investigation) verhaftet.

Der wichtigste deutsch-japanische Agent unter den in Amerika lebenden Weißgardisten war „Graf“ Anastasi A. Wonsiatzki. Am 20. September 1933 schrieb der Naziagent Paul A. von Lilienfeld-Toal in einem Brief an den Kommandanten der pro-nazistischen amerikanischen „Silberhemden“ William Dudley Pelley:

„Im nachfolgenden gebe ich Ihnen einen Bericht über meine Beziehungen zu den Weißgardisten … Ich stehe mit dem ‚Generalstab der russischen Faschisten’ (Postfach 631, Putnam, Conn.) in Verbindung. Ihr Führer, Herr A. A. Wonsiatzki, ist derzeit im Ausland, aber sein Vertreter, Herr D. I. Kunle, hat mir einen freundlichen Brief geschrieben und mehrere Exemplare der Zeitung dieser Vereinigung ‚The Fascist’ übersandt.“

„Graf“ Wonsiatzki aus Thompson in Connecticut war ein ehemaliger zaristischer Offizier, der in Denikins Weißer Armee gekämpft hatte. Nach Denikins Niederlage wurde Wonsiatzki das Haupt einer terroristischen Weißen Bande in der Krim, die russische Bürger entführte, Lösegeld für ihre Freilassung forderte und die Gefangenen zu Tode quälte wenn das Geld nicht rechtzeitig bezahlt wurde. Wonsiatzki kam zu Beginn der zwanziger Jahre nach Amerika und heiratete dort eine um zweiundzwanzig Jahre ältere amerikanische Multimillionärin, Mrs. Marion Buckingham Ream Stephens. Wonsiatzki wurde amerikanischer Staatsbürger und ließ sich auf dem luxuriösen Reamschen Landsitz in Thompson nieder.

Das Riesenvermögen seiner Frau inspirierte ihn zu hochfliegenden Träumen von einer sowjetfeindlichen Armee, an deren Spitze er selbst in Moskau einziehen wollte. Er unternahm viele Reisen nach Europa, Asien und Südamerika, wo er mit Vertretern der Torgprom, der Internationalen Antibolschewistischen Liga und anderer antisowjetischer Propagandastellen zusammentraf.

Im August 1933 gründete Wonsiatzki die „Russische Faschistische Nationalrevolutionäre Partei“ in den Vereinigten Staaten. Das offizielle Emblem dieser Partei war das Hakenkreuz. Ihr Hauptquartier befand sich auf dem Landsitz der Familie Ream in Thompson, wo Wonsiatzki in einem Privatarsenal Gewehre, Maschinengewehre und andere militärische Gegenstände aufstapelte und junge Männer, die Uniformen und Hakenkreuzabzeichen trugen, zu Soldaten ausbildete.

Im Jahre 1934 besuchte Wonsiatzki Tokio, Charbin und andere wichtige Städte des Fernen Ostens. Er hatte Besprechungen mit der japanischen Heeresleitung und mit Weißgardisten, unter anderem auch mit Ataman Semjonow. Von Japan reiste Wonsiatzki nach Deutschland, wo er mit Alfred Rosenberg, Dr. Goebbels und Vertretern des deutschen militärischen Geheimdienstes zusammentraf. Wonsiatzki verpflichtete sich, Deutschland und Japan regelmäßig mit Spionagematerial aus den Vereinigten Staaten zu beliefern.

Wonsiatzkis Partei gründete Zweigstellen in New York, San Francisco, Los Angeles, Sao Paulo (Brasilien) und Charbin in der Mandschurei. Diese Zweigstellen arbeiteten unter direkter Auf sieht des deutschen und japanischen militärischen Spionagedienstes.

Neben ihrer Spionagetätigkeit in den Vereinigten Staaten betrieb die von Wonsiatzki finanzierte und geleitete Organisation eine Sabotage- und Terrorkampagne gegen die Sowjetunion. Im Februar 1934 berichtete Wonsiatzkis in Thompson, Connecticut, erscheinende Zeitung „The Fascist“:

„Am 7. Oktober verursachte das Faschistentrio No. A-5 die Entgleisung eines Militärzuges. Nach hier eingelaufenen Nachrichten wurden 100 Personen getötet. In der Gegend von Starobinsk wurde die Kampagne für die Frühjahrsaussaat dank den Bemühungen der ‚Brüder’ gründlich sabotiert. Mehrere mit der Durchführung der Aussaat betraute Kommunisten verschwanden auf geheimnisvolle Weise!

Am 3. September wurde im Distrikt Osera Kmias der kommunistische Leiter eines Kollektivgutes von den ‚Brüdern’ No. 167 und 168 getötet!“

Im April teilte „The Fascist“ mit, im Redaktionsbüro seien 1500 Zloty hinterlegt worden, die Boris Kowerda nach der Entlassung aus dem Gefängnis übergeben werden sollen. Das Geld ist eine Spende Wonsiatzkis.“ Boris Kowerda büßte damals in Polen eine Gefängnisstrafe ab, weil er den sowjetischen Botschafter in Warschau, Wojkow, ermordet hatte.

Das offizielle Programm der Russischen Faschistischen Nationalrevolutionären Partei enthielt folgende Punkte:

„Vorkehrungen zur Ermordung der sowjetischen Militärinstruktoren, der Kriegskorrespondenten, der politischen Führer sowie der wichtigsten Kommunisten … Vor allem Ermordung der Parteisekretäre …

Sabotierung aller Anordnungen der Roten Behörden. …

Behinderung der Verkehrsmittel der Roten Macht … Umlegen von Telegraphenstangen, Zerschneiden von Drähten, Unterbrechung und Zerstörung aller Telephonlinien …

Denkt immer daran, faschistische Brüder: wir haben zerstört, wir zerstören und wir werden auch in Zukunft unser Zerstörungswerk fortsetzen!“[76]

Unmittelbar nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbour wurde „Graf“ Anastasi Wonsiatzki vom FBI verhaftet. Die Anklage lautete auf Verletzung des Spionagegesetzes. Wonsiatzki wurde überführt, militärische Geheimnisse der Vereinigten Staaten an die deutsche und japanische Regierung verraten zu haben. Das Urteil lautete auf fünf Jahre Gefängnis.[77]

2. „Rettet Amerika vor dem Kommunismus!“

Im Jahre 1931 machte eine Organisation, die sich National Civic Föderation (Nationale Bürger-Vereinigung) nannte, in den Vereinigten Staaten für das „Projekt einer Internationalen Bewegung zur Bekämpfung der Roten Gefahr“ Propaganda. Der Gründer und Leiter dieser Organisation, die sich in erster Linie mit antikommunistischer und antisozialistischer Agitation befaßte, war ein ehemaliger Chicagoer Journalist, Ralph M. Easley. 1927 schrieb Norman Hapgood ein Expose über Easleys „Berufspatriotismus“, in dem er erklärte:

„Mr. Easleys Feindschaft gilt natürlich in erster Linie der Sowjetunion. Er hat sich offen für die Sache des Zarismus eingesetzt, wobei er vor allem von Mr. Boris beraten wurde.“

Zu den Mitgliedern der von Easley geleiteten National Civic Föderation gehörten: der New Yorker Abgeordnete Hamilton Fish, Harry Augustus Jung, ein ehemaliger Spitzel in Arbeiterorganisationen und antisemitischer Propagandist aus Chicago, George Sylvester Viereck, ehemaliger Agent des Kaisers und späterer Naziagent, Matthew Woll, der reaktionäre Vizepräsident der American Federation of Labour und stellvertretender Präsident der National Civic Federation, der Sowjetrußland öffentlich als „dieses rote Ungeheuer - dieser Tollwütige“ bezeichnete, und eine Anzahl anderer prominenter Amerikaner, die an dem antibolschewistischen Kreuzzug interessiert waren.

Zu Beginn des Jahres 1933 wurde Easley Vorsitzender der Amerikanischen Sektion des „Internationalen Komitees für die Bekämpfung der kommunistischen Weltgefahr“. Das internationale Hauptquartier dieser Organisation befand sich im Europahaus in Berlin. Viele Mitglieder der National Civic Föderation traten dieser neuen Organisation Easleys bei.[78]

Die amerikanische Sektion des Internationalen Komitees für die Bekämpfung der kommunistischen Weltgefahr brachte in Amerika die erste offizielle nazistische Propagandaliteratur herraus. Es handelte sich um ein in englischer Sprache abgefaßtes antisowjetisches Buch, das den Titel „Kommunismus in Deutschland“ trug. Das Buch war im deutschen Eckhart-Verlag erschienen. Tausende von Exemplaren wurden über den Atlantischen Ozean gesandt, um in Amerika in Umlauf gebracht zu werden. Durch großzügigen freien Postversand und kostenlose Verteilung an die Teilnehmer „patriotischer“ Versammlungen in New York, Los Angeles, Chicago und anderen Städten wurde das Buch einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Zeitungsartikel, Vorträge, Versammlungen und Zirkularbriefe dienten der Verbreitung des Buches in ganz Amerika. Auf der ersten Seite stand als Motto folgendes Zitat:

„Zu Beginn dieses Jahres gab es Wochen, wo wir nur um Haaresbreiten vom bolschewistischen Chaos entfernt waren!
Reichskanzler Adolf Hitler“
in seiner Proklamation vom l. September 1933.

 

Dann folgte eine programmatische Erklärung:

„Warum alle Amerikaner dieses Buch lesen sollten:

Da die Regierung der Vereinigten Staaten derzeit die Anerkennung der UdSSR in Erwägung zieht, ist die Frage der kommunistischen Propaganda und Aktivität für das amerikanische Volk zum brennenden Problem geworden. Dieses Buch ist eine Mahnung. Es sollte von jedem denkenden Bürger gelesen werden, weil es den Ablauf des Entscheidungskampfes schildert, den Deutschland gegen den Kommunismus geführt hat. Dieses Buch zeigt auf, daß die von den Kommunisten in Deutschland zur Erreichung destruktiver Ziele angewandten Mittel den Methoden gleichen, deren sich diese Feinde der zivilisierten Menschheit auch in den Vereinigten Staaten bedienen… Da der vorliegende deutsche Bericht auch für andere Länder aufklärenden pädagogischen Wert besitzt, hat sich unser, Komitee veranlaßt gesehen, dieses Buch in die Hände der Führer der öffentlichen Meinung in den Vereinigten Staaten zu legen.“

Unmittelbar auf diese Erklärung folgte eine Liste prominenter Mitglieder der amerikanischen Abteilung des Internationalen Komitees für die Bekämpfung der kommunistischen Weltgefahr:

Walter C. Cole (Vorsitzender des Rates für Nationale Verteidigung und der Handelskammer von Detroit),
John Ross Delafield,
Ralph M. Easley (Vorsitzender der National Civic Föderation),
Hamilton Fish (Kongreß-Mitglied),
Elon Huntington Hooker (Vorsitzender der American Defense Society),
F. O. Johnson (Präsident der Better America Föderation),
Orvel Johnson (Oberstleutnant, R.O.T.C. Association of the United States),
Harry Jung (Leiter der American Vigilante Intelligence Association),
Samuel McRoberts (Bankier),
C. G. Norman (Vorsitzender der Building Trades Employers’ Association),
Ellis Searle (Herausgeber des „United Mine Worker“),
Walter S. Steele (Herausgeber der „National Republic“),
John B. Trevor (Vorsitzender der Ameriean Coalition),
Archibald E. Stevenson (ehemaliger Mitarbeiter der amerikanischen Militärspionage).
Für die amerikanische Sektion des Internationalen Komitees zur Bekämpfung der kommunistischen Weltgefahr.

Einige dieser amerikanischen Förderer des nazistischen Propagandabuches „Kommunismus in Deutschland“. hatten eine recht merkwürdige Vergangenheit:

Harry Augustus Jung, früher Spitzel in Arbeiterorganisationen, leitete die antidemokratische Vereinigung „American Vigilante Intelligence Föderation“ in Chicago, deren Organ „Vigilant“ von der offiziellen nazistischen Propagandaagentur „Worid Service“ zur Lektüre empfohlen wurde. Zu Beginn seiner antisowjetischen Tätigkeit arbeitete Jung mit dem Weißgardisten Peter Afanassjew zusammen, der ihm eine Übersetzung der „Protokolle“ zur Verfügung stellte; Jung sollte für die „massenweise“ Verbreitung dieses Dokuments in den Vereinigten Staaten Sorge tragen. Später war Jung mit Oberst Robert R. McCormick, dem Herausgeber der isolationistischen, äußerst sowjetfeindlichen Zeitung „Chicago Tribüne“ befreundet; er richtete sich im „Tribüne Tower“ in Chicago ein Büro ein.

Walter S. Steele, Herausgeber der „National Republic“, suchte die amerikanische Geschäftswelt durch unermüdliche sowjetfeindliche Propaganda zu beeinflussen. Er war Jung bei der Verbreitung der „Protokolle der Weisen von Zion“ behilflich.

James B. Trevor, leitete die „American Coalition“ eine Organisation, die 1942 in einer Anklageschrift des Justizministeriums als Werkzeug einer Verschwörung zur Untergrabung der Moral der amerikanischen Truppen bezeichnet wurde. Trevor stand in engster Verbindung mit antisowjetischen Weißgardisten, seine Organisation diente der Verbreitung sowjetfeindlicher Propaganda.

Archibald E. Stevenson arbeitete ursprünglich in der Spionageabteilung der amerikanischen Armee. In den Jahren vor dem zweiten Weltkrieg gehörte er zu den eifrigsten Förderern der antisowjetischen Propaganda in den Vereinigten Staaten. Er stand in enger Verbindung mit Ralph M. Easley. Später wurde er Propagandachef des New York State Eeonomic Council, einer sozialistenfeindlichen und antidemokratischen Propagandastelle, deren Vorsitzender, Merwin K. Hart, ein bekannter Propagandist des spanischen faschistischen Diktators Generalissimo Franco war.

Abgeordneter Hamilton Fish, New York, besuchte im Jahre 1923 als Chef der Export- und Importfirma Hamilton Fish & Company die Sowjetunion. Nach seiner Rückkehr beantragte er im Kongreß die Aufnahme der Handelsbeziehungen mit Sowjetrußland. Später wurde er einer der erbittertsten sowjetfeindlichen Propagandisten der Vereinigten Staaten. Zu Beginn der dreißiger Jahre machte sich Fish in seiner Eigenschaft als Vorsitzender eines Kongreßausschusses für die Untersuchung des „amerikanischen Kommunismus“ zum Hauptwortführer der sowjetfeindlichen weißgardistischen Emigranten und anderer eingefleischter Sowjetfeinde in den Vereinigten Staaten. Zu den „Sachverständigen“, die Fishs Komitee mit Material belieferten, gehörte der ehemalige Ochranaagent Boris Brasul und der deutsche Propagandist George Sylvester Viereck. Nach Hitlers Machtergreifung in Deutschland pries Fish den Naziführer als den Mann, der Deutschland vor dem Kommunismus errettet habe. Fish, der unter den Vertretern des Isolationismus und der Befriedungspolitik eine führende Rolle spielte, bekannte sich zu den Anschauungen notorischer Nazianhänger und nahm ihre propagandistischen Ergüsse in die Kongreßprotokolle auf. Im Herbst 1939 hatte Fish in Deutschland Besprechungen mit dem nationalsozialistischen Außenminister Joachim von Ribbentrop, dem italienischen Außenminister Graf Galeazzo Ciano und anderen führenden Persönlichkeiten der Achsenmächte. Fish reiste in einem deutschen Flugzeug in Europa umher, befürwortete ein zweites München und erklärte „Deutschlands Ansprüche“ für „gerecht“. Im Februar 1942 stellte sich im Verlauf einer Untersuchung gegen den Naziagenten Viereck heraus, daß Fishs Büro in Washington einem nazistischen Propagandaring als Hauptquartier gedient hatte und daß sein Sekretär, George Hill, einer der Leiter des deutschen Propagandaapparates in den Vereinigten Staaten war.

Zu der Zeit, als Amerika in den zweiten Weltkrieg eintrat, gab es in den Vereinigten Staaten eine große Anzahl faschistischer Organisationen, die sich als „antikommunistisch“ bezeichneten. Diese Organisationen erhielten aus Berlin und Tokio Richtlinien und in vielen Fällen auch finanzielle Unterstützung. Ein Teil dieser Verbände war von bezahlten nazistischen Agenten gegründet worden. Manche Vereinigungen, wie zum Beispiel der Deutsch-Amerikanische Bund und der Kyffhäuser-Bund, machten aus ihren Beziehungen zum Ausland kein Hehl; andere, wie die Silberhemden, die Christliche Front, die American Guards, die American Nationalist Confederation und die Crusaders for Americanism gaben sich als patriotische Gesellschaften aus, die Amerika „vor dem Kommunismus bewahren“ wollten.

Im Jahr 1939 bestanden in Amerika nicht weniger als 750 faschistische Organisationen, die das Land mit achsenfreundlichen, antisemitischen und sowjetfeindlichen Berichten, Zeitschriften, Zirkularen und Zeitungen überschwemmten. Als Voraussetzung für die Errettung Amerikas vor dem Kommunismus forderten diese Organisationen und Publikationen den Sturz der Regierung der Vereinigten Staaten, die Errichtung eines faschistischen Regimes in Amerika und ein gegen Sowjetrußland gerichtetes Bündnis mit den Achsenmächten.

Am 18. November 1936 erklärte William Dudley Pelley, der Führer der nazistisch gesinnten Silberhemden:

„Eines müssen wir klar erkennen: wenn es in diesem Land zu einem zweiten Bürgerkrieg kommt, dann wird es nicht um den Sturz der amerikanischen Regierung, sondern um die Beseitigung der jüdisch-kommunistischen Usurpatoren gehen, die sich der amerikanischen Regierung bemächtigt haben und sie zu einer Filiale Moskaus machen wollen…“

Nach dem Einfall der Deutschen in Sowjetrußland schrieb Pater Charles E. Coughiin, der Führer der nazifreundlichen Christlichen Front, am 7.Juli 1941 in seinem Propagandaorgan „Social Justice“:

„Deutschlands Krieg gegen Rußland ist ein Kampf für das Christentum… Wir haben nicht vergessen, daß der atheistische Kommunismus in Rußland in erster Linie von gottlosen Juden ausgedacht und in die Tat umgesetzt wurde.“

Der Ausstreuung ähnlicher Propaganda dienten: Gerald B. Winrods „Defender“ in Wichita, Kansas, William Kullgrens „Beacon Light“ in Atascadero, Kalifornien, Court Ashers „X-Ray“ in Muncie, Indiana, E. J. Garners „Publicity“ in Wichita, Kansas, Charles B.Hudsons „America in Danger!“ in Omaha, Nebraska, und viele andere achsenfreundliche, antisowjetische Publikationen.

Nach Pearl Harbour erhob das Justizministerium gegen eine Reihe dieser Leute Anklage wegen aufrührerischer Propaganda und hochverräterischer Umtriebe in Zusammenarbeit mit Naziagenten. Trotzdem setzten sie ihre Propaganda während des ganzen Krieges fort: sie bezeichneten den Kampf der Achsenmächte als „Heiligen Krieg“ und behaupteten, die Vereinigten Staaten seien durch die Intrigen „jüdisch-kommunistischer Verschwörer in Washington, London und Moskau“ in den Konflikt hineingezogen worden.

3. Die Geschichte des Falles Scheffer

Einige Tage nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbour wurde der deutsche Journalist Paul Scheffer von Agenten des Föderal Bureau of Investigation verhaftet. Scheffer, ein eleganter Mann in mittleren Jahren, bewohnte in New York ein modernes Appartement. Er wurde in den Akten des Staatsdepartements als amerikanischer Korrespondent der offiziellen Publikation des Reichspropagandaministeriums „Das Reich“ geführt. Der Fall Paul Scheffer ist ein typisches Beispiel für die Methode der Naziagenten, ihre Tätigkeit in den Vereinigten Staaten hinter der Maske des Antibolschewismus zu verstecken…“[79]

Paul Scheffer war in früheren Jahren ein Journalist von internationalem Format gewesen. Von 1922 bis 1929 stand er als Moskauer Korrespondent des „Berliner Tageblatts“ in dem Ruf, der beste Fachmann für sowjetrussische Fragen zu sein. Seine lebendig geschriebenen Berichte über die Sowjetunion wurden in die verschiedensten Sprachen übersetzt. Hervorragende Staatsmänner, literarische Berühmtheiten, führende Industrielle und Finanzleute Europas und Amerikas zählten zu seinen Freunden und Bewunderern.

Im Herbst 1929 fand Scheffers Tätigkeit als Moskauer Korrespondent einen ebenso plötzlichen wie unerwarteten Abschluß. Scheffer pflegte seinen Aufenthalt in Moskau durch regelmäßige Reisen nach Deutschland zu unterbrechen. Während eines solchen Heimatbesuches untersagten ihm die Sowjetbehörden die Rückkehr in die UdSSR. Scheffers zahlreiche prominente Freunde erhoben gegen das Verbot entrüstet Einspruch. Sie wollten wissen, welche Gründe die Sowjetregierung zu diesem Schritt veranlaßt hatten. Die Antwort blieb zunächst in den Aktenschränken der sowjetischen Sicherheitsorgane verborgen.

Neun Jahre später, am 2. März 1938, als Michail Tschernow, Mitglied der Rechten und ehemaliger Volkskommissar für Landwirtschaft der Sowjetunion, vor dem Militärkollegium des Obersten Gerichtshofes der UdSSR Zeugnis ablegte, wurde ein Teil der Ursachen bekannt.

Tschernow gab zu, für die Lieferung von Geheiminformationen über den Handel und die Armee der Sowjetunion und die Organisierung eines ausgedehnten Sabotageapparates vom deutschen militärischen Geheimdienst ein Monatsgehalt von 4000 Rubel bezogen zu haben. Er nannte den deutschen Agenten, unter dessen Anleitung er seine ersten Spionage- und Sabotageaufträge durchgeführt hatte. Tschernow sagte: der deutsche Agent war „Paul Scheffer, der Korrespondent des ‚Berliner Tageblatts’.“

Am 13. März 1938 wurde Michail Tschernow von einem Exekutionskommando der Roten. Armee erschossen. Wenige Tage vor seiner Hinrichtung traf Paul Scheffer als Korrespondent des „Berliner Tageblatts“ für Amerika in den Vereinigten Staaten ein…

Scheffer hatte sich, seitdem ihm die Rückkehr in die Sowjetunion verboten war, zu einem der fruchtbarsten und bestbezahlten antisowjetischen Propagandaschriftsteller entwickelt. Fast jede Woche veröffentlichte er in einer der führenden europäischen oder amerikanischen Zeitschriften einen Artikel, der heftige Angriffe gegen die Sowjetunion enthielt und den Zusammenbruch der sowjetischen Regierung für die allernächste Zeit ankündigte.

Scheffer, der eine russische Gräfin geheiratet hatte, begab sich 1931 nach Amerika, um gegen die Anerkennung der Sowjetregierung durch die Vereinigten Strafen Propaganda zu machen. „Wenn Amerika sich zur Anerkennung entschließt“, warnte Scheffer in einem Artikel, der von „Foreign Affairs“ gebracht und von „Reader’s Digest“ nachgedruckt wurde, „so wird man später sagen können, es habe 1931 bewußt zwischen dem bürgerlichen Europa und den Sowjets gewählt… die Anerkennung der Sowjetunion durch Amerika wird nur dazu beitragen, die Unternehmungslust und Aggressivität des kommunistischen Rußland gegen die bürgerlichen Länder Europas zu steigern.“

Zur Zeit von Hitlers Machtübernahme war Scheffer Korrespondent des „Berliner Tageblatts“ in London. Er kehrte sofort nach Deutschland zurück und wurde zum Chefredakteur dieses Blattes ernannt, das jetzt der Aufsicht des Reichspropagandaministeriums unterstand.[80]

Im Winter 1937 erhielt Scheffer den Befehl, nach den Vereinigten Staaten zu übersiedeln. Die telegraphischen Berichte, die er bald darauf von New York an das „Berliner Tageblatt“ zu senden begann enthielten ein geschicktes Gemisch von antiamerikanischer Propaganda und Informationsmaterial, das den deutschen Militärbehörden von Nutzen sein konnte. Nach kurzer Zeit avancierte Scheffer zum amerikanischen Korrespondenten der Zeitung „Das Reich“, des offiziellen Organs des deutschen Propagandaministeriums. In dieser Eigenschaft wurde er Dr. Goebbels’ Sonderbeauftragter in den Vereinigten Staaten. Es gehörte zu seinen wichtigsten Aufgaben, in Amerika gegen die Sowjetunion Stimmung zu machen. Die sowjetfeindlichen Artikel Scheffers, des „Fachmannes für russische, Fragen“, erschienen regelmäßig in bekannten amerikanischen Magazinen und Zeitungen. Mit besonderer Vorliebe behandelte Scheffer die Moskauer Prozesse, die er seinen zahlreichen amerikanischen Lesern als „gigantischen Schwindel“ darstellte, obwohl er durch eben diese Prozesse als deutscher Agent entlarvt worden war. Er bezeichnete Bucharin, Pjatakow, Radek und die übrigen Mitglieder der russischen Fünften Kolonne als die „wahren bolschewistischen Führer“. Aber die höchsten Lobpreisungen sparte er für Leo Trotzki auf.

Scheffers Verhaftung, die nach dem Angriff auf Pearl Harbour erfolgte, bedeutete noch immer nicht das Ende seiner propagandistischen Tätigkeit in den Vereinigten Staaten. Am 13. September 1943 brachte die Sonntagsausgabe der New Yorker „Times“ auf der ersten Seite der Unterhaltungsbeilage einen Artikel über Deutschland, der von „Conrad Long“ gezeichnet war. In einer Anmerkung der Redaktion hieß es, der Verfasser habe sich mit „der Rolle Deutschlands im jetzigen Krieg eingehend beschäftigt“. Der Artikel enthielt unter anderem die Angabe, daß „der Ernteertrag der Ukraine in diesem Sommer durch die Methoden der Deutschen angeblich verdoppelt“ worden war.

„Conrad Long“ existierte in Wirklichkeit nicht. Es war ein Pseudonym. Der Artikel in der „Times“ stammte von Paul Scheffer.

Einige einflußreiche amerikanischen Freunde hatten Scheffers Entlassung aus der Haft durchgesetzt. Sie ermöglichten ihm, unter einem falschen Namen für die „Times“ zu schreiben, und verschafften ihm sogar eine Anstellung als fachmännischer Berater für deutsche Angelegenheiten im Büro des Strategischen Dienstes der USA.

Im Frühjahr 1944 wurde Scheffer neuerlich von Agenten des Justizministeriums verhaftet. Diesmal stand es fest, daß Dr. Goebbels’ Sonderbeauftragter bis zum Ende des Krieges in sicherem Gewahrsam bleiben würde.

4. Das Dies-Komitee

Im August 1938, kurz vor der Unterzeichnung des Münchener Abkommens, wurde vom amerikanischen Kongreß ein Spezialkomitee zur Untersuchung unamerikanischer Tätigkeit geschaffen. Den Vorsitz in diesem Komitee führte der Abgeordnete für Texas, Martin Dies.

Das neu gegründete Dies-Komitee wurde zunächst allgemein als Instrument zur Bekämpfung der von den Achsenmächten in Amerika betriebenen Intrigen angesehen. In Wirklichkeit verfolgte Abgeordneter Dies mit seinen „Untersuchungen“ nur ein Ziel: dem amerikanischen Volk klarzumachen, daß es seinen gefährlichsten und wichtigsten Feind in Sowjetrußland zu suchen habe.

Der vom Dies-Komitee mit der Leitung der Untersuchungen beauftragte Edward F. Sullivan war ein wenig bekannter antisowjetischer Propagandamacher und ehemaliger Spitzel in Arbeiterorganisationen. Bevor Sullivan seine Tätigkeit im Dies-Komitee aufnahm, unterhielt er Beziehungen zu den sowjetfeindlichen ukrainischen Nationalisten in Amerika, die ihre Direktiven aus Berlin von Hetman Skoropadski und anderen weißen ukrainischen Emigranten bezogen. Als junger, bettelarmer Journalist war Sullivan in Boston in den Dienst einer Bewegung getreten, die bei den in Amerika lebenden Ukrainern gegen die Sowjets Stimmung zu machen versuchte. Obwohl er kein Wort ukrainisch sprach, begann er, für eine „unabhängige Ukraine“ zu werben.

Nach kurzer Zeit spielte er in der faschistischen Organisation der amerikanischen Ukrainer eine maßgebende Rolle. Als Wortführer dieser Kreise stand er in engem Kontakt mit nazistischen Agenten und Propagandisten, die er nicht nur als seine Mitarbeiter betrachtete, sondern zu deren Sache er sich in aller Öffentlichkeit bekannte. Am 5. Juni 1934 sprach Sullivan in einer von uniformierten Sturmtrupplern und Mitgliedern des Deutsch-Amerikanischen Bundes besuchten Versammlung in New York. Er soll damals geäußert haben: „Werft die lausigen Juden in den Atlantischen Ozean!“

Im August 1936 veranstalteten führende amerikanische Antisemiten und nazifreundliche Propagandisten in Asheville, North Carolina, einen Kongreß. Sullivan war einer der Hauptredner. Außer ihm sprachen: William Dudley Pelley, der Führer der Silberhemden, James True, der zusammen mit Snilivan eine faschistische Zeitung herausgab, und Ernest F. Elmhurst, alias E. F. Fleischkopf, Mitglied des Bundes und nazistischer Agent. Die Sprecher richteten heftige Angriffe gegen die Sowjetunion und bezeichneten die Roosevelt-Verwaltung als Teil einer „jüdisch-kommunistischen Verschwörung“. Nach Ansicht der Presse von Asheville enthielt Sullivans Rede alles, was „Hitler selbst gesagt haben würde“.[81]

Als Sullivans schmutzige Vergangenheit von einigen freiheitlichen amerikanischen Vereinigungen unter die Lupe genommen wurde, sah sich Dies zu seinem Bedauern gezwungen, ihm die Leitung der Untersuchungen zu entziehen. „Aus Sparsamkeitsgründen“, behauptete Dies. Sullivan schloß sich von neuem der faschistisch-ukrainischen Bewegung an und gründete in Pittsburgh, Pennsylvanien, das Ukrainisch-Amerikanische Erziehungsinstitut. Diese Organisation, deren Hauptaufgabe es war, die in Amerika lebende Million von Ukrainern gegen die Sowjetunion aufzuhetzen, stand mit der deutschen Botschaft in Washington in Verbindung. Sullivan unterhielt auch weiterhin Beziehungen zu allen nazifreundlichen und antisowjetischen Kreisen des Landes. „Der vierte Juli wird für Ihre Partei ein guter Tag werden“, telegraphierte ihm Coughlin unter Bezugnahme auf eine Angelegenheit, die er gemeinsam mit Sullivan bearbeitete.

Sullivan stand dem Dies-Komitee, aus dem er offiziell ausgeschlossen worden war, auch jetzt in der Eigenschaft eines „antikommunistischen Sachverständigen“ zur Verfügung. Am 27. Juli 1939 erhielt er einen Brief von seinem Freund Harry Jung, der in Chicago antisowjetische und antisemitische Propaganda betrieb. Jung schrieb:

„Eines der Komiteemitglieder traf zu einem kurzen Aufenthalt in Chicago ein; wir haben ihm eine Fülle von sensationellem Material zur Verfügung gestellt. Ich hoffe zuversichtlich, daß es zu einer vollständigen, zufriedenstellenden und wechselseitigen Zusammenarbeit zwischen unseren verschiedenen Stellen kommen wird…“

Sullivans Nachfolger als Dies’ Hauptassistent und Berater im Komitee zur Untersuchung unamerikanischer Tätigkeit wurde J. B. Matthews, ein Renegat aus der amerikanischen radikalen Bewegung. Matthews’ Schriften wurden von führenden amerikanischen Faschisten und Achsenagenten gelobt und verbreitet. Das nazistische Propagandaministerium empfahl seine Arbeiten. Seine Artikel erschienen in der von Alfred Rosenbergs Außenpolitischem Amt herausgegebenen Zeitschrift „Antikomintern“.

Woche um Woche zog eine Prozession dunkler Gestalten durch den mit Marmorsäulen geschmückten Klubraum des alten House Office Building in Washington: ehemalige Sträflinge, Spitzel in Arbeiterorganisationen, ausländische Agenten und sonstige fragwürdige Elemente erschienen als „sachverständige Zeugen“; vor dem Dies-Komitee, um in aller Form über die Gefährdung der amerikanischen Regierung durch die Komplotte der Moskauer Agenten auszusagen. Zu diesen „antikommunistischen“ Zeugen gehörten Persönlichkeiten wie:

Alvin Halpern: Am zweiten Tage seiner Aussage wurde er von einem Kreisgericht in Columbia wegen Diebstahls zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt; seine Aussage wurde trotzdem in die Akten des Dies-Komitees aufgenommen.

Peter J. Innes: Spitzel in Arbeiterorganisationen, der wegen Entwendung von 500 Dollar aus der Verbandskasse von der National Maritime Union relegiert worden war; später erhielt er eine Gefängnisstrafe von acht Jahren, weil er einen Notzuchtversuch an einem kleinen Kind begangen hatte.

William C. McCuiston: beschäftigte sich damit, schwerbewaffnete Trupps für Angriffe gegen Gewerkschaftler zu organisieren; zur Zeit, als er vor dem Dies-Komitee aussagte, stand er unter der Anklage des Mordes an dem Arbeiterführer Philip Carey, der in New Orleans durch Schüsse und Keulenschläge getötet worden war; er wurde später freigesprochen.

William Nowell: Spitzel in Arbeiterorganisationen, vertrauter Berater des Faschistenführers Gerald L. K. Smith, ehemaliges Mitglied der Silberhemden (Mitglieds-Nr. 3223).

Richard Krebs, alias Jan Valtin: entlassener Sträfling, nach eigener Aussage ehemaliger Gestapoagent.[82]

General“ Walter G.Kriwcitzki, alias Samuel Ginsberg: behauptete, „GPU-Agent“ unter Jagoda gewesen zu sein; veröffentlichte nach seiner Flucht in die Vereinigten Staaten eine Selbstbiographie, in der er die Sowjetunion in den düstersten Farben schilderte.[83]

Das Dies-Komitee verfügte bald über eine lange Liste sogenannter gefährlicher „Bolschewiki“. Der Abgeordnete aus Texas wurde nicht müde, sich seiner Verdienste um die Aufdeckung einer über ganz Amerika verbreiteten, von Moskau geleiteten Fünften Kolonne zu rühmen.

Im Jahr 1940 veröffentlichte Abgeordneter Dies ein Buch: „The Trojan Horse in America: A report to the Nation“ („Das trojanische Pferd in Amerika: ein Bericht an die Nation“), das in erster Linie antisowjetische Propaganda enthielt und weiteste Kreise mit den „Feststellungen“ des Dies-Komitees vertraut machen sollte. Während die Mitglieder des Deutsch-Amerikanischen Bundes und der Christlichen Front als Wegbereiter der nazistischen Fünften Kolonne in den amerikanischen Städten nazifreundliche Massenkundgebungen veranstalteten, erklärte Dies seinen Lesern, die „Moskauer Agenten“ hätten bereits mit dem sowjetischen Überfall auf die Vereinigten Staaten begonnen.[84]

Zwei Tage nach dem Einmarsch der Nazis in die Sowjetunion prophezeite Dies: „In dreißig Tagen wird Hitler Rußland beherrschen.“ Der Abgeordnete sprach sich gegen die militärische Unterstützung der Roten Armee durch Amerika aus. „Es ist sinnlos, Rußland Hilfe zu senden“, erklärte er. „Der einzige Effekt wäre, daß unsere Waffen den Deutschen in die Hände fallen. Es besteht die Gefahr“ warnte er, „daß unsere Regierung Stalin hier im Westen, mitten in der amerikanischen Hauptstadt, durch ihre Hilfeleistung neue Angriffsmöglichkeiten eröffnet.“

Kurz nachdem Präsident Roosevelt die Verteidigung Rußlands als unerläßliche Voraussetzung für die Verteidigung Amerikas bezeichnet hatte, erklärte Dies dem Präsidenten in einem Brief vom 2. Oktober 1941, er werde seine sowjetfeindliche Propaganda auch in Zukunft unverändert fortsetzen.

Selbst als die Vereinigten Staaten bereits Seite an Seite mit Sowjetrußland kämpften, stellte Martin Dies seine sowjetfeindliche Kampagne nicht ein. Am 29. März 1942 sagte der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, Henry Wallace:

„Wenn Frieden wäre, könnte man diese Taktik als das Geistesprodukt eines besessenen Fanatikers ignorieren. Aber wir leben nicht im Frieden. Wir leben im Krieg, und diese und ähnliche Äußerungen des Mr. Dies haben durch die Zweifel und Mißstimmungen, denen sie Nahrung geben, praktisch die gleiche Wirkung auf die öffentliche Meinung wie die Goebbelssche Propaganda. Unsere Moral wäre sogar weniger gefährdet, wenn Mr. Dies zu Hitlers bezahlten Agenten gehörte … Wir Amerikaner dürfen uns den Folgerungen aus dieser betrüblichen Tatsache nicht verschließen.“

5. Der einsame Adler

Gegen Ende des Jahres 1940, als Hitler sich nach der nahezu vollständig durchgeführten Versklavung Europas auf den Zusammenstoß mit der Roten Armee vorbereitete, wurde das politische Leben Amerikas durch eine neue, seltsame Erscheinung bereichert; das sogenannte „America First Committee“. Während des folgenden Jahres betrieb dieses Komitee im ganzen Lande durch Presse, Radio, Massenversammlungen, improvisierte Ansprachen auf den Straßen und sonstige Agitationsmethoden eine energische antisowjetische, antienglische und isolationistische Propaganda.

Zu den Gründern dos America First Committee gehörten: General Robert E. Wood, Henry Ford, Oberst Robert R. Mc Cormick, die Senatoren Burton K. Wheeler, Gerald P. Nye und Robert Rice Reynolds, die Abgeordneten Hamilton Fish, Cläre E. Hoffman und Stcphen Day und Katherine Lewis, die Tochter von John L. Lewis.

Die prominenteste Wortführerin des Komitees war die ehemalige Fliegerin Laura Ingalls, eine bekannte Erscheinung des gesellschaftlichen Lebens, die später als bezahlte Agentin der Naziregierung entlarvt wurde. Ein anderer Naziagent, George Sylvester Viereck, arbeitete hinter den Kulissen: er schrieb einen großen Teil der Propagandaliteratur, die von den Publizisten des America First Committee in Umlauf gebracht wurde. Ralph Townsend, der sich im Verlaufe der Begebenheiten als japanischer Agent entpuppte, leitete eine Zweigstelle des America First Committee an der Westküste; er war Redaktionsmitglied der Propagandaorgane des Komitees, „Scribner’s Commentator“ und „Herald“[85]. Werner C. von Clemm, der später überführt wurde, im Einverständnis mit der deutschen Heeresleitung Diamanten nach Amerika eingeschmuggelt zu haben, war ein anonymer Mitarbeiter und finanzieller Förderer der New-Yorker Filiale des Komitees. Frank B. Burch, der nachgewiesenermaßen von der Naziregierung für illegale Propaganda in den Vereinigten Staaten 10000 Dollar erhalten hatte, war einer der Gründer der Zweigstelle in Akron, Ohio.

Im Juli 1942 wurde das America First Committee in einer Anklageschrift des Justizministeriums als eine Körperschaft bezeichnet, die sich an einer Verschwörung zur Untergrabung der Moral der amerikanischen Streitkräfte beteiligt hatte…

Aber der wichtigste Führer und Sprecher des America First Committee war der berühmte’ Flieger Charles A. Lindbergh, der sich schon früher in Europa und Amerika als nazifreundlicher und sowjetfeindlicher Agitator hervorgetan hatte.

Im Sommer 1936 war Lindbergh zum erstenmal nach Deutschland gekommen. Er reiste als Gast der Naziregierung, die ihm verschiedene Gunstbezeugungen erwies und eindrucksvolle Empfange zu seinen Ehren veranstaltete. Hochgestellte Persönlichkeiten begleiteten ihn auf einer „Inspektionstour“ durch die deutschen Flughäfen und Kriegsindustrien. Lindbergh war tief beeindruckt.

Bei den verschwenderischen Banketten, die Feldmarschall Göring und andere prominente Nazis für Lindbergh veranstalteten, gab er der Überzeugung Ausdruck, daß die deutsche Luftwaffe nicht geschlagen werden könne. Dem berühmten deutschen Fliegergeneral Ernst Udet erklärte er: „Deutschland ist auf dem Gebiet des Flugwesens allen anderen Ländern überlegen. Die deutsche Luftwaffe ist unbesiegbar!“

„Weiß der Teufel, was mit diesem Amerikaner los ist!“ äußerte der deutsche Fliegergeneral Bruno Loerzer zu der politischen Journalistin Bella Fromm. „Er wird den Yankees mit seinen Berichten über die unbesiegbare Luftwaffe den größten Schrecken einjagen - und das ist genau das, was die Jungens hier von ihm wollen.“

„Wir können keinen besseren Propagandisten finden!“ meinte Axel von Blomberg, der Sohn des nazistischen Kriegsministers, nachdem er einem der im Jahre 1936 für Lindbergh veranstalteten Bankette beigewohnt hatte.

Zwei Jahre später, in den schicksalsschweren Tagen, die dem Abschluß des Münchener Paktes vorangingen, besuchte Lindbergh die Sowjetunion. Sein Aufenthalt dauerte nur wenige Tage. Nach seiner Rückkehr äußerte er überall die Ansicht, daß die Rote Armee miserabel ausgerüstet und ausgebildet sei und unfähige Führer habe. Er behauptete, daß Sowjetrußland in einer Militärallianz gegen Nazideutschland ein völlig wertloser Partner wäre. Er halte es für notwendig, nicht gegen, sondern mit den Nazis zu arbeiten.

In den Hauptstädten Europas herrschte nervöse Spannung. Lindbergh, dessen schwarz-gelbes Flugzeug man bald in allen wichtigen Flughäfen des Erdteils kannte, reiste von einem Land zum ändern, um sich für den Abschluß politischer und wirtschaftlicher Bündnisse mit dem Dritten Reich einzusetzen.

Während die Münchener Verhandlungen gute Fortschritte machten, versammelte Lady Astor auf ihrem Landsitz in Cliveden exklusive, kleine Gruppen sowjetfeindlicher englischer Geschäftsleute, Aristokraten und Politiker, um sie mit Lindberghs Anschauungen über die europäische Lage bekannt zu machen. Lindbergh sprach von Deutschlands riesiger Luftflotte, dem raschen Anwachsen seiner Kriegsindustrie, der hohen Qualität seiner militärischen Führer. Unermüdlich wiederholte er seine These von der Unbesiegbarkeit der Nazis. Er empfahl den Franzosen und Engländern, sie sollten sich mit Hitler einigen und „Deutschland gestatten, sich ohne Kriegserklärung auf Kosten Rußlands nach dem Osten hin auszubreiten.“

Man verschaffte Lindbergh die Möglichkeit, sich mit verschiedenen Mitgliedern des englischen Parlaments und führenden politischen Persönlichkeiten unter vier Augen zu unterhalten. David Lloyd George, der ihn ebenfalls anhörte, äußerte später seine Meinung über den amerikanischen Flieger:

„Soviel ich weiß, war er etwa acht Tage in Rußland. Er lernte keinen der großen russischen Führer kennen; von der russischen Luftwaffe kann er nicht viel gesehen haben. Dann kam er zu uns zurück und erzählte uns, die russische Armee sei nichts wert, die russischen Fabriken befänden sich in einem elenden Zustand. Viele glaubten es - nur Hitler nicht.“

Lloyd George gewann aus der Unterredung mit Lindbergh die Überzeugung, daß der amerikanische Flieger „der Agent und das Werkzeug von Menschen war, die ihn an Schlauheit und Bösartigkeit weit übertrafen“.

In der Sowjetunion wurde die gleiche Anklage in weitaus deutlicherer Sprache erhoben. Eine Gruppe hervorragender sowjetischer Flieger beschuldigte Lindbergh in einer in Moskau veröffentlichten Erklärung, er verbreite die „monströse Lüge“, daß Deutschlands Luftwaffe imstande sei, die vereinten Luftflotten Englands, Frankreichs, der UdSSR und der Tschechoslowakei zu schlagen. In der Erklärung hieß es weiter:

„Lindbergh spielt die Rolle eines dummen Lügners, eines schmeichelnden Lakaien der deutschen Faschisten und ihrer aristokratischen englischen Gönner. Er hatte von englischen reaktionären Kreisen den Auftrag erhalten, die Schwäche der sowjetischen Luftwaffe nachzuweisen und damit Chamberlain ein Argument für die Preisgabe der Tschechoslowakei in München zu liefern.“

Drei Wochen nach der Unterzeichnung des Münchener Abkommens gab die Regierung des Dritten Reiches ihrer Zufriedenheit mit den ihr von Lindbergh erwiesenen Diensten öffentlich Ausdruck. Am Abend des 18. Oktober 1938, bei einem zu Lindberghs Ehren veranstalteten Diner, verlieh Feldmarschall Göring dem amerikanischen Flieger den deutschen Adlerorden.

Im Jahr 1939, kurz vor Ausbruch des Krieges, kehrte Lindbergh nach dreieinhalbjähriger Abwesenheit in die Vereinigten Staaten zurück.

Unmittelbar nach der Kriegserklärung Großbritanniens und Frankreichs, die dem Einfall der Deutschen in Polen folgte, veröffentlichte Lindbergh einen temperamentvollen Protest: der Krieg gegen Deutschland sei ein Irrtum; der wahre Kriegsschauplatz liege im Osten. In einem Artikel „Flugwesen, Geographie und Rasse“, der in der Novembernummer von „Readers Digest“ erschien, erklärte Lindbergh in einer Sprache, die eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Stil Alfred Rosenbergs hatte:

„Wir, die Erben der europäischen Kultur, stehen am Beginn eines verhängnisvollen Krieges, eines Krieges innerhalb unserer eigenen Völkerfamilie, eines Krieges, der die Kräfte der weißen Rasse vermindern, ihre Schätze vernichten wird … Asien bedrängt uns an der russischen Grenze, alle fremden Rassen sind in unruhiger Bewegung … Unser Frieden und unsere Sicherheit werden nur so lange dauern, als wir zusammenhalten und unseren kostbarsten Besitz, unser europäisches Bluterbe, bewahren - nur so lange, als wir uns vor den Angriffen fremder Armeen und der Verwässerung durch fremde Rassen schützen.“

Im Laufe des Jahres 1940 ergriff Lindbergh immer deutlicher die Partei der isolationistischen, sowjetfeindlichen und in vielen ihrer Äußerungen achsenfreundlichen Bewegung, die damals in Amerika rapide Fortschritte machte. Er wurde der Wortführer des isolationistischen „No Foreign Wars“-Komitees, der Abgott der amerikanischen Fünften Kolonne.

Im Herbst sprach Lindbergh vor einer kleinen Studentengruppe der Yale-Universität. Er erklärte: „Wir müssen mit den neuen Kräften in Europa Frieden machen.“

Die Einladung an die Yale-Universität war auf Betreiben des reichen, jungen Studenten R. Douglas Stuart jr. erfolgt. (Stuart war der Erbe des „Quaker-Oats“-Vermögens.) Kurz darauf wurde Stuarts Gruppe unter dem Namen „America First Committee“ in Chicago registriert.

Das America First Committee veranstaltete Massenversammlungen und Sendungen, die das Rundfunksystem des ganzen Landes erfaßten. Überall trat Lindbergh als Sprecher auf; er erklärte dem amerikanischen Volk, daß es nicht in Nazideutschland, sondern in Sowjetrußland seinen wahren Feind zu sehen habe. Der Krieg zwischen „Deutschland auf der einen, England und Frankreich auf der anderen Seite“ könne nur mit „einem deutschen Sieg oder mit dem völligen Zusammenbruch und der Verwüstung Europas“ enden. Der Krieg müsse in eine gemeinsame Offensive gegen die Sowjetunion verwandelt werden.[86]

Die gesamte Propagandamaschine des America First Committee wurde in den Dienst einer umfassenden Kampagne gegen die Gewährung von Pacht- und Leihlieferungen an die Sowjetunion gestellt. Charles E. Lindbergh, Abgeordneter Hamilton Fish, die Senatoren Burton K. Wheeler und Gerald P. Nye und andere Wortführer des America First Committee im Kongreß sprachen sich gegen die Unterstützung der Roten Armee aus und erklärten, das Schicksal Sowjetrußlands gehe die Vereinigten Staaten nichts an.

Herbert Hoover nahm an diesen Bestrebungen regen Anteil. Am 5. August gab der frühere Präsident gemeinsam mit John L. Lewis, Hanford Mac Nider und dreizehn anderen führenden Isolationisten eine Öffentliche Erklärung ab, in der er gegen das „unzulässige Hilfsversprechen an Rußland und … ähnliche kriegerische Gesten“ protestierte. In der Erklärung hieß es:

„Die Ereignisse der letzten Zeit lassen es zweifelhaft erscheinen, ob es in diesem Krieg ausschließlich um die Sache der Freiheit und Demokratie geht. Hier handelt es sich nicht schlechthin um einen Weltkonflikt zwischen Tyrannei und Freiheit. Diese Illusion ist durch das englisch-russische Bündnis zerstört worden.“

Nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbour wurde das America First Committee offiziell aufgelöst. Der Vorsitzende, General Wood, verbürgte sich dafür, daß alle Komiteemitglieder das Vaterland in seinem Kampf gegen Deutschland und Japan unterstützen würden. Lindbergh zog sich aus dem Öffentlichen Leben zurück und trat als technischer Konsulent in die Motor Ford Company ein.

Aber die sowjetfeindliche Propaganda im Sinne des America First Committee nahm ihren Fortgang…[87]

Als die Rote Armee ihre große Gegenoffensive begann, erklärten die ehemaligen Wortführer des Komitees, die noch kurz vorher den Zusammenbruch Rußlands angekündigt hatten, Moskau und die „Agenten der Komintern“ seien im Begriff, ganz Europa zu „kommunisieren“[88]. Als die Rote Armee sich der Westgrenze der Sowjetunion näherte, prophezeiten die America-First-Leute, die Sowjettruppen würden an der Grenze haltmachen, einen „Sonderfrieden“ mit Nazideutschland schließen und England und Amerika im Stich lassen. Als die Rote Armee die Grenze überschritt, wehklagten sie von neuem, Europa werde unter die Vorherrschaft Moskaus geraten…

Drei der einflußreichsten Zeitungsverleger Amerikas, William Randolph Hearst, Hauptmann Joseph M. Patterson und Oberst Robert R. McCormick, die zu den Förderern des America First Committee gehört hatten, stellten ihre böswillige antisowjetische Propaganda selbst dann nicht ein, als die Vereinigten Staaten und Sowjetrußland bereits als Verbündete einen gemeinsamen Kampf gegen Nazideutschland führten. Durch eine endlose Folge von Artikeln suchten sie bei ihrer millionenstarken Leserschaft Argwohn und Abneigung gegen den Verbündeten Amerikas, die Sowjetunion, zu wecken.

Am 28. April 1942 sprach Präsident Roosevelt die Mahnung aus, die Kriegsanstrengung Amerikas dürfe nicht „durch einige falsche Patrioten beeinträchtigt werden, die das unverbrüchliche Privileg der Pressefreiheit mißbrauchen, um die Meinungen der Propagandisten von Berlin und Tokio nachzubeten.“

Am 8. November 1943, dem zehnten Jahrestag der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Amerika und Sowjetrußland, wurde im Madison Square Garden eine feierliche Versammlung abgehalten. Innenminister Harold L. Ickes gab seinem heftigen Unwillen über die unentwegte sowjetfeindliche Propagandakampagne Ausdruck, die Hearst, Patterson und McCormick nach wie vor betrieben. Der Innenminister nahm kein Blatt vor den Mund. Er erklärte:

„Leider sind in diesem Lande starke Kräfte am Werk, die mit Vorsatz und Berechnung feindliche Gefühle gegen Rußland zu züchten bemüht sind …

Ich brauche als Beispiel nur die Hearst-Presse und die Zeitungsachse Patterson-McCormick zu nennen, besonders die letztere … Wenn diese Zeitungsverleger Rußland und Großbritannien hassen, dann ist ihr Haß gegen das eigene Land mehr als leichtfertig … Denn sie müssen ihr eigenes Land hassen und seine Einrichtungen verachten, wenn sie bewußt das Ziel verfolgen, Haß gegen die zwei Nationen zu säen, ohne deren Hilfe wir Hitler nicht besiegen können …“

Als Deutschland vor dem vereinten Angriff der amerikanischen, englischen und russischen Truppen zurückweichen mußte, bis es im Herbst 1944 unmittelbar vor dem Zusammenbruch stand, wurden in den Vereinigten Staaten neuerlich Stimmen laut, die zum Kampf gegen Sowjetrußland aufriefen.

William C. Bullitt, der früher amerikanischer Botschafter in Moskau und Paris gewesen war und zu dieser Zeit in Rom, der soeben befreiten Hauptstadt Italiens, weilte, forderte eine neue antisowjetische Allianz. Bullitts Entwicklung hatte einen charakteristischen Verlauf genommen…

Er war einer der Sonderbeauftragten, die im Jahre 1919 von Woodrow Wilson in die Sowjetunion geschickt wurden. 1934, fünfzehn Jahre später, ging er als erster amerikanischer Botschafter nach Sowjetrußland. Bullitt war ein reicher, ehrgeiziger Mann mit einem Fingerspitzengefühl für diplomatische Intrigen. Er trat in freundschaftliche Beziehungen zu verschiedenen russischen Trotzkisten. Er sprach davon, daß Sowjetrußland Wladiwostok an Japan ausliefern und im Westen Zugeständnisse an Nazideutschland machen müsse. 1935 reiste Bullitt nach Berlin. Der damalige amerikanische Botschafter in Deutschland, William E. Dodd, berichtet darüber in seinem Diplomaten-Tagebuch:

„Während seines Berliner Aufenthaltes im Frühjahr oder Sommer 1935 erklärte mir Bullitt er sei überzeugt, daß Japan innerhalb von sechs Monaten einen Angriff auf das östliche Rußland unternehmen und die fernöstlichen Gebiete der Sowjetunion besetzen werde.

Bullitt sagte, Rußland habe kein Anrecht auf die Halbinsel, die bei Wladiwostok ins japanische Meer hineinragt. Japan würde bald von alledem Besitz ergreifen. Ich sagte: Sie finden es also in Ordnung, daß Rußland, wenn man die Deutschen gewähren läßt, mit seinen 160 Millionen Menschen vom Stillen Ozean und von der Ostsee abgeschnitten wird? Er antwortete: Ach, das macht keinen Unterschied! … Ich war erstaunt, von einem verantwortlichen Diplomaten solche Worte zu hören … Bei einem Mittagessen in der französischen Botschaft gab er seiner feindseligen Haltung erneut Ausdruck. Damals waren gerade die Verhandlungen über den französisch-sowjetischen Friedenspakt im Gange. Bullitt sprach sich in einer langen Diskussion mit dem französischen Botschafter entschieden gegen den Abschluß dieses Abkommens aus, das der englische Botschafter mir gegenüber als die beste Sicherung des europäischen Friedens bezeichnet hatte … Später, oder etwa um die gleiche Zeit, als der neue italienische Botschafter direkt von Moskau nach Berlin kam, hörten wir, daß Bullitt vor seiner Abreise aus Moskau sein Herz für den Faschismus entdeckt hatte.“

Am 27. Januar 1937 machte Botschafter Dodd folgende Eintragung:

„Kürzlich wurde mir berichtet, daß gewisse amerikanische Banken daran denken, Italien und Deutschland neue große Kredite und Anleihen zu gewähren. Dabei ist die Kriegsmaschinerie dieser Länder bereits stark genug, um den Weltfrieden zu bedrohen. Ich habe sogar gehört - aber es scheint mir unglaubhaft -, daß Mr. Bullitt diese Pläne fördert.“

Nach dem französischen Zusammenbruch von 1940 verließ Bullitt Frankreich, um in die Vereinigten Staaten zurückzukehren. Dort verkündete er, Marschall Petain sei ein „Patriot“, der sein Land durch die Übergabe an die Nazis vor dem Kommunismus gerettet habe.

Vier Jahre später, als der zweite Weltkrieg sich seinem Ende näherte, tauchte Bullitt neuerlich auf dem europäischen Kontinent auf, diesmal als „Korrespondent“ des „Life“-Magazins. Aus Rom sandte er einen aufsehenerregenden Artikel, der in der „Life“-Nummer vom 4. September 1944 veröffentlicht wurde. Er wiederholte darin die antisowjetischen Propagandaphrasen, deren sich der internationale Faschismus in seinem Kampf um die Weltmacht zwanzig Jahre lang bedient hatte. Bullit forderte eine Einheitsfront der „westlichen Zivilisation“ gegen die Bedrohung durch Moskau und seine „kommunistischen Agenten“.

Es war der gleiche Schlachtruf, mit dem Hauptmann Sidney George Reilly fünfundzwanzig Jahre früher, am Ende des ersten Weltkrieges, alle gegenrevolutionären Kräfte der Welt um sieh zu scharen versuchte.[89]

Aber inzwischen hatte sich die Welt grundlegend geändert. Während William C. Bullitt zu einem neuen Kreuzzug gegen Sowjetrußland aufrief, rückten die Armeen Großbritanniens, der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion von Osten, Westen, Norden und Süden konzentrisch gegen Berlin, die Zitadelle der Gegenrevolution, vor.

Die Gefahr der faschistischen Versklavung ließ die westlichen Demokratien in dem von der russischen Revolution geschaffenen Staatswesen ihre stärkste Stütze erkennen. Dieses Bündnis war nicht zufällig. Die unerbittliche Logik der Ereignisse, hatten die friedliebenden Völker der Welt nach einem Vierteljahrhundert tragischer Mißverständnisse und künstlich geschürter Feindschaften mit zwingender Notwendigkeit zusammengeführt und zu einer Kampfeinheit verschmolzen. Aus den unsagbaren Blutopfern und Leiden des zweiten Weltkrieges erstanden die „United Nations“.


ANMERKUNGEN

  1. Im Juni 1940 erklärte Wonsiatzki einem Reporter der „Stunde“, Leo Trotzki und er hätten im Kampf gegen das Sowjetregime „gleichlaufende Interessen“.

  2. Außer den faschistischen Weißgardisten gab es noch andere russische Emigranten, die in den Vereinigten Staaten antisowjetische Propaganda betrieben. Eine Anzahl ehemaliger russischer Menschewiki, Sozialrevolutionäre und andere sowjetfeindliche politische Elemente waren nach Amerika gegangen und hatten die Vereinigten Staaten zum Hauptquartier ihrer antisowjetischen Propagandatätigkeit und ihrer unaufhörlichen Intrigen gemacht. Typische Vertreter dieser Kreise waren Viktor Tschernow, Raphael Abramowitsch, Nikifor Grigorjew und Nathan Tschanin. Viktor Tschernow war einer der Führer der sozialrevolutionären Bewegung des zaristischen Rußland gewesen. Er stand damals in enger Beziehung zu zwei anderen führenden Sozialrevolutionären, dem zaristischen Agent provocateur und Mörder Jewno Asew und dem antisowjetischen Verschwörer und Attentäter Boris Sawinkow. Sawinkow schildert in seinen „Memoiren eines Terroristen“, wie er 1903 nach Genf reiste, um mit Tschernow über das geplante Attentat auf den Innenminister von Plehwe zu beraten. Sawinkow berichtet auch, daß er und Asew sich 1906 mit dem Ersuchen an das Zentralkomitee der Sozialrevolutionären Terroristischen Brigade wandten, man möge sie ihrer Aufgabe, den Ministerpräsidenten Stolypin zu ermorden, entheben. „Das Zentralkomitee“, schreibt Sawinkow, „lehnte unsere Bitte ab und befahl uns, die Arbeit gegen Stolypin fortzusetzen… Außer mir und Asew waren Tschernow, Natanson, Sietow, Kroft und Pankratow anwesend.“ Nach dem Zusammenbruch des Zarenreiches wurde Tschernow Landwirtschaftsminister in der ersten Provisorischen Regierung. Er führte einen heftigen Kampf gegen Lenin und die Bolschewiki. Sobald die Sowjetregierung konstituiert war, beteiligte er sich an der Organisierung sozialrevolutionärer Komplotte gegen das Sowjetregime. Er verließ Rußland zu Beginn der zwanziger Jahre und wurde einer der aktivsten antisowjetischen Propagandisten der russischen Emigration. Er gehörte zu den eifrigsten Förderern der sowjetfeindlichen Umtriebe in Prag, Berlin, Paris und anderen europäischen Hauptstädten. Nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges ging er von Frankreich nach den Vereinigten Staaten, wo er seine antisowjetische Propaganda und organisatorische Tätigkeit fortsetzte. Er stand in enger Beziehung zu sowjetfeindlichen sozialistischen Gruppen der amerikanischen Arbeiterbewegung. Am 30. März 1943 wurde Tschernow von David Dubinski, dem Vorsitzenden der „International Ladies’ Garment Workers“ (Internationale Arbeiter-Vereinigung der Damenbekleidungs-Industrie), einer in New York veranstalteten Protestversammlung als Ehrengast vorgestellt; die Anwesenden erhoben Einspruch gegen die Hinrichtung zweier polnischer Sozialisten, Henry Ehrlich und Viktor Alter, durch die Sowjetbehörden. Das Militärkollegium des Obersten Gerichtshofes der UdSSR war zu dem Ergebnis gelangt, daß die beiden Polen in der Roten Armee zersetzende Propaganda betrieben und die Sowjettruppen aufgefordert hatten, mit den Deutschen Frieden zu schließen.

    Zu den Mitarbeitern Viktor Tschernows in den Vereinigten Staaten gehörte Raphael Abramowitsch, ein ehemaliger russischer Menschewiki-Führer, der durch Zeugenaussagen im Menschewiki-Prozeß vom März 1931 als eines der maßgeblichen Mitglieder des Spionage- und Sabotageringes bezeichnet wurde, der damals den Umsturz der Sowjetregierung anstrebte. Nachdem Abramowitsch sich in Berlin und London antisowjetisch betätigt hatte, ging er nach den Vereinigten Staaten. Er ließ sich in New York nieder, wo er ebenso wie Viktor Tschernow in enge Beziehung zu David Dubinski und anderen antisowjetischen sozialistischen Arbeiterführern trat. Seine heftigen Angriffe gegen Sowjetrußland erschienen im „New York Leader“ im New-Yorker „Forward“ und anderen sowjetfeindlichen Publikationen. Nikifor Grigorjew, ein antisowjetischer ukrainischer Emigrant und ehemaliges führendes Mitglied der ukrainischen sozialrevolutionären Partei, kam 1939 nach Amerika. Er war in europäischen Emigrantenkreisen als antisowjetischer Propagandist bekannt gewesen und hatte mit Viktor Tschernow zusammengearbeitet. In Prag gab Grigorjew die Zeitschrift „Suspilstwo“ heraus. In den darin veröffentlichten Artikeln wurde behauptet, daß „Sowjetrußland und die Sowjetukraine von Juden beherrscht werden“. Die Zeitschrift propagierte einen „großangelegten Kampf gegen die Juden … auf ukrainischem, weißrussischem, litauischem und polnischem Gebiet.“ Grigorjew setzte seine antisowjetische Propaganda auch in den Vereinigten Staaten fort. Nach dem Einfall der Nazis in Sowjetrußland beteiligten sich Grigorjew und Tschernow an der Gründung eines „Komitees zur Förderung der Demokratie“ in New York, das die Befreiung der Ukraine und anderer Sowjetrepubliken von sowjetischem Einfluß forderte. Unter dem von Grigorjew in Amerika verbreiteten Propagandamaterial befand sich eine Broschüre mit dem Titel „Grundprinzipien der unabhängigen ukrainischen politischen Aktion“, in der „statistisch“ nachgewiesen wurde, daß die Juden die Industrie, das Geldwesen und die Politik der Sowjetukraine „beherrschen“. In derselben Broschüre forderte Grigorjew die Soldaten der Roten Armee zur Fahnenflucht auf.

    Ein anderer prominenter Vertreter des „linken Flügels“ der antisowjetischen russischen Emigration in den Vereinigten Staaten war Nathan Tschanin, Leiter der Bildungsabteilung des Arbeiter-Zirkels und regelmäßiger Mitarbeiter des sowjetfeindlichen „Forward“. Zu Beginn der dreißiger Jahre befürwortete Tschernow Sammlungen für die Finanzierung der „sozialdemokratischen Geheimzellen, die jetzt in Rußland an der Arbeit sind“ und für die Finanzierung des „schwierigen Kampfes, den unsere Kameraden in Rußland gegen den Bolschewismus führen“.

  3. Im Jahr 1933 errichtete Alfred Rosenberg in Berlin eine Zentralagentur für die Leitung der internationalen antisowjetischen Propagandaarbeit, die den Namen „Internationales Komitee zur Bekämpfung der bolschewistischen Gefahr“ erhielt. Das war die Keimzelle der Antikomintern. Dieser Zentrale waren folgende Zweigstellen angegliedert:

    Allgemeiner Bund der Deutschen antikommunistischen Vereinigungen,
    Südamerikanischer Antikommunistischer Block,
    Antikommunistische Union der nordchinesischen Provinzen,
    Europäische Antikommunistische Liga,
    Amerikanische Sektion des Internationalen Komitees zur Bekämpfung der kommunistischen Weltgefahr.

  4. Auch japanische Agenten waren als antisowjetische Propagandisten in den Vereinigten Staaten tätig. Der Fall John C. Le Clair ist ein typisches Beispiel. Le Clair war stellvertretender Personalchef der International Telephone Company und vorher Geschichtslehrer am New Yorker City College und am St. Francis College in Brooklyn. Er galt als anerkannte Autorität für fernöstliche Fragen und schrieb zahlreiche einschlägige Artikel für bekannte amerikanische Zeitschriften, in denen er Japan lobte und Sowjetrußland als gefährlichen Feind der Vereinigten Staaten hinstellte. Er gab auch eine Korrespondenz-Serie „Comments and Forecasts“ heraus, die ähnliche Propaganda enthielt und an 200 amerikanische Zeitungen und Zeitschriften versandt wurde. Ein Artikel, der im September 1940 unter dem Titel „Freundschaft zwischen Amerika und UdSSR nicht erwünscht“ in dem Magazin „America“ erschien, war für Le Clairs gesamte Produktion charakteristisch. Er wurde im Herbst 1943 von Agenten des FBI verhaftet. Le Clair bekannte sich am 8.September vor einem Bundesgericht in New York schuldig, drei Jahre lang als bezahlter Geheimagent im Dienst der japanischen Regierung gestanden zu haben. Seine Dienst-Verpflichtung lief wenige Monate vor Pearl Harbour ab.

  5. Unter den einflußreichen Freunden, die Scheffer im Ausland hatte, gab es noch immer einige, die ihn nach wie vor für einen freisinnigen Journalisten hielten und daher über seine Rückkehr nach Deutschland sehr erstaunt waren. Ihnen erklärte Scheffer im Vertrauen, daß er im Dritten Reich eine geheimnisvolle antinazistische Mission zu erfüllen habe. Scheffer war im Hinblick auf seine künftige Tätigkeit daran interessiert, seine wertvollen Verbindungen mit ausländischen Kreisen unverändert aufrechtzuerhalten. Merkwürdigerweise schenkten ihm viele seiner Freunde Glauben. Nicht alle konnte Scheffer von der Echtheit seiner nazifeindlichen Gesinnung überzeugen. Der inzwischen verstorbene damalige amerikanische Botschafter in Deutschland, William E. Dodd, ließ sich nicht täuschen. Am 15. November 1936 trug er folgende Bemerkung über Scheffer in sein Tagebuch ein: „Scheffer gegenüber bin ich sehr vorsichtig. Er war vor einigen Jahren Sozialdemokrat, dann hielt er sich einige Jahre als deutscher Pressekorrespondent in den Vereinigten Staaten auf, und jetzt ist er ein guter Nazi.“

  6. Die amerikanischen Steuerzahler, die für Sullivans Gehalt aufkommen mußten, solange er Haupt-Untersuchungsleider des Dies-Kommitees war, hätten das nachfolgende Verzeichnis seiner Polizeistrafen gewiß recht interessant gefunden:

    Strafbare Handlung:

    Ort des Vergehens:

    Datum:

    Verfügung:

    Trunkenheit

    Charlestown, Maß.

    7.9.20

    Strafe erlassen

    Überschreiten der vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit

    Roxbury

    8.12.23

    25 Doller Geldstrafe

    Autofahren ohne Führerschein

    Suffok

    11.2.24

    25 Doller Geldstrafe

    Überschreiten der vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit

    Suffok

    27.6.24

    Niedergeschlagen

    Diebstahl

    Malden

    4.2.32

    6 Monate Zuchthaus (Berufung eingelegt)

    Diebstahl

    Middlesex

    12.4.32

    Zweite Instanz

    Autofahren nach Erlöschen des Führerscheins

    Lowell

    11.2.32

    Niedergeschlagen

    Verstoß gegen Paragraph 690 des Strafgesetzbuches (Sodomie)

    New York

    20.12.33

    Freigesprochen

    Verhaftung wegen unbefugten Auftretens als FBI-Offizier

    Pittsburg

    11.12.39

    Anklage wurde fallen gelassen

  7. Im Januar 1941, als das Deutsche Oberkommando die letzten Vorbereitungen für die Offensive gegen die Sowjetunion traf, erschien in den Vereinigten Staaten ein aufsehenerregendes antisowjetisches Buch „Out of the Night“. Als Verfasser zeichnete Jan Valtin. „Jan Valtin“ war eines der vielen Pseudonyme des früheren Gestapoagenten Richard Krebs. Er nannte sich auch Richard Anderson, Richard Peterson, Richard Williams, Rudolf Heller und Otto Melchior.

    Krebs’ Buch „Out of the Night“ gab sich als das Bekenntnis des Kommunisten „Jan Valtin“ aus, der in der ganzen Welt herumgereist war, angeblich um im Auftrag Moskaus dunkle Geschäfte zu betreiben. Der Autor schilderte mit größter Genauigkeit die verbrecherischen Komplotte, die nach seiner Behauptung von „bolschewistischen Agenten“ gegen die Weltdemokratie angezettelt wurden. Er berichtete, wie ihm nach zehnjähriger krimineller Betätigung „im Dienste der Komintern“ (dazu gehörte unter anderem ein im Jahr 1926 in Kalifornien verübter Mordversuch) „Zweifel an den Zielen der Kommunistischen Partei“ aufgestiegen seien. Endlich kam er zu dem Entschluß, mit Moskau zu brechen und alles zu erzählen… Krebs traf im Februar 1938 in den Vereinigten Staaten auf. Er brachte aus Europa das Manuskript seines Buches „Out of the Night“ mit, das eine überraschende Ähnlichkeit mit einer in ganz Deutschland verbreiteten antisowjetischen Propagandaschrift auf wies. Bei der Vorbereitung der amerikanischen Ausgabe war ihm der amerikanische Journalist und ständige Mitarbeiter der Kearst-Presse, Isaac Don Levine, behilflich, der seit vielen Jahren sowjetfeindliche Propaganda betrieb. Das Buch, dessen Absatz durch eine ungewöhnlich großzügige Reklame gefördert wurde, hatte einen sensationellen Erfolg. Der Book-of-the-Month-Club brachte 165000 Exemplare an seine Leser zur Verteilung. Reader’s Digest veröffentlichte umfangreiche Auszüge mit dem Bemerken, daß die in dieser Selbstbiographie enthaltenen Tatsachen „von den Herausgebern sorgfältig überprüft“ worden seien. Das „Life“-Magazin brachte lange Abschnitte in zwei aufeinanderfolgenden Nummern. Es gibt in der Geschichte des amerikanischen Verlagswesens wenig Bücher, die mit einem solchen Aufwand an kostspieliger Reklame und marktschreierischer Propaganda herausgebracht wurden, wie „Out of the Night“.

    Während ein Teil der Rezensenten Zweifel und Bedenken äußerte, ergingen sich andere, der Sowjetunion feindlich gesinnte Kritiker in Lobpreisungen. Sidney Hook, ein Verehrer Trotzkis, erklärte im „New Leader“, dem Organ des sogenannten Sozialdemokratischen Bundes (Social Democratic Föderation): „Das Buch wirkt als nackter Bericht durch die atemraubende Folge der Ereignisse so zwingend, daß es unmöglich als Fiktion angesehen werden kann, denn es verletzt alle Konventionen der dichterischen Glaubwürdigkeit.“ William Henry Chamberlin, dessen sowjetfeindliche Deutung der Moskauer Prozesse von dem in Tokio erscheinenden Propagandaorgan „Contemporary Japan“ veröffentlicht worden war, drängte im „New York Sunday Times Book Supplement“ darauf, man solle Valtins wertvolle Mitarbeit für jene amerikanischen Stellen gewinnen, die sich mit der Bekämpfung von Spionage, Sabotage und anderen ungesetzlichen, vom Ausland inspirierten Umtrieben befassen“. Max Eastman, Eugene Lyons und andere Mitglieder der antisowjetischen, mit Trotzki sympathisierenden trotzkifreundlichen amerikanischen Literatenclique begrüßten den „historischen Bericht“ des ehemaligen Gestapoagenten mit begeisterten Worten.

    „Jan Valtin“ stand im Mittelpunkt des öffentlichen Lebens. Er wurde aufgefordert, als antisowjetischer Sachverständiger vor dem Dies-Komitee auszusagen.

    Am 28. März 1941 wurde ein Haftbefehl gegen Krebs erlassen, da er als unerwünschter, nicht zum ständigen Aufenthalt in den Vereinigten Staaten berechtigter Ausländer angesehen wurde. Im Verlaufe der Verhandlung vor dem Bundesgericht stellte sich heraus, daß Krebs im Jahre 1926 wegen eines Mordversuches in Kalifornien zu neununddreißig Monaten Gefängnis verurteilt worden war, die er in San Quentin abgebüßt hatte. Krebs behauptete in „Out of the Night“, dieses Verbrechen im Auftrag der Komintern begangen zu haben, aber aus den Prozeßakten des Gerichts von Los Angeles ging hervor, daß ein Wortwechsel mit einem kleinen Kaufmann, dem Krebs eine Rechnung schuldete, zu der Tat geführt hatte. Als Krebs vor Gericht gefragt wurde, was ihn eigentlich zu dem Mordversuch veranlaßt habe, erklärte er: „Der Jude brachte mich zur Raserei.“ Die Verhandlung ergab ferner, daß Krebs im Dezember 1929 aus den Vereinigten Staaten ausgewiesen worden war; 1938 reiste er, ebenso wie im Jahr 1926, illegal nach Amerika ein. Außerdem wurde erwiesen, daß Krebs der Naziregierung in einem Hochverratsprozeß gegen einen Matrosen, einen ehemaligen Kameraden, als Zeuge gedient hatte. Als Krebs nach seinen Beziehungen zur deutschen Kommunistischen Partei befragt wurde, aus der er ausgestoßen worden war, gab er zu, sich „in diese Organisation eingeschlichen“ zu haben.

    Das USA - Einwanderungsgericht erklärte: „der Angeklagte wurde seit fünf Jahren als Agent des nationalsozialistischen Deutschland angesehen. Nach den uns vorliegenden Informationen hat er sich als völlig unzuverlässig und amoralisch erwiesen.“

    Das große Publikum erfuhr so gut wie nichts davon, daß Krebs als ehemaliger Naziagent und abgestrafter Verbrecher entlarvt worden war. Später gelang es ihm, mit Hilfe seiner einflußreichen antisowjetischen Freunde von der Einwanderungsbehörde einen Gesundheitspaß zu erlangen. Er galt als „gebessert“ und erhielt amerikanische Bürgerpapiere. Niemand dachte daran, „Out of the Night“ aus den öffentlichen Bibliotheken zu entfernen. Zehntausende von Amerikanern sogen nach wie vor die sowjetfeindlichen Argumente des Buches in sich auf.

  8. Kriwitzkis amerikanischer Anwalt Louis Waldman bestätigte, daß Kriwitzkis Einreise in die Vereinigten Staaten durch den amerikanischen Botschafter in Frankreich, William C. Bullitt, befürwortet wurde.

  9. Die Bestrebungen des Kongreßabgeordneten Martin Dies wurden von den achsenfreundlichen antisowjetischen Kreisen der Vereinigten Staaten mit Begeisterung aufgenommen und unterstützt. Am 8. Dezember 1839 veranstaltete Merwin K. Hart, der wichtigste Fürsprecher der spanisch-faschistischen Regierung des Generalissimo Franco, in New York ein Bankett, an dem Dies als Ehrengast teilnahm. Unter den Geladenen befanden sich John B. Trevor, Archibald E. Stevenson und Fritz Kühn, der Leiter des Deutsch-Amerikanischen Bundes. Als die anwesenden Journalisten Kühn um seine Ansicht über das Dies-Komitee befragten, antwortete er: „Ich bin dafür, daß es wieder ernannt wird, und ich hoffe, daß es größere Subventionen erhält.“

    Nachstehend einige Äußerungen antisowjetischer Agitatoren über die Tätigkeit des Dies-Komitees:

    „Ich habe die größte Hochachtung vor dem Dies-Komitee und sympathisiere mit seinem Programm.“ George Sylvester Viereck, ein Naziagent, der am 21. Februar 1942 zu acht Monaten Gefängnis verurteilt wurde.

    „Ich gründete Im Jahre 1933 die Silber-Legion. … um genau die gleichen Grundsätze zu propagieren, die Mr. Dies und sein Komitee ihrer jetzigen Arbeit zugrunde legen.“ William Dudley Pelley, Führer der nazifreundlichen Silberhemden, wurde am 13. August 1942 wegen aufrührerischer Umtriebe zu fünfzehn Jahren Gefängnis verurteilt; 1944 stand er neuerlich wegen Beteiligung an einer gegen Amerika gerichteten nazistischen Verschwörung unter Anklage.

    „Wenn Ihr die von Dies geleistete Arbeit billigt, so verwendet einige Augenblicke eurer freien Zeit darauf, ihm einen zustimmenden Brief zu schreiben. Wahrhaftig, wenn er eine Million solcher Briefe erhielte, so wäre das die beste Antwort für diejenigen, die darauf ausgehen, ihn und die gesetzgebende Körperschaft, die er vertritt, zu vernichten.“ Pater Charles E. Coughiln, nazifreundlicher Propagandist, Gründer der Christlichen Front und der Zeitung „Social Justice“, die 1942 wegen ihres aufrührerischen Inhalts vom Postversand ausgeschlossen wurde.

    Selbst in Berlin spendete man der antisowjetischen Arbeit des Dies-Komitees offenen und rückhaltlosen Beifall. Der über ein System von Kurzwellensendern betriebene Warnungsdienst der Föderal Communication Commission berichtete im Winter 1941, daß kein anderer Amerikaner in den Kurzwellensendungen der Achsen-Richtstrahler für die westliche Hemisphäre so „häufig und lobend“ erwähnt werde, wie der Abgeordnete Dies.

  10. In der Redaktion des „Herald“ wurden Tag und Nacht Sendungen aus den von Hitler beherrschten Teilen Europas und aus Japan mit Kurzwellenempfängern abgehört. Das auf diese Weise gewonnene offizielle Propagandamaterial der Achsenländer wurde im „Herald“ und in „Scribner’s Commentator“ verwertet.

    Der „Herald“ und „Scribner’s Commentator“ wurden in ganz Amerika kostenfrei verteilt. Die Besucher der vom America First Committee veranstalteten Versammlungen erhielten Freiexemplare. Außerdem wurden diese Publikationen auf Grund von speziell für diesen Zweck zusammengestellten Listen des America First Committee in großen Mengen durch die Post versandt. Das Adressenmaterial lieferten Charles E. Lindbergh, Hamilton Fish, Charles E. Coughiin, Senator Burton K. Wheeler und die Naziagenten Frank Buren, George Sylvester Viereck und andere.

  11. Der Überfall der Deutschen auf Sowjetrußland wurde vom America First Committee mit Begeisterung begrüßt. Das Propaganda-Organ dieses Komitees, der „Herald“, brachte folgende Schlagzeile:

    „Europa sammelt sich zum Kampf gegen die russischen Kommunisten. Siebzehn Nationen nehmen an dem Heiligen Kreuzzug des Deutschen Reiches gegen die UdSSR teil.“

    Es wurde behauptet, daß der Sieg Nazideutschlands über Sowjetrußland durchaus im Interesse der Vereinigten Staaten läge. Das America First Research Bureau Bulletin vom l. August 1941 enthielt folgenden Passus:

    „Ist Ihnen bekannt, daß im Falle eines Sieges des nazistischen Deutschland über das kommunistische Rußland die erweiterte deutsche Wirtschaft eher geschwächt als gestärkt wäre?“

  12. Am 30. Oktober 1941, als sich die Nazis Moskau näherten, hielt John Cudahy in einer vom America First Committee im Madison Square Garden in New York veranstalteten Versammlung eine Ansprache. (Es war derselbe Cudahy, der seinerzeit als Hauptmann bei der amerikanischen Interventionsarmee in Archangelsk gedient hatte. Später wurde er amerikanischer Botschafter in Belgien, von diesem Posten mußte er wegen seiner deutschfreundlichen Haltung abberufen werden.) Cudahy forderte, die amerikanische Regierung solle eine „Internationale Friedenskonferenz“ einberufen und auch Nazideutschland dazu einladen. Cudahy erklärte: „Die leitenden Persönlichkeiten der Naziregierung wissen, daß Amerika die Möglichkeiten hat, sich zu einem sehr gefährlichen militärischen Gegner zu entwickeln. Das wurde mir von Ribbentrop bestätigt, als ich ihn vor fünf Monaten besuchte. Cudahy fügte hinzu, daß dadurch ein günstiger Ausgangspunkt für „Friedensverhandlungen“ mit den Nazis gegeben wäre. „Es wird behauptet, daß man mit Hitler keinen Frieden schließen kann. Aber Hitler ist nur ein Übergangsstadium…“, sagte Cudahy. „Wir haben in Amerika einen hervorragenden Fachmann für europäische Fragen, dessen Gesinnung von der lautesten Vaterlandsliebe bestimmt ist: Herbert Hoover … Es wäre ratsam, Mr. Hoover einen Plan für eine dauerhafte friedliche Lösung ausarbeiten zu lassen.

  13. Am 22. Mai 1943 wurde die Komintern oder Kommunistische Internationale aufgelöst. Der ehemalige amerikanische Botschafter in Sowjetrußland, Joseph E. Davies, äußerte sich über die Auflösung der Komintern in einem für United Press verfaßten Spezialartikel: „Für eingeweihte außenpolitische Kreise kam dieser Schritt nicht überraschend. Es war einfach der Endpunkt einer Entwicklung, der Abschluß eines Kapitels der sowjetischen Außenpolitik. Das kann am besten durch einen kurzen Abriß der Geschichte der Komintern gezeigt werden … Diese Organisation entstand im Jahr 1919, als die neue revolutionäre Regierung von allen Seiten angegriffen wurde … Unter Stalin entwickelte sie sich schließlich zu einer zentralen Kontrollstelle für die Arbeiterbewegungen anderer Länder. Diese kommunistischen Parteien erhielten, soweit sie sich in demokratischen Ländern befanden, den Rat, den gesetzlichen Status anzustreben und sich bei ihrer Betätigung friedlicher, verfassungsmäßiger Methoden zu bedienen. In diesen Ländern traten die kommunistischen Parteien als laute, aber niemals gewalttätige Minoritäten auf. Nur in aggressiven und feindlichen Ländern griff die Komintern möglicherweise durch aktive Hilfeleistung und Unterstützung aufrührerischer Umtriebe gegen die Regierungen in den Klassenkampf ein … Unsere Feinde - die Nazis, Faschisten und Japaner - taten ihr möglichstes, um unsere westliche Zivilisation mit dem Schreckgespenst des Kommunismus zu ängstigen. Der sogenannte Antikomintern-Pakt gab den ersten Vorwand zu ihrem Zusammenschluß in den Jahren 1936, 1937, 1939 und 1940; in diesem Zeichen verschworen sie sich uns und die ganze übrige Welt zu besiegen… Am 22. Mai 1943 machten Stalin und seine Mitarbeiter in Moskau Hitlers Plan mit einem Schlag zunichte… Indem sie die Komintern auflösten, brachten sie Hitlers Propagandisten um ihr letztes schweres Geschütz… Außerdem bekräftigten die Sowjets durch diesen entscheidenden Schritt ihre bereits zum Ausdruck gebrachte Absicht, in ihren Nachbarländern keine Unruhe zu stiften, sondern in Erfüllung der übernommenen Verpflichtungen gemeinsam mit ihnen für Sieg und Frieden zu kämpfen … Die Auflösung der Komintern trägt zur Festigung des Vertrauens zwischen den in gemeinsamem Kampf geeinten Verbündeten bei. Sie ist ferner ein Beitrag zur Aufbauarbeit nach dem Kriege, zur Gestaltung einer gesitteten internationalen Völkergemeinschaft, die mit Wirklichkeitssinn und durch freundschaftliche, nachbarliche Zusammenarbeit eine neue Welt zu erbauen sucht.“

  14. Diese Stimmen schwiegen selbst dann nicht, als Nazideutschland endgültig von der englisch-amerikanisch-sowjetischen Koalition niedergerungen war. Im Frühjahr 1945 kehrte die Gattin des Herausgebers der Zeitschriften „Time“, „Life“ und „Fortune“ und Abgeordnete des US-Kongresses, Cläre Luce, von einer Rundreise durch Europa zurück; sie berichtete den Amerikanern, daß der Bolschewismus - als Folge des Sieges der Roten Armee über Nazideutschland - ganz Europa zu verschlingen drohe. Mrs. Luce rief die Vereinigten Staaten zur Unterstützung aller antisowjetischen Kräfte Europas auf. Eine solche Wendung war natürlich die letzte Hoffnung der Nazis gewesen; Gedankengänge dieser Art füllten die letzten Rundfunkreden, die der nazistische Propagandaminister Dr. Goebbels im belagerten Berlin hielt.

    Auch die Verbreitung antisowjetischer Propaganda in den Vereinigten Staaten nahm ihren Fortgang. 1945/46 wurde eine Reihe von Büchern veröffentlicht, die in Stil und Inhalt Jan Valtins „Out of the Night“ ähnlich waren. Zu den meistgelesenen Büchern dieser Art gehörten „Report on the Russians“ von William L. White und „One Who Survived“ von Alexander Barmine.

    Der amerikanische Journalist William L. White schrieb sein Buch „Report on the Russians“ nach einer hastigen sechswöchigen Reise durch die Sowjetunion. Dieses Buch, das zuerst in gekürzter Form in „Reader’s Digest“ veröffentlicht wurde, ist von Anfang bis zu Ende nichts als ein wortreicher Angriff auf das Sowjetvolk, seine Führer und sogar seine Leistungen während des Krieges. Es wurde von antisowjetischen Zeitungen wie dem sozialdemokratischen „New Leader“ als „reichhaltiger, objektiver Bericht“ begrüßt und von der Patterson-McCormick- und Hearst-Presse unter begeisterter Zustimmung zitiert, während der Teil der amerikanischen Presse, dem an der Aufrechterhaltung guter Beziehungen zwischen den Vereinten Nationen gelegen war, das Buch streng verurteilte. Eine Gruppe bekannter amerikanischer Journalisten, die während des Krieges in der Sowjetunion gearbeitet hatten, darunter John Hersey, Richard Lauterbach, Ralph Parker und Edgar Snow, veröffentlichten eine Erklärung, in der sie Whites Buch mit scharfen Worten als „höchst irreführenden und entstellenden Bericht“ bezeichnen, „dessen Zweck die Konservierung der ältesten Märchen und Vorurteile gegen unseren großen Verbündeten ist, dessen opfermutiges Verhalten in diesem Kriege uns unsagbares Leiden und Blutvergießen erspart hat.“ Die Erklärung der Auslandskorrespondenten hob ferner hervor, daß „dem Verfasser nicht nur die Sprache, sondern offensichtlich auch die Geschichte und Kultur Rußlands unbekannt ist, daß der völlige Mangel an Details sowohl bei der Schilderung des Sinnfälligen wie der Hintergründe eine fundamentale Unehrlichkeit bedingt“ und daß „das Buch mit der Tätigkeit unwissender und feindseliger Gruppen hier und in Europa in Verbindung zu bringen ist, die Mißtrauen und Argwohn zwischen den Alliierten zu säen versuchen“ Trotzdem wurde auch weiterhin durch eine mit Hochdruck und großem Aufwand betriebene Propaganda dafür gesorgt, daß viele zehntausend Amerikaner „Report on the Russians“ lasen.

    Alexander Barmines Buch „One Who Survived“ gab sich als der Bericht eines ehemaligen „Sowjet-Diplomaten“ und „Spezialisten“ für sowjetische Angelegenheiten aus, der Einblick in die „Hintergründe“ der sowjetischen Politik und Regierungsgeschäfte gewonnen hatte. Wie Whites „Report on the Russians“ war auch Barmines Buch ein heftiger Angriff auf alles, was mit der Sowjetunion zu tun hat. Zur Zeit der Aufdeckung und Liquidierung der Fünften Kolonne in Rußland war Barmine sowjetischer Charge d’Affaires in Athen. Barmine gab seinen Posten auf und weigerte sich, in die Sowjetunion zurückzukehren. In „One Who Survived“ berichtet Barmine, daß einige der hingerichteten sowjetischen Verschwörer seine engsten „Freunde“ und „Kollegen“ waren.

    Sowohl W. L. Whites als auch Alexander Barmines Buch wurde von den Nazis bei ihrer europäischen Propagandakampagne gegen die Sowjetunion benutzt. Der „Westkämpfer“, eine offizielle Publikation der Wehrmacht, widmete Whites „Report on the Russians“ einen begeisterten Leitartikel, in dem erklärt wurde, Whites Buch beweise die Möglichkeit einer Spaltung der Vereinten Nationen. Im März 1945 bombardierten die Nazis die in Italien kämpfenden amerikanischen Truppen mit Abdrucken eines Artikels von Barmine, der vorher unter dem Titel „Die neue kommunistische Verschwörung“ in „Reader’s Digest“ erschienen war.

    Die Stimmen der antibolschewistischen Kreuzfahrer ertönten nach der Beendigung des zweiten Weltkrieges in Europa ebenso laut wie 1918, aber die Amerikaner und andere Völker, die seit dem Tod Woodrow Wlisons einiges dazugelernt hatten, ließen sich nicht mehr so leicht beeinflussen wie nach dem ersten Weltkrieg.

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