K.J. WOROSCHILOW

STALIN UND DIE ROTE ARMEE

ZUM 50. GEBURTSTAG DES GENOSSEN STALIN GESCHRIEBEN

1929

Die Periode des friedlichen Aufbaus in unserer Geschichte enthält Geschehnisse von größter Bedeutung. In den letzten Jahren sind Ströme, nein, Ozeane von Wasser den Berg hinabgeflossen. Rundumher sind ungeheure Verwandlungen vorgegangen, die eigenen Perspektiven erscheinen in neuem Licht, und die allgemein anerkannten Maßstäbe sind zerbrochen. All diese Geschehnisse sind mit dem reichen, vielseitigen revolutionären Wirken des Genossen Stalin verknüpft. Er stand im Brennpunkt des wogenden Kampfes, der sich in den vergangenen fünf oder sechs Jahren um Partei und Sozialismus entspann. Das ist die einzige Erklärung dafür, warum seine Bedeutung als einer der hervorragendsten Organisatoren bei den Siegen des Bürgerkrieges bis zu einem gewissen Grade in den Hintergrund getreten ist und noch nicht die notwendige Würdigung erfahren hat.

Heute, am 50. Geburtstag unseres Freundes, möchte ich diese Lücke, wenigstens teilweise, schließen.

Selbstverständlich erhebe ich nicht den geringsten Anspruch darauf, in einem Zeitungsaufsatz die militärische Tätigkeit des Genossen Stalin vollständig charakterisieren zu können. Ich möchte nur einige Tatsachen, die noch gar nicht soweit zurückliegen, den Genossen ins Gedächtnis rufen und einige Dokumente, die wenig bekannt sind, veröffentlichen. Diese einfachen Tatsachen sollen Zeugnis ablegen für jene wirklich außerordentliche Rolle, die Genosse Stalin in den kritischen Augenblicken des Bürgerkrieges gespielt hat.

In der Periode von 1918 bis 1920 war er wohl der einzige Genosse, den das Zentralkomitee beständig von einer Kampffront zur anderen abkommandierte, immer dorthin, wo die Lage für die Revolution besonders gefährlich und bedrohlich war. Nur dort war er nicht zu sehen, wo alles verhältnismäßig ruhig war und gut oder gar erfolgreich verlief. Aber an Stellen, wo aus einer Reihe von Gründen die roten Armeen wankten, wo die konterrevolutionären Kräfte ihre Erfolge ausnutzten und die Sowjetmacht in ihrer baren Existenz bedrohten, wo mit jedem Augenblick Verwirrung und Panik in Ohnmacht und Katastrophe umschlagen konnten - an diesen Stellen erschien Genosse Stalin. Nächtelang schloß er kein Auge, schweißte Partei und Arbeitermassen, Kommandostab und Mannschaften der Roten Armee zusammen, nahm die Führung fest in die Hand und beseitigte die herrschende Verwirrung. Nicht nur den Feinden gegenüber kannte er keine Gnade, sondern auch gegenüber den Panikmachern und Saboteuren. So unterdrückte er Verschwörungen in der Etappe und an der Front, er klärte die Lage und führte den Umschwung herbei in beharrlichem Ringen um den Sieg der Roten Armee. Man „mache“ aus ihm „einen Spezialisten zum Säubern der Ställe bei der Militärverwaltung“, schrieb er selbst darüber in einem Brief an das Zentralkomitee im Jahre 1919.

ZARIZYN

Die Militärtätigkeit begann für den Genossen Stalin an der Front von Zarizyn. Er begab sich Anfang Juni 1918 mit einer Abteilung Rotarmisten und zwei Panzerwagen nach Zarizyn als Gesamtleiter der Lebensmittelbeschaffung im Süden Rußlands. In Zarizyn fand er ein unvorstellbares Chaos vor - nicht nur bei den Sowjetinstitutionen, bei den Gewerkschafts- und Parteiorganisationen; bei den leitenden militärischen Stellen waren Wirrwarr und Durcheinander noch schlimmer. Auf Schritt und Tritt stieß er auf Widerstände allgemeiner Art, die ihn hinderten, seine eigentliche Aufgabe zu erfüllen.

Der Hauptwiderstand ergab sich aus der rasch um sich greifenden Konterrevolution der Kosaken, damals stark unterstützt von der deutschen Wehrmacht, die die Ukraine besetzt hatte. Konterrevolutionäre Kosakenbanden hatten sich bald einer ganzen Reihe Ortschaften in unmittelbarer Nähe Zarizyns bemächtigt und verhinderten damit nicht nur jede planmäßige Getreidelieferung an das hungernde Moskau und Lenin grad, sondern brachten auch Zarizyn selber in eine außerordentlich gefährliche Lage. Die Lage war damals überall äußerst bedrohlich. In Moskau gingen die linken Sozialrevolutionäre zum Aufstand über, im Osten kam es zum Verrat Murawjows, im Ural entstand und erstarkte die tschechoslowakische Konterrevolution, und im äußersten Süden schlichen sich die Engländer an Baku heran. Ringsherum loderte ein Feuerkreis. Die Revolution durchlebte die Zeit ihrer schlimmsten Prüfung. Die Telegramme flogen zwischen Genossen Lenin [1] und Genossen Stalin in Zarizyn hin und her. Lenin wies auf die Gefahren hin, sprach Mut zu und verlangte entscheidende Maßnahmen. Zarizyn gewann durch seine Lage außerordentlich an Bedeutung. Käme es am Don zum Aufstand und fiele Zarizyn, so drohte uns der Verlust des gesamten kornreichen Nordkaukasus und des Öls von Baku. Außerdem hätten die „Weißen die Möglichkeit gehabt, die Konterrevolutionäre am Don mit Koltschak und mit den tschechoslowakischen konterrevolutionären Streitkräften zu vereinen und in geschlossener Front gegen Moskau vorzurücken. Zarizyn mußte um jeden Preis gehalten werden. Genosse Stalin sah das ganz klar. Und als erfahrener Revolutionär gewann er bald die Erkenntnis, daß seine Arbeit nur dann Sinn hätte, wenn es ihm gelänge, auf die militärische Leitung Einfluß zu nehmen, von der unter den gegebenen Verhältnissen die Entscheidung abhing.

In einer Mitteilung an Lenin vom 7. Juli mit der kennzeichnenden Einleitung „Eile an die Front. Schreibe nur zur Sache“ heißt es:

„Die Linie südlich Zarizyn ist noch nicht wiederhergestellt. Ich treibe alle an und schimpfe mit allen, die es verdienen; ich hoffe, daß wir die „Wiederherstellung bald erreicht haben. Sie können überzeugt sein, daß wir niemanden schonen werden, weder uns noch andere, aber Getreide werden wir trotz allem liefern. Wenn unsere militärischen ‚Spezialisten’ (Schuster!) nicht geschlafen und gefaulenzt hätten, wäre die Linie nicht unterbrochen worden, und wenn die Linie wiederhergestellt wird, dann nicht dank den Militärs, sondern trotz ihnen.“[2]

Lenin hatte sich beunruhigt gezeigt über ein mögliches Auftreten der linken Sozialrevolutionäre in Zarizyn. Darauf entgegnete ihm Stalin kurz, aber klar und bündig:

„Was die Hysteriker betrifft, so seien Sie unbesorgt, unsere Hand wird nicht zittern. Mit Feinden verfahren wir wie mit Feinden.“[3]

Je tieferen Einblick er in den Militärapparat gewann, um so überzeugter wurde er von dessen völliger Hilflosigkeit, andererseits aber auch von dessen unzweideutiger Abneigung, der frech werdenden Konterrevolution Widerstand zu bieten.

Schon am 11. Juli 1918 telegraphierte er an Lenin :

„Die Sache wird dadurch kompliziert, weil erwiesenermaßen der Stab des Nordkaukasus-Bezirks dem Kampf gegen die Konterrevolution und seinen Bedingungen überhaupt nicht gewachsen ist. Das liegt nicht nur daran, daß unsere ‚Spezialisten’ ideologisch zum entschlossenen Bekämpfen der Konterrevolution außerstande sind, sondern daß sie als ‚Stabsoffiziere’ wohl ‚Pläne zeichnen’ und Truppenverschiebungen planen können, aber jeder operativen Frage völlig gleichgültig gegenüberstehen und überhaupt sich als Außenseiter, als Gäste fühlen. Auch die Kommissare vermochten nicht, diese Lücke zu füllen.“

Genosse Stalin beschränkte sich keineswegs nur auf diese vernichtende Kritik. In derselben Nachricht zog er daraus die Folgerung für sein eigenes Verhalten:

„Ich glaube mich nicht berechtigt, gleichmütig zuzusehen, wie die Front Kalnins von ihrer Versorgungsbasis und der Norden von der Kornkammer abgeschnitten werden.

Ich werde diesen und manchen anderen Fehler an Ort und Stelle berichtigen. Ich treffe Anordnungen und werde sogar die Absetzung von Beamten und militärischen Führern, die der Sache schaden, verfügen, trotz der formalen Schwierigkeiten, über die ich mich notfalls hinwegsetzen werde. Ich nehme selbstverständlich die volle Verantwortung dafür vor allen höchsten Stellen auf mich.“

Die Lage wurde immer gespannter. Genosse Stalin entfaltete eine titanische Energie. Aus dem außerordentlichen Bevollmächtigten für Lebensmittelbeschaffung verwandelte er sich in kurzer Zeit zum eigentlichen Führer der gesamten roten Streitkräfte an der Zarizyner Front. Dieser Tatbestand wurde von Moskau offiziell bestätigt und Genosse Stalin mit dem Auftrag betraut, „die Disziplin herzustellen, aus den Abteilungen reguläre Einheiten zu bilden und nach Entfernung aller, die sich nicht unterordnen wollen, eine richtige Führung zu schaffen“. (Aus dem Telegramm des Revolutionären Kriegsrats der Republik mit der Bemerkung „Vorliegendes Telegramm ist in Übereinstimmung mit Lenin abgesandt“.)

Die revolutionären ukrainischen Truppen, die sich vor dem Druck der Deutschen durch die Donsteppen zurückgezogen hatten, erreichten zu diesem Zeitpunkt Zarizyn. Ein revolutionärer Kriegsrat mit dem Genossen Stalin an der Spitze wurde gebildet, der sofort daranging, eine reguläre Armee zu schaffen. Mit seinem Tatendrang, seiner Energie und seinem Willen setzte Genosse Stalin Dinge durch, die gestern noch unmöglich erschienen waren. In denkbar kürzester Frist wurden Regimenter, Brigaden und Divisionen aufgestellt. Der Stab, die Versorgungsorgane, das ganze Hinterland wurden auf die radikalste Weise von konterrevolutionären und feindlichen Elementen gesäubert. Der Sowjet- und Parteiapparat arbeitete besser und gewissenhafter. Um Genossen Stalin sammelte sich eine Gruppe alter Bolschewiki und revolutionärer Arbeiter. Vor den Toren des konterrevolutionären Don erhob sich zum erstenmal im Süden statt eines hilflosen Stabes eine rote bolschewistische Festung. Zarizyn war zu jener Zeit übervoll von Konterrevolutionären aller Schattierungen, von rechten Sozialrevolutionären und Terroristen bis zu erzreaktionären Monarchisten.

Bis zum Auftreten des Genossen Stalin und der Ankunft der revolutionären Truppen aus der Ukraine fühlten sich diese Herrschaften alle so gut wie frei und lebten der Erwartung besserer Tage. Um aber die Reorganisation der roten Streitkräfte an der Front zu sichern, mußte das Hinterland ohne Erbarmen mit eisernem Besen ausgekehrt werden. Der revolutionäre Kriegsrat mit Genossen Stalin an der Spitze schuf eine besondere Tscheka[4] und erteilte ihr den Auftrag, Zarizyn von Konterrevolutionären zu säubern.

Auch Angaben vom Gegner können mitunter von Wert und Interesse sein; so schildert Oberst Nossowitsch (der frühere Leiter der operativen Abteilung der Armee, der uns verraten hatte und zur Armee Krasnows übergelaufen war) jene Zeit und die damalige Rolle Stalins in der weißgardistischen Zeitschrift „Donskaja Wolna“[5] vom 3. Februar 1919 folgendermaßen:

„Stalins Hauptaufgabe bestand in der Versorgung der nördlichen Gouvernements mit Lebensmitteln. Um diese Aufgabe zu erfüllen, verfügte er über unbeschränkte Vollmachten… Die Strecke Grjasi-Zarizyn war endgültig unterbrochen. Für den Norden gab es nur noch einen Weg, Vorräte zu bekommen und die Verbindung aufrechtzuerhalten, das war die Wolga. Auch die Lage im Süden war nach der Einnahme von Tichorezkaja durch die Freiwilligenarmee[6] ziemlich unsicher. Für Stalin aber, der seine Lebensmittel ausschließlich aus dem Gouvernement Stawropol bezog, war mit dieser Konstellation seine Mission im Süden so gut wie beendet. Offenbar gehört es aber nicht zu den Gewohnheiten von Menschen wie Stalin, einmal Begonnenes aufzugeben. Man muß ihn richtig beurteilen und die Energie anerkennen, um die ihn sicher alte Verwaltungsbeamte beneiden könnten; von seiner Fähigkeit, sich der Sache und Situation anzupassen, sollte mancher lernen. Je weniger er zur Erfüllung seines Auftrags tun konnte, genauer gesagt, je mehr sich sein ursprüngliches Aufgabengebiet einengte, desto intensiver vertiefte er sich in alle städtischen Verwaltungsgebiete und in die gewaltigen Aufgaben, die sich insbesondere aus der Verteidigung Zarizyns und allgemein aus der gesamten kaukasischen, sogenannten revolutionären Front ergaben.“

Als Nossowitsch zur Charakterisierung der Lage in Zarizyn kommt, schreibt er noch:

„Die Atmosphäre in Zarizyn hatte sich um diese Zeit verdüstert. Die Arbeit der Tscheka war in vollem Gange. Kein Tag verstrich, ohne daß an den scheinbar geheimsten, zuverlässigsten Stellen eine oder die andere Verschwörung aufflog. Alle Gefängnisse der Stadt waren überfüllt…

Die Kämpfe an der Front erreichten den Höhepunkt…

Seit dem 20. Juli war Stalin die treibende und leitende Kraft. Ein einfaches Ferngespräch auf direkter Leitung mit dem Zentrum darüber, daß die bestehende Aufgabenverteilung innerhalb der Gebietsverwaltung der Sache unzuträglich und hinderlich wäre, hatte zur Folge, daß Moskau über diese direkte Leitung den Befehl erließ, Stalin an die Spitze sowohl der militärischen … wie auch zivilen Verwaltung zu stellen …“

Weiterhin muß aber Nossowitsch selbst zugeben, wie begründet ein so hartes Zufassen war. Er schreibt über die Organisationen der Konterrevolution in Zarizyn folgendes:

„Zu jener Zeit wuchs die örtliche konterrevolutionäre Gruppe, auf deren Programm die konstituierende Versammlung stand, beachtlich an und bereitete sich mit Geldmitteln, die sie aus Moskau erhalten hatte, auf ihr aktives Eingreifen vor, um den Donkosaken bei der Befreiung Zarizyns zu helfen.

Leider waren Ingenieur Alexejew, der aus Moskau eingetroffene Leiter dieser Gruppe, und seine beiden Söhne mit den wirklichen Verhältnissen wenig vertraut. Ein falscher Plan wurde ausgeführt, und zwar sollte das serbische Bataillon, das in bolschewistischen Diensten bei der Tscheka stand, während des Angriffs auf unsere Seite herübergezogen werden; dadurch wurde die gesamte Organisation aufgedeckt.

Stalins Entscheidung war kurz: ‚Erschießen!’ Ingenieur Alexejew und seine beiden Söhne, mit ihnen eine große Anzahl Offiziere, teils Mitglieder der Organisation, teils nur verdächtig, mitbeteiligt gewesen zu sein, wurden von der Tscheka verhaftet und ohne jedes Gerichtsverfahren unverzüglich erschossen.“

Dann kommt Nossowitsch auf die Liquidierung der Etappe (des Stabes und seiner Verwaltungsstellen im Bezirk Nordkaukasus) und ihre Säuberung von „Weißgardisten zu sprechen und schreibt:

„Ein charakteristisches Merkmal bei dieser Aktion war Stalins Stellungnahme zu maßgeblichen Telegrammen vom Zentrum. Beunruhigt über die Auflösung von Bezirksverwaltungen, die er selbst mit soviel Mühe in Gang gebracht hatte, sandte Trotzki ein Telegramm und wies auf die Notwendigkeit hin, Stab und Kommissariat in der früheren Zusammensetzung zu belassen und Handlungsfreiheit zu gewähren. Auf dieses Telegramm machte Stalin den vielsagenden lakonischen Vermerk: ‚Nicht beachten!’. So blieb das Telegramm dann auch unbeachtet; die ganze Artilleriekommandostelle sowie ein Teil der Stabsleitung saß in Zarizyn nach wie vor auf dem Trockenen.“

Das Gesicht Zarizyns war nach kurzer Zeit nicht mehr wiederzuerkennen. Noch eben hatten die Parkanlagen von Musik gedröhnt, die von allen Richtungen hergeflohene Bourgeoisie war in Scharen mit weißgardistischen Offizieren durch die Straßen flaniert. Nun verwandelte sich die Stadt in ein Kriegslager der Roten, wo strengste Ordnung und militärische Disziplin herrschten. Die Konsolidierung der Etappe wirkte sich sofort vorteilhaft auf die Stimmung unserer kämpfenden Truppen an der Front aus. Militärische Führer und politische Kommissare sowie die Masse der Roten Armee begannen die feste leitende revolutionäre Hand zu spüren, die den Kampf im Interesse der Arbeiter und Bauern führte und unbarmherzig strafte, wer sich ihnen bei diesem Kampf in den Weg stellte.

Die Leitung des Genossen Stalin beschränkte sich nicht auf Arbeit am Schreibtisch. Sobald die notwendige Ordnung wiederhergestellt war, die revolutionäre Organisation funktionierte, ging er an die Front. Sie zog sich zur Zeit in einer Länge von mehr als 600 km hin. Man mußte schon Stalin sein und seine hervorragenden Fähigkeiten besitzen, um sich ohne kriegswissenschaftliche Vorkenntnisse, nur mit der eigenen Genialität in den Einzelheiten der betreffenden militärischen Probleme der damals äußerst schwierigen Lage zurechtzufinden.

Ich erinnere mich, als wäre es heute, an Anfang August 1918. Die Offensive der Kosaken-Einheiten Krasnows gegen Zarizyn begann. Mit konzentrisch geführtem Angriff versuchten sie, die roten Regimenter zur Wolga zurückzuwerfen. Viele Tage lang schlugen die roten Truppen mit einer kommunistischen Division an der Spitze, die nur aus Kumpels vom Donbaß bestand, den äußerst starken Ansturm der ausgezeichnet geführten Kosaken-Schwadronen ab. Das waren Tage größter Anspannung. Man muß den Genossen Stalin in diesen Tagen erlebt haben. Er war ruhig wie immer und mit seinen Gedanken beschäftigt, obwohl er Tage und Nächte lang kein Auge zugetan und seine intensive Aufmerksamkeit sowohl auf die Kampflinie wie den Armeestab konzentriert hatte. Die Lage an der Front drohte katastrophal zu werden. Unter dem Kommando Fizchalaurows, Mamontows und anderer drängten die Verbände Krasnows mit wohl angelegten Manövern unsere ermüdeten Truppen immer weiter zurück. Die Verluste waren sehr groß. Die gegnerische Front, die hufeisenförmig sich mit den Flanken auf die Wolga stützte, zog sich von Tag zu Tag mehr zusammen. Es gab kein Entweichen. Darüber machte sich Stalin keine Sorgen. Ihn beseelte nur der eine Wille und der einzige Gedanke, zu siegen, den Feind um jeden Preis zu schlagen. Dieser unbeugsame Wille teilte sich allen Kampfgenossen seiner Umgebung mit. Trotz der fast aussichtslosen Lage zweifelte niemand am Sieg. Und wir haben gesiegt, haben Zarizyn gehalten. Der geschlagene Feind wurde weit an den Don zurückgeworfen.

PERM

Ende 1918 wurde die Lage an der Ostfront verhängnisvoll, besonders im Abschnitt der III. Armee. Sie war gezwungen, Perm aufzugeben. Der Gegner hielt sie im Halbkreis umklammert, und Ende November war sie völlig zersetzt. Sechs Monate ununterbrochener Kämpfe, keine halbwegs zuverlässigen Reserven, ein unsicheres Hinterland, äußerst schlechte Lebensmittelversorgung (die 29. Division hatte bei 35 Grad Frost buchstäblich fünf Tage und Nächte lang ohne Brot und andere Lebensmittel gekämpft), vollkommene Wegelosigkeit bei einer ungeheuer langgezogenen Front (mehr als 400 km), dazu ein ohnmächtiger Stab - und die III. Armee vermochte dem Druck der überlegenen Feindkräfte nicht mehr standzuhalten.

Um das Bild abzurunden, sei noch der massenhafte Verrat der militärischen Führer, ehemaliger Offiziere, erwähnt und das Überlaufen ganzer Regimenter als Folge klassenmäßig schlecht ausgewählter Ersatzmannschaften und gänzlich untauglicher Führung. Unter diesen Verhältnissen zerfiel die III. Armee schließlich und ging ungeordnet zurück. Sie legte in 20 Tagen 300 Kilometer zurück, verlor 18000 Mann, Dutzende von Geschützen, Hunderte von Maschinengewehren usw. Der Feind begann schnell vorzurücken und ernstlich Wjatka und die ganze Ostfront zu bedrohen.

Durch diese Vorgänge sah sich das Zentralkomitee gezwungen, die Ursachen, die zu dieser Katastrophe geführt hatten, festzustellen. Außerdem mußten die Verbände der III. Armee ohne Zögern wiederhergestellt und die Lage vor Perm gefestigt werden. Wen sollte man aber abkommandieren, um diese unsagbar schwierige Aufgabe zu bewältigen? - Lenin telegraphierte dem Revolutionären Kriegsrat[7] der Republik:

„Aus dem Raum von Perm liegt eine Reihe Parteiberichte vor über katastrophale Zustände bei der Armee und Saufgelage. Mir kam der Gedanke, Stalin zu schicken; befürchte nämlich, Smilga wird zu weich sein dafür … es heißt, er trinkt selbst und ist nicht fähig, Ordnung zu schaffen …“

Das Zentralkomitee faßte folgenden Beschluß:

„Zur genauen Untersuchung der Gründe für die Aufgabe Perms und die letzten Niederlagen an der Uralfront sowie zur Klärung aller Begleitumstände der genannten Vorgänge ist ein Untersuchungsausschuß der Partei, bestehend aus den Genossen Dzierzynski und Stalin, einzusetzen. Das ZK stellt dem Ausschuß anheim, alle notwendigen Maßnahmen zu treffen, um die Arbeit in Partei- und Sowjetinstitutionen im gesamten Gebiet der III. und II. Armee schleunigst in Gang zu bringen.“ (Telegramm Swerdlows unter Nr. 000 79.)

Dieser Beschluß klang, als ob die Aufgabe der Genossen Stalin und Dzierzynski auf die „Untersuchung der Gründe für die Aufgabe Perms und die letzten Niederlagen an der Uralfront“ beschränkt wäre. Aber Genosse Stalin legte das Hauptgewicht der „Untersuchung“ auf wirksame Maßnahmen, um die Lage wiederherzustellen und die Front zu festigen.

Gleich im ersten Telegramm an Lenin vom 5. Januar 1919 über die Untersuchungsergebnisse des Ausschusses verliert Stalin kein einziges Wort von „den Gründen der Katastrophe“, sondern kommt sogleich zur Frage, was zu tun sei, um die Armee zu retten.

Hier ist das Telegramm:

„An den Vorsitzenden des Verteidigungsrats, Genossen Lenin

Die Untersuchung hat begonnen. Über ihren Fortgang werden wir laufend berichten. Vorläufig halten wir es für nötig, Ihnen eine für die III. Armee höchst dringliche Angelegenheit vorzutragen. Es handelt sich darum, daß von der III. Armee (über 30000 Mann) nur ungefähr 11000 erschöpfte, schwer mitgenommene Soldaten übriggeblieben sind, die dem Druck des Gegners kaum standhalten. Die vom Oberbefehlshaber geschickten Truppen sind unzuverlässig, zum Teil sogar uns feindlich eingestellt und bedürfen einer ernstlichen Durchsiebung. Um die Reste der III. Armee zu retten und ein schnelles Vorrücken des Gegners nach Wjatka zu verhindern (nach allen vom Frontkommando und von der III. Armee eingegangenen Angaben ist diese Gefahr völlig real), ist es absolut notwendig, unverzüglich wenigstens drei völlig zuverlässige Regimenter aus Rußland herüberzuwerfen und dem Armeebefehlshaber zur Verfügung zu stellen. „Wir bitten nachdrücklich, auf die entsprechenden militärischen Stellen in dieser Richtung einen Druck auszuüben. Wir wiederholen: Ohne eine solche Maßnahme droht Wjatka das Schicksal von Perm, das ist die allgemeine Meinung der zuständigen Genossen, der wir uns auf Grund aller uns vorliegenden Angaben anschließen.

Stalin

F. Dzierynski

5. Januar 1919, Wjatka 8 Uhr abends.“[8]

Erst am 13. Januar 1919 sandte Genosse Stalin zusammen mit dem Genossen Dzierzynski an W.I. Lenin und das Zentralkomitee der Partei seinen „Kurzen Bericht“ darüber, was die Untersuchung der Gründe für die Katastrophe von Perm ergeben hatte. Es lief im allgemeinen auf folgendes hinaus: Kampfmüdigkeit und Desorganisation der Armee im Moment, da der Feind die Offensive begonnen hatte; Mangel an Reserven; Trennung von Stab und Armee; Mißwirtschaft des Armeebefehlshabers; verbrecherisch leichtfertige Art des Revolutionären Kriegsrats der Republik, die Front zu lenken: die widersprechenden Befehle lahmten die Front und beraubten sie der Möglichkeit, der III. Armee rasche Hilfe zu leisten; die Unverläßlichkeit der aus dem Hinterland gesandten Verstärkungen, die auf die Methoden der Rekrutierung zurückzuführen ist, und die völlige Unzuverlässigkeit des Hinterlandes überhaupt, woran gänzliche Hilflosigkeit und Unfähigkeit der Parteiorgane und Sowjetinstitutionen schuld hatten.

Mit der ihm eigenen Raschheit und Sicherheit traf gleichzeitig Genosse Stalin eine ganze Reihe praktischer Maßnahmen, um die Kampffähigkeit der III. Armee wiederherzustellen.

Im Bericht, den die vom Zentralkomitee der Partei und vom Verteidigungsrat eingesetzte Kommission an den Genossen Lenin sandte, heißt es:

„Bis zum 15. Januar wurden 1200 zuverlässige Infanteristen und Kavalleristen an die Front geschickt, einen Tag später zwei Reiterschwadronen; am 20. wurde das 62. Regiment der 3. Brigade (nach vorheriger sorgfältiger Siebung) abgeschickt. Dank diesen Truppen konnte die Offensive des Gegners zum Stehen gebracht, in der III. Armee ein Stimmungsumschwung erzielt und unsere bisher erfolgreiche Offensive auf Perm eingeleitet werden…

Im rückwärtigen Frontgebiet der Armee wird eine durchgreifende Säuberung der Sowjet- und Parteiinstitutionen durchgeführt. In Wjatka und in den Kreisstädten sind revolutionäre Komitees organisiert worden. Die Bildung starker revolutionärer Organisationen im Dorf hat begonnen und wird fortgesetzt. Die gesamte Partei- und Sowjetarbeit wird neu gestaltet. Die militärische Kontrollkörperschaft wurde gesäubert und umgebildet. Die Außerordentliche Kommission des Gouvernements wurde gesäubert und mit neuen Parteifunktionären aufgefüllt. Die Entlastung des Knotenpunkts Wjatka ist in die Wege geleitet.“[9] usw.

Das Ergebnis dieser Maßnahmen war nicht nur, daß der vorrückende Feind zum Stehen gebracht wurde, sondern daß die Ostfront sogar zur Offensive überging und auf dem rechten Flügel Uralsk eingenommen wurde.

Das war die Art, wie Genosse Stalin seine Aufgabe, „die Gründe für die Katastrophe zu untersuchen“, aufgefaßt und erfüllt hatte. Er untersuchte und klärte die Ursachen, behob sie aber auch aus eigener Kraft gleich an Ort und Stelle und führte den nötigen Umschwung herbei.

PETROGRAD

Frühjahr 1919, die weißgardistische Armee General Judenitschs, unterstützt von Weiß-Esten, Weiß-Finnen und der englischen Flotte, ging unerwartet zum Angriff über und bedrohte Petrograd ernstlich. Koltschak hatte ihr die Aufgabe gestellt, „Petrograd zu erobern“, die revolutionären Truppen von der Ostfront wegzulocken und auf sich zu konzentrieren. Die Lage wurde außerdem noch dadurch verschlimmert, weil in der Stadt selbst konterrevolutionäre Verschwörungen entdeckt worden waren. Als Häupter der Verschwörungen hatten sich Militärspezialisten entpuppt, die beim Stab der Westfront, bei der VII. Armee und im Flottenstützpunkt Kronstadt im Dienst standen. Parallel zum Angriff Judenitschs gelang es Bulak-Balachowitsch, einige Erfolge in Richtung Pskow zu erringen. An der Front setzten Verrätereien ein. Einige Regimenter gingen von uns auf die Seite des Gegners über. Die gesamten Besatzungen der Forts „Krasnaja Gorka“ und „Seraja Loschadj“ meuterten gegen die Sowjetregierung. Die Verwirrung griff auf die ganze VII. Armee über, die Front geriet ins Wanken, der Feind näherte sich Petrograd. Die Lage mußte sofort gerettet werden.

Wieder bestimmte das Zentralkomitee für diese Aufgabe den Genossen Stalin.[10] In drei Wochen gelang es ihm, eine Wendung der Dinge herbeizuführen. Ratlosigkeit und Verwirrung bei den Truppenteilen wurden schleunigst beseitigt, bei den Stäben scharf durchgegriffen, immer neue Mobilmachungen der Petrograder Proleten und Kommunisten veranlaßt, Verräter und feindliche Elemente unbarmherzig ausgemerzt. Genosse Stalin griff in die Operationen der militärischen Leitung ein. Genosse Lenin erhielt folgendes Telegramm von ihm:

„Unmittelbar nach Krasnaja Gorka wurde Seraja Loschadj[11] liquidiert. Die Geschütze in ihnen sind in voller Ordnung. Eine eilige Überprüfung aller Forts und Festungen ist im Gange.

Die Marinespezialisten versichern, daß die Einnahme von Krasnaja Gorka von der Seeseite her die Marinewissenschaft über den Haufen wirft. Mir bleibt nichts übrig, als die sogenannte Wissenschaft zu bedauern. Die rasche Einnahme von Gorka erklärt sich durch das rücksichtslose Eingreifen meinerseits und überhaupt der Zivilisten in die operativen Dinge, das so weit ging, daß die Befehle zu Wasser und zu Lande aufgehoben und unsere eigenen aufgezwungen wurden.

Ich halte es für meine Pflicht, zu erklären, daß ich auch weiterhin so handeln werde, trotz all meiner Hochachtung vor der Wissenschaft.

Stalin

16. Juni.“[12]

Sechs Tage später erhielt Genosse Lenin vom Genossen Stalin die Meldung:

„Der Umschwung bei unseren Truppenteilen hat begonnen. Eine Woche lang hatten wir schon keinen einzigen Fall von einzelnem oder gruppenweisen Überlaufen mehr. Zu Tausenden kommen die Fahnenflüchtigen zurück. Die Zahl der Überläufer aus dem Lager des Gegners in unser Lager nimmt ständig zu. In einer Woche sind 400 Mann zu uns übergelaufen, meistens mit Waffen. Am gestrigen Tage begann unser Angriff. Zwar sind die versprochenen Verstärkungen noch nicht eingetroffen, aber wir konnten nicht länger auf der Linie warten, auf der wir stehengeblieben waren - es war zu nahe bei Petrograd. Vorläufig war die Offensive erfolgreich. Die Weißen reißen aus. Wir sind heute bis zur Linie Kernowo- Woronino-Slepino-Kaskowo vorgedrungen. Gefangene wurden gemacht, zwei oder mehr Geschütze, Maschinenpistolen und Munition erbeutet. Feindliche Schiffe haben sich nicht mehr blicken lassen. Sie fürchten sich anscheinend vor „Krasnaja Gorka“, das jetzt ganz in unserer Hand ist. Lassen Sie sofort zu meiner Verfügung zwei Millionen Schuß Gewehrmunition für die 6. Division abschicken…“

Diese beiden Telegramme geben ein gutes Bild von der großen schöpferischen Leistung, die Genosse Stalin vollbracht hat, um die äußerst gefährliche Situation damals vor dem roten Petrograd zu bewältigen. Mit eisernem Willen und genialem Weitblick hat er den Sowjettruppen und den Petrograder Arbeitern geholfen, die Stadt vor dem Zugriff der Räuber zu retten. Die Interventionsarmee Judenitschs wurde geschlagen und der Plan der Entente, Petrograd zu besetzen, zunichte gemacht.

DIE SÜDFRONT

Der Herbst des Jahres 1919 ist allen im Gedächtnis geblieben. Der entscheidende Wendepunkt im ganzen Bürgerkrieg war gekommen. Die weißen Horden Denikins, die von den „Alliierten“ unterhalten und von ihren Stäben beraten wurden, näherten sich Orjol. Unsere ganze riesige Südfront rollte in langsamen Wellen zurück. Im Land selbst war die Lage nicht minder schwer. Die Schwierigkeiten in der Lebensmittelversorgung spitzten sich zu. Infolge des Brennstoffmangels stand die Industrie still. Im Hinterland, sogar in Moskau, begannen sich konterrevolutionäre Elemente zu regen. Tula war bedroht. Auch über Moskau schwebte die Gefahr.

Die Lage mußte gerettet werden. Und Genosse Stalin als Mitglied des Revolutionären Kriegsrats wurde vom Zentralkomitee auch an die Südfront geschickt.

Nunmehr besteht keine Notwendigkeit, zu verschweigen, daß er vor seiner Ernennung dem Zentralkomitee drei Hauptbedingungen gestellt hatte:

  1. Trotzki darf sich nicht in Angelegenheiten der Südfront einmischen und ihre Grenzen nicht überschreiten.
  2. Aus der Leitung der Südfront ist unverzüglich eine Reihe führender Funktionäre abzuberufen, die Genosse Stalin für unfähig hält, die Kampfmoral bei den Truppen wiederherzustellen.
  3. An die Südfront sind neue, von Stalin selbst ausgewählte Mitarbeiter abzukommandieren, die diese Aufgaben lösen können.

Diese Bedingungen waren in vollem Umfange angenommen worden.

Um aber diesen gewaltigen Koloß, den man Südfront nannte (von der Wolga bis zur polnisch-ukrainischen Grenze), mit ihrem Bestand an Hunderttausenden von Kämpfern zu meistern, bedurfte es eines strategischen Planes, einer klar formulierten Aufgabe. Diese Aufgabe hätte man dann der Front zum Ziel setzen und nach Umgruppierungen und durch Konzentrierung der besten Kräfte auf die Hauptstoßrichtungen einen Schlag gegen den Feind führen können.

Die Lage an der Front, die Genosse Stalin vorfand, war schwierig und unübersichtlich. Im Hauptabschnitt Kursk-Orjol-Tula wurden wir geschlagen. Der östliche Flügel trat hilflos auf der Stelle. Was operative strategische Richtlinien anging, so wurde ihm der alte Plan vom September vorgelegt, wonach der linke Flügel den Hauptschlag von Zarizyn aus auf Noworossisk durch die Donsteppen führen sollte.

Sobald er sich mit der Lage vertraut gemacht hatte, fällte er rasch eine Entscheidung. Den alten Plan lehnte er kategorisch ab. Die eigenen, neuen Vorschläge unterbreitete er Lenin in einem Brief, der für sich selbst spricht.

Dieses Schreiben ist so interessant und aufschlußreich für das strategische Talent des Genossen Stalin, so kennzeichnend für ihn in seiner klaren Problemstellung, daß wir es für nützlich halten, es im vollen Wortlaut wiederzugeben.

„Genosse Lenin !

Vor etwa zwei Monaten hatte der Oberbefehlshaber prinzipiell nichts dagegen einzuwenden, daß der Hauptschlag vom Westen nach dem Osten über das Donezbecken geführt werde. Wenn er sich trotzdem zu einem solchen Schlag nicht entschloß, so deshalb, weil er sich auf das nach dem Sommerrückzug der Südtruppen verbliebene ‚Erbe’ berief, das heißt, auf die spontan zustande gekommene Truppengruppierung im Gebiet der jetzigen Südostfront, deren (der Gruppierung) Umgliederung einen großen Zeitverlust zum Vorteil Denikins nach sich gezogen hätte … Jetzt hat sich jedoch die Lage und die mit ihr verbundene Kräftegruppierung grundlegend geändert: Die VIII. Armee (die Hauptkraft an der früheren Südfront) ist in das Gebiet der Südfront gerückt und blickt direkt auf das Donezbecken; das Reiterkorps Budjonnys (die andere Hauptkraft) ist ebenfalls in das Gebiet der Südfront gerückt; eine neue Kraft ist hinzugekommen, die lettische Division, die in einem Monat, wenn sie aufgefrischt sein wird, für Denikin erneut eine drohende Macht darstellen wird … Was veranlaßt nun den Oberbefehlshaber (das Hauptquartier), an dem alten Plan festzuhalten? Offenbar einzig und allein Starrköpfigkeit und, wenn man so will - eine fraktionelle Einstellung, die bornierteste und für die Republik gefährlichste fraktionelle Einstellung, in der der Oberbefehlshaber von dem ‚strategischen’ Streithähnchen Gusjew bestärkt wird. Dieser Tage erteilte der Oberbefehlshaber an Schorin die Direktive, die Offensive gegen Noworossisk aus dem Bezirk Zarizyn durch die Donsteppen auf einer Linie zu unternehmen, die für unsere Flieger vielleicht geeignet ist, auf der unsere Infanterie und Artillerie jedoch ganz unmöglich vorwärtskommen können. Man braucht nicht erst zu beweisen, daß dieser irrsinnige (geplante) Feldzug in einer uns feindlichen Umgebung, angesichts der völligen Wegelosigkeit, uns mit völligem Zusammenbruch bedroht. Es ist nicht schwer zu begreifen: Dieser Feldzug gegen Kosakenstanizas ist, wie das vor kurzem die Praxis gezeigt hat, nur geeignet, die Kosaken zur Verteidigung ihrer Stanizas gegen uns um Denikin zusammenzuschließen, nur geeignet, Denikin als Retter des Dons hinzustellen, nur geeignet, eine Kosakenarmee für Denikin zu schaffen, das heißt, nur geeignet, Denikin zu stärken.

Eben darum muß sofort, ohne jeden Zeitverlust, der schon durch die Praxis abgetane alte Plan geändert und durch einen Plan ersetzt werden, nach dem der Hauptschlag aus dem Bezirk Woronesh über Charkow und das Donezbecken auf Rostow geführt wird. Erstens werden wir hier keine uns feindliche, sondern im Gegenteil eine mit uns sympathisierende Umgebung haben, was unser Vorrücken erleichtern wird. Zweitens bekommen wir das äußerst wichtige Eisenbahnnetz (im Donezgebiet) und die Hauptnachschubader für die Denikinarmee, die Strecke Woronesh-Rostow, in die Hand… Drittens spalten wir durch dieses Vorrücken die Denikinarmee in zwei Teile, von denen wir die Freiwilligenarmee Machno zum Fraß überlassen, die Kosakenarmeen aber der Gefahr der Umgehung aussetzen. Viertens erhalten wir die Möglichkeit, die Kosaken mit Denikin zu verfeinden, der (Denikin) im Fall unseres erfolgreichen Vorrückens bemüht sein wird, die Kosakentruppen nach dem Westen zu werfen, worauf die Mehrheit der Kosaken nicht eingehen wird … Fünftens bekommen wir Kohle, Denikin aber bleibt ohne Kohle.

Mit der Annahme dieses Planes darf nicht gezögert werden - Kurzum: Der alte, vom Leben bereits abgetane Plan darf auf keinen Fall künstlich aufrechterhalten werden - das wäre gefährlich für die Republik, das würde bestimmt die Lage Denikins erleichtern. Er muß durch einen anderen Plan ersetzt werden. Die Umstände und Bedingungen dafür sind nicht nur herangereift, sondern sie diktieren auch gebieterisch eine solche Ersetzung … Andernfalls wird meine Arbeit an der Südfront sinnlos, verbrecherisch, unnötig, was mir das Recht gibt oder, richtiger, mich verpflichtet, sonstwohin zu gehen, und sei es zum Teufel, nur nicht an der Südfront zu bleiben.

Ihr Stalin

Serpuchow, 15. Oktober 1919.“[13]

Jeder Kommentar zu diesem Dokument ist überflüssig. Beachtenswert aber ist der Maßstab, den Genosse Stalin anlegt, um die kürzere Operationslinie zu ermitteln. Die gewöhnliche Arithmetik ist im Bürgerkrieg oft ungenügend und ergibt Fehler. So könnte sich der Weg von Zarizyn nach Noworossisk als bedeutend länger erweisen, weil er durch eine klassenmäßig feindliche Umgebung führte. Während umgekehrt der Weg von Tula nach Noworossisk bedeutend kürzer wäre, weil er durch die Arbeiterstadt Charkow und den Donbaß der Kumpels liefe. In dieser Einschätzung der Hauptlinien zeigen sich die grundlegenden Eigenschaften des Genossen Stalin als proletarischer Revolutionär und wahrer Bürgerkriegsstratege.

Sein Plan wurde vom Zentralkomitee angenommen. Lenin schrieb eigenhändig den Befehl an den Stab zur sofortigen Änderung der Direktive, die sich überlebt hatte. Der Hauptschlag wurde von der Südfront in Richtung Charkow-Donbaß-Rostow geführt. Das Ergebnis ist bekannt. Es war der Wendepunkt des Bürgerkrieges. Denikins Horden wurden ins Schwarze Meer geworfen. Die Ukraine und der Nordkaukasus waren von den Weißgardisten befreit. An all dem hatte Genosse Stalin großes Verdienst.

Man muß noch ein anderes geschichtlich sehr wichtiges Moment erwähnen, das mit der Anwesenheit des Genossen Stalin an der Südfront im Zusammenhang steht. Es ist die Reiterarmee, an deren Aufstellung ich denke, der erste Versuch, Kavallerie-Divisionen zu einem so großen Verband wie einer Armee zusammenzufassen. Stalin erkannte die Macht, die die Kavallerie im Bürgerkrieg besaß. Er sah in der Praxis, welch ungeheure Bedeutung sie bei einem Vernichtungsmanöver hatte. Aber niemand verfügte aus der Vergangenheit über besondere Erfahrungen, wie eine Reiterarmee operierte. Auch in kriegswissenschaftlichen Werken stand nichts darüber geschrieben. So traf diese Maßnahme entweder auf Verständnislosigkeit oder direkten Widerstand. Aber so war Stalin nun einmal: war er von der Nützlichkeit und Richtigkeit seines Planes überzeugt, so setzte er seine Verwirklichung trotz aller Widerstände konsequent durch. Am 11. November erhielt also der Revolutionäre Kriegsrat der Republik vom Revolutionären Kriegsrat der Südfront folgende Mitteilung:

„An den Revolutionären Kriegsrat der Republik. Angesichts der gegenwärtigen Lage hat der Revolutionäre Kriegsrat der Südfront in seiner Sitzung vom 11. November d.J. beschlossen, eine Reiterarmee aufzustellen, bestehend aus dem 1. und 2. Kavalleriekorps und einer Schützenbrigade (eine zweite Brigade ist später einzugliedern).

Zusammensetzung des Revolutionären Kriegsrats der Reiterarmee: Armeebefehlshaber: Genosse Budjonny

weitere Mitglieder: die Genossen Woroschilow und Stschadenko.

Betrifft: Beschluß des Revolutionären Kriegsrats der Südfront vom 11. November 1919, Nr. 505/a.

Das Obengenannte bitten wir zu bestätigen.“

Die Reiterarmee wurde gegen den Willen Trotzkis geschaffen. Die Initiative gehörte dem Genossen Stalin. Er hatte die Notwendigkeit einer solchen Formation klar vor Augen. Die geschichtlichen Folgen dieses Schrittes sind allen wohlbekannt. Eine andere charakteristische Methode des Genossen Stalin prägte sich an der Südfront ganz deutlich aus: das Operieren mit Stoßtruppen. Nachdem die Hauptrichtung des Stoßes bestimmt war, wurden die besten Verbände konzentriert und der Feind geschlagen. In dieser Hinsicht, besonders auch in der Bestimmung der Stoßrichtung, brachte er es zu großer Kunst.

Nachdem Denikin geschlagen war, stand die Autorität Stalins als eines erstrangigen Heeresorganisators und militärischen Führers unbestritten fest. Als durch grobe Fehler der Frontleitung im Januar 1920 unsere Offensive ins Stocken geriet und aufs neue die Gefahr bestand, daß die wieder zu Atem gekommenen Weißgardisten unsere früheren Siege zunichte machten, da sandte das Zentralkomitee folgendes Telegramm an Stalin:

„In Anbetracht der Notwendigkeit, eine wirklich einheitliche Führung an der Kaukasusfront herzustellen, die Autorität des Frontbefehlshabers und des Armeebefehlshabers zu stärken und die örtlichen Mittel und Kräfte im weitesten Umfang auszunutzen, hat das Politbüro des Zentralkomitees Ihre sofortige Versetzung zum Revolutionären Kriegsrat der Kaukasusfront für unbedingt nötig erachtet. Teilen Sie mit, wann Sie die Reise nach Rostow antreten.“

Genosse Stalin fügte sich, obgleich er der Ansicht war, daß man ihn seines Gesundheitszustandes wegen an Ort und Stelle hätte belassen sollen. Er war auch besorgt darüber, die örtlichen Parteiorgane könnten aus Unkenntnis der ZK-Beschlüsse seinen häufigen Tätigkeitswechsel falsch verstehen und geneigt sein, ihn eines „leichtfertigen Hin- und Herspringens von einem Verwaltungsgebiet zum anderen“[14] zu bezichtigen.

Das Zentralkomitee gab ihm recht, und Lenin telegraphierte am 10. Februar an ihn:

„Ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß … auch ohne Ihre Versetzung sich alles wieder einrenkt.“

Als aber Wrangel den Feldzug gegen die Weißpolen ausnutzte und aus der Krim hervorbrach und damit erneut eine furchtbare Bedrohung des befreiten Donbaß und des Südens überhaupt schuf, da faßte das Zentralkomitee folgenden Beschluß (2. August 1920):

„In Anbetracht der Erfolge Wrangels und der Unsicherheit des Kubans muß die Wrangel-Front in ihrer großen völlig selbständigen Bedeutung als gesonderte Front angesehen werden. Genosse Stalin ist zu beauftragen, einen Revolutionären Kriegsrat zu bilden und seine Kraft ganz auf die Wrangel-Front zu konzentrieren …“

Am gleichen Tage schrieb Lenin an Stalin:

„Soeben haben wir im Politbüro die Aufteilung der Fronten vorgenommen, damit Sie sich ausschließlich mit Wrangel beschäftigen …“

Genosse Stalin formierte eine neue Front und entwarf einen Plan zur Vernichtung Wrangels. Der Operationsplan von Frunse beruhte auf Stalins eisernem Willen und strategischem Talent. Wrangel wurde vernichtet.

Im Feldzug gegen die Weißpolen[15] war Genosse Stalin Mitglied des Revolutionären Kriegsrats der Südwestfront. Die Vernichtung der polnischen Armeen, die Befreiung Kiews und der Ukraine rechts vom Dnepr, der tiefe Einbruch nach Galizien und die Organisierung des berühmten Zuges der I. Reiterarmee (der Schöpfung Stalins) - das alles sind Folgen seiner wendigen, vollendeten Führung.

Die gesamte polnische Front in der Ukraine wurde aufgerollt, die III. polnische Armee bei Kiew fast völlig vernichtet. Dazu kamen die tödlichen Schläge in Richtung Berditschew und Shitomir und das Vordringen der I. Reiterarmee auf Rowno zu. Dadurch bekam auch unsere Westfront Gelegenheit, zur allgemeinen Offensive überzugehen. Die darauf folgenden Operationen der Südwestfront brachten unsere Truppen direkt vor Lwow, das in der Tat nur noch 10 Kilometer entfernt war. Allein der Mißerfolg vor „Warschau infolge der verräterischen Befehle Trotzkis und seiner Anhänger im Generalstab der Roten Armee vereitelte die Absichten der Reiterarmee, die sich schon zum Angriff auf Lwow bereit machte.

Dieser Zeitabschnitt ist aber so ereignisreich und bedarf einer so sorgfältigen Analyse und dokumentarischen Beweisführung, daß es weit über den Rahmen dieses Aufsatzes hinausginge.

An Hand dieser kurzen Schilderung seiner militärischen Tätigkeit lassen sich nicht einmal die grundlegenden Eigenschaften eingehend darlegen, die den Genossen Stalin als militärischen Führer und proletarischen Revolutionär auszeichnen. Am augenfälligsten ist seine Fähigkeit, eine konkrete Situation sofort zu erfassen und dementsprechend zu handeln. Er zögerte niemals, als erbitterter Gegner von Laschheit, Undiszipliniertheit und Partisanentum[16], die Verantwortung für äußerste Maßnahmen und radikales Durchgreifen auf sich zu nehmen, falls die Interessen der Revolution es verlangten. Wo die revolutionäre Lage es erforderte, war er bereit, sich über manche Dienstvorschriften und manche Subordination[17] hinwegzusetzen.

Trotzdem war er stets Anhänger strengster militärischer Disziplin und Zentralisierung, jedoch nur unter der unbedingten Voraussetzung, daß von Seiten der höchsten militärischen Befehlshaber eine überlegte, konsequente Führung ausging. Im bereits angeführten Bericht der Kommission des Zentralkomitees und des Verteidigungsrats an den Genossen Lenin vom 3I.Januar 1919 schrieb Genosse Stalin zusammen mit dem Genossen Dzierzynski:

„Die Armee kann nicht als eine auf sich selbst gestellte, völlig autonome Einheit operieren, sie ist in ihren Operationen ganz und gar von den Nachbararmeen und vor allem von den Direktiven des Revolutionären Kriegsrats der Republik abhängig: die kampffähigste Armee kann unter sonst gleichen Bedingungen zusammenbrechen, wenn die Direktiven des Zentrums nicht richtig sind und kein wirklicher Kontakt mit den Nachbararmeen vorhanden ist. An den Fronten und vor allem an der Ostfront muß ein System hergestellt werden, das eine strenge Zentralisierung der Operationen der einzelnen Armeen gewährleistet, damit eine bestimmte, ernstlich durchdachte strategische Direktive verwirklicht wird. Die Willkür oder die Unüberlegtheit bei der Festlegung der Direktiven ohne ernstliche Berücksichtigung aller Momente und der hieraus entspringende schnelle Wechsel der Direktiven sowie die Unbestimmtheit der Direktiven selbst, wie es der Revolutionäre Kriegsrat der Republik zuläßt, machen eine Führung der Armeen unmöglich, haben eine Vergeudung von Kräften und Zeit zur Folge und desorganisieren die Front.“[18]

Genosse Stalin bestand stets darauf, für die Erfüllung eines Auftrages auch persönlich verantwortlich zu gelten, „bürokratisches Durcheinander“ war ihm physisch unerträglich.

Viel Aufmerksamkeit widmete er der Versorgung der Truppen. Er wußte, was gute Verpflegung und warme Kleidung für den Rotarmisten bedeuteten. In Zarizyn, in Perm und an der Südfront schreckte er vor keinem Mittel zurück, um die Truppe mit Proviant zu versorgen und sie dadurch kräftiger und widerstandsfähiger zu machen.

Genosse Stalin vereint in sich die typischen Merkmale des proletarischen Klassenkämpfers. Die klassenmäßige Zusammensetzung der Armee war ihm sehr wichtig, es sollten ihr tatsächlich Arbeiter und Bauern angehören, die „keine fremde Arbeit ausbeuten“. Er maß der politischen Erziehung der Armee große Bedeutung bei. Wiederholt regte er an, Kommunisten zu mobilisieren, und zwar hielt er es für unbedingt notwendig, daß ein bedeutender Prozentsatz als gemeine Soldaten kämpfte. Bei der Wahl der Kriegskommissare stellte er hohe Anforderungen. Das damalige Allrussische Büro für Kriegskommissare bekam von ihm wegen Entsendung „Grüner Jungens“ scharfe Kritik zu hören. Er sagte:

„Die Kriegskommissare müssen die Seele des militärischen Unternehmens sein und die Spezialisten mitreißen.“[19]

Auch dem politischen Zustand im Rücken der Armee maß er große Bedeutung bei. Im Bericht der Kommission des Zentralkomitees und des Verteidigungsrats an den Genossen Lenin schrieben er und Genosse Dzierzynski:

„Der wunde Punkt für unsere Armeen ist die ungefestigte Lage des rückwärtigen Gebiets, die hauptsächlich daraus zu erklären ist, daß die Parteiarbeit daniederliegt, daß die Deputiertensowjets es nicht verstehen, die Direktiven des Zentrums zu verwirklichen, daß die örtlichen Außerordentlichen Kommissionen sich in einer außergewöhnlichen Lage befinden (fast isoliert sind).“[20]

Außergewöhnlich streng ging Genosse Stalin bei der Wahl von Menschen vor. Ohne Rücksicht auf ihren Rang, tatsächlich „ohne Ansehen der Person“, setzte er ohne Gnade unfähige Spezialisten, Kommissare, Partei- und Sowjetfunktionäre ab. Auf der anderen Seite aber trat er stets wie kein zweiter für jeden ein, der seiner Ansicht nach das Vertrauen gerechtfertigt hatte, das die Revolution in ihn setzte. Verdiente rote Kommandeure, die er persönlich kannte, behandelte er in diesem Sinne. Als Genosse Parchomenko, der spätere Oberbefehlshaber der 14. Kavalleriedivision, der nachher im Kampf gegen die Machnobanden fiel, ein wirklicher proletarischer Held des Bürgerkrieges, Anfang 1920 infolge eines Mißverständnisses zur höchsten Strafe verurteilt wurde, verlangte Genosse Stalin, als er davon erfuhr, seine sofortige bedingungslose Freilassung. Solche und ähnliche Beispiele lassen sich in großer Zahl anführen. Wie kaum ein anderer Mensch von überragendem Format schätzte und ehrte er die Funktionäre, die ihr Leben der proletarischen Revolution widmeten. Das wußten nicht nur die Befehlshaber, das wußten alle, die Gelegenheit hatten, unter seiner Führung für unsere Sache zu kämpfen.

Das war Genosse Stalin während des Bürgerkrieges. Er blieb derselbe in all den folgenden Jahren, in denen der Kampf um den Sozialismus weiterging.

Der Bürgerkrieg verlangte Anspannung aller Kraft, der Energie, des Willens und des Geistes. Genosse Stalin widmete sich völlig seiner Aufgabe. Andererseits sammelte er aber im Bürgerkrieg viele Erfahrungen für die spätere Arbeit.

Der Bürgerkrieg brachte seine große Begabung zum revolutionären Strategen zur Geltung. Unter den schwierigsten Verhältnissen, die ganz verschieden voneinander lagen, vermochte er stets die Richtung zu bestimmen, in der der Hauptstoß zu führen war. Seine geschickt durchgeführten taktischen Maßnahmen erreichten immer ihr gewünschtes Ziel. Derselbe proletarische Stratege und Taktiker blieb er nach Beendigung des Bürgerkrieges. Die Partei kennt ihn als solchen gut.

Ein unschätzbares Verdienst hat sich Genosse Stalin vor unserer Heimat erworben, indem er rechtzeitig die Pläne der feindlichen Agentur in unserem Land durchschaute, jener Trotzkisten, Bucharinleute und anderer Verräter, Schädlinge und Agenten der Bourgeoisie. Diese Feinde des Volkes bemühten sich, die wirtschaftliche und militärische Macht unseres Landes zu untergraben und für den Kriegsfall eine günstige Lage für die Imperialisten zu schaffen. Dank dem Genossen Stalin vermochten die bolschewistische Partei und das sowjetische Volk den Feind aufs Korn zu nehmen, um ihn zu vernichten. Das war von großem Wert für den erfolgreichen Aufbau des Sozialismus und die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit in der UdSSR. Die Vernichtung der Volksfeinde war gleichbedeutend mit dem Gewinnen einer großen Schlacht.

Formell gehört zwar Genosse Stalin seit dem Bürgerkrieg dem Militär nicht mehr an. Dennoch haben die Fragen der Verteidigung des Sowjetstaates niemals aufgehört ihn sehr zu beschäftigen. Wie in den Jahren des Bürgerkrieges kennt er die Rote Armee genau und ist ihr nächster und bester Freund.


FUSSNOTEN

  1. Der Sitz der Sowjetregierung befand sich in Moskau. (Die Red.)

  2. J.W. Stalin, Werke, Dietz Verlag, Berlin 1951, Band 4, S. 102.

  3. W. I. Lenin , Werke, Band 27, 4. Ausgabe, S. 492 (russ.).

  4. Russische Abkürzung für „Außerordentliche Kommission“. (Die Red.)

  5. „Donwelle“

  6. Die weißgardistische Freiwilligenarmee wurde von den konterrevolutionären Generalen Kornilow, Alexejew und Denikin mit Unterstützung der englischen und französischen Imperialisten aufgestellt. (Die Red.)

  7. In einigen Obersetzungen auch „Revolutionäres Militärkomitee“ genannt. (Die Red.)

  8. W. Stalin, Werke, Band 4, S. 163.

  9. Ebenda, S. 196.

  10. Am 19. Mai 1919 traf J.W. Stalin in Petrograd ein. (Die Red.)

  11. Krasnaja Gorka und Seraja Loschadj (Roter Hügel und Grauschimmel) - Forts vor Petrograd. Am 13. Juni 1919 begann die Garnison dieser Forts, die der konterrevolutionären Agitation der mit Sozialrevolutionären und Menschewiki verbundenen Weißgardisten erlegen war, eine Meuterei gegen die Sowjetmacht. Auf Befehl J.W. Stalins gingen am 13. Juni die Schiffe der Baltischen Flotte zu Operationen gegen die Meuterer in See. Gleichzeitig wurde in Oranienbaum eine Gruppe von Küstentruppen formiert, deren Kern Matrosenabteilungen bildeten. Am 14. Juni traf J.W. Stalin in Oranienbaum ein und führte eine Beratung von Vertretern der Kommandostellen der Marine und der Landtruppen, der Kommandeure und Kommissare der Abteilungen und Truppenteile durch. Auf der Beratung wurde der von J.W. Stalin vorgeschlagene Plan angenommen, Krasnaja Gorka durch einen gleichzeitigen Schlag von der Seeseite und vom Lande her einzunehmen. Unter unmittelbarer Führung J.W. Stalins, der sich in der Kampflinie befand, führten die Küstengruppe und andere Truppenteile mit Unterstützung der Schiffe der Baltischen Flotte am 15. Juni den Angriff durch. Nach der Zerschlagung der Meuterer im Vorfeld von Krasnaja Gorka nahmen die Sowjettruppen am 16. Juni um 0.30 Uhr das Fort ein. Einige Stunden später wurde auch das Fort Seraja Loschadj eingenommen. Aus: J.W. Stalin, Werke, Band 4, S. 379 f. (Die Red.)

  12. Ebenda, S. 231.

  13. Ebenda, S. 243 f.

  14. Telegramm des Genossen Stalin vom 7. Februar 1920.

  15. „Nach einem Ausdruck Lenin s waren das von den Baronen beherrschte Polen und Wrangel die beiden Arme des internationalen Imperialismus, mit denen er das Sowjetland zu erdrosseln versuchte.“ Geschichte der KPdSU(B), Kurzer Lehrgang, Dietz Verlag, Berlin 1950, S. 300. (Die Red.)

  16. Unter dem Begriff Partisanentum ist hier die Führung des Kampfes mit irregulären Truppen ohne eiserne Disziplin und militärische Spezialisten zu verstehen, wie sie von der sogenannten „militärischen Opposition“ auf dem VIII. Parteitag der KPR (B) verfochten wurde. Vgl. auch „Geschichte der KPdSU (B) Kurzer Lehrgang“, Dietz Verlag, Berlin 1950, S. 293 f. (Die Red.) * Unterordnung, Dienstgehorsam. (Die Red.)

  17. Unterordnung, Dienstgehorsam. (Die Red.)

  18. J.W. Stalin, Werke, Band 4, S. 186 f.

  19. Telegramm aus Zarizyn, 1918.

  20. J.W. Stalin, Werke, Band 4, S. 190.

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