K.J. WOROSCHILOW

STALIN UND DER AUFBAU DER ROTEN ARMEE

ZUM 60. GEBURTSTAG DES GENOSSEN STALIN GESCHRIEBEN

1939

Der 60. Geburtstag des großen Stalin wird heute von der Roten Armee zusammen mit der Partei der Bolschewiki und mit allen Völkern der Sowjetunion gefeiert.

Stalin verkörpert nicht nur den Bolschewismus und die Sowjetmacht. Stalin ist der Name des siegreichen Sozialismus. Sein Name begeistert unser Volk zu Heldentum, schöpferischer Arbeit und Kühnheit, sein Name ist Hoffnung, Erwartung und Zukunftsaussicht für die Werktätigen der ganzen Welt. Stalin ist ein Name von internationaler Geltung geworden, ein Banner des Kampfes um der Menschheit hohe Ideale.

Stalins Name steht außerdem für die Rote Armee. Die bewaffnete Verteidigung des siegreichen Sozialismus, der Aufbau der Roten Armee der Sowjetunion, ihre Geschichte, Kraft und Macht, ihre enggefügten stählernen Glieder, ihre technische Ausrüstung, ihre heldenhaften Kader - unlösbar ist alles mit seinem Namen verknüpft.

Geschichte und Aufbau der Streitkräfte der Sowjetunion lassen sich unmöglich von Stalin trennen. Unmöglich läßt sich von Stalin sprechen oder schreiben, ohne von der heldenhaften Geschichte und den heroischen Kämpfen der Roten Armee zu schreiben oder zu sprechen. Unmöglich läßt sich von der Roten Armee sprechen oder schreiben, ohne von Stalin zu schreiben oder zu sprechen: in enger Verbundenheit mit Lenin schmiedete er ihre Grundsätze vom ersten Moment ihres Entstehens an.

Deshalb grüßen heute, da unser ganzes Land, in großer Liebe und Verehrung geeint, das Geburtsjubiläum des Genossen Stalin feiert, alle Rotarmisten, Kommandeure, Kommissare, politischen Funktionäre und alle Menschen, die zu den Streitkräften des Sowjetlandes gehören, voller Dankbarkeit und Freude ihren großen Stalin.

Über Stalin als Gründer der Roten Armee, der sie begeisterte und ihre Siege vorbereitete, über den Urheber der Gesetze von Strategie und Taktik der proletarischen Revolution werden viele Bücher geschrieben werden. Wir, seine Zeitgenossen und Mitkämpfer, können von seiner gewaltigen und erfolgreichen militärischen Tätigkeit nur eine Skizze geben.

Schon lange vor der ersten russischen Revolution im Jahre 1905 war Stalin als Marxist und Lenin ist eine führende Persönlichkeit in den transkaukasischen bolschewistischen Parteiorganisationen. Schon damals kämpfte er als wahrer Marxist und Bolschewik mit der ganzen Leidenschaft eines wirklichen Lenin isten für die Realisierung des grundlegenden Prinzips der bolschewistischen Partei - des bewaffneten Aufstandes. Nur ein wahrer Bolschewik und Lenin ist, nur der zukünftige Organisator und Stratege der siegreichen proletarischen Revolution, nur ein Stalin konnte schon im Jahre 1905, als die Aktion, Arbeiterwehren zum bewaffneten Aufstand zu schaffen, gerade erst begann, angesichts des rasenden Widerstandes und der Gegenaktionen der Menschewiki sagen:

„Welche Revolution kann ohne Waffen siegen? Was ist das für ein Revolutionär, der da sagt: ‚Nieder mit den Waffen!’ Wer das sagt, ist sicherlich ein Tolstoianer, aber kein Revolutionär. Aber was er auch sein mag, er ist ein Feind der Revolution und der Freiheit des Volkes…

Was brauchen wir, um wirklich zu siegen? Dazu sind drei Dinge nötig: das erste, was wir brauchen, ist Bewaffnung, das zweite - Bewaffnung, das dritte - Bewaffnung und noch einmal Bewaffnung.“[1]

Schon 1917, während der bürgerlich-demokratischen Februarrevolution, hatte Lenin einen hervorragenden Organisator für die Streitkräfte des Proletariats und der werktätigen Bauernmassen in der Person des Genossen Stalin.

Mit äußerster Sorgfalt und fester Hand bereitete er mit Lenin den bewaffneten Oktobersturm vor, war unmittelbar an der Leitung aller Operationen des gigantischen Umsturzes beteiligt, sandte die einzelnen Abteilungen an die von Lenin vorgesehenen Kampfschauplätze, kam den Manövern des Klassenfeindes zuvor und versetzte ihm die vernichtenden, tödlichen Schläge. Als in den Hunger- und Elendsjahren des Bürgerkrieges der Klassenkampf seinen Höhepunkt erreichte, als Ausrüstung und sonstige materielle Basis fast völlig fehlten und die russische Arbeiterklasse an einem Punkt furchtbarer Kampfesmüdigkeit angelangt war, während die Konterrevolution im Lande von der internationalen imperialistischen Bourgeoisie weitgehend unterstützt wurde, da legte Genosse Stalin zusammen mit Lenin , dessen rechte Hand er war, mit der Stalinschen Planmäßigkeit Stein für Stein das Fundament für die Rote Armee und schmiedete ihre Kader zur bewaffneten Verteidigung des Sozialismus fest zusammen.

In diesem ruhmreichen Abschnitt der Geschichte besteht das große Verdienst unseres Stalin besonders darin, daß er die organisierte Streitmacht, die Armee, mit festem Griff mitten im Kampf um den Sieg geschaffen hat. Den Kampf selbst, der im Interesse des Sieges eine straff organisierte militärische Macht erforderte, nutzte Stalin mit souveräner Beherrschung als organisierenden, schöpferischen Faktor aus.

Die Blätter der heldenhaften Geschichte unserer Revolution, die dem Bürgerkrieg gewidmet sind, werden als Schöpfer und Organisator der Streitkräfte des siegreichen Sozialismus in goldenen Buchstaben Stalins Namen tragen.

„…Entweder bringen wir es fertig, eine streng disziplinierte, reguläre, wirkliche Arbeiter- und Bauernarmee zu schaffen, und behaupten die Republik, oder wir bringen das nicht fertig, und dann ist unsere Sache zugrunde gerichtet“[2], sagte Stalin auf dem VIII. Parteitag der KPR(B).

Diese Worte sind im März 1919 gesprochen worden, als die tobende Konterrevolution ihren Kulminationspunkt noch nicht erreicht hatte, als die Koltschak, Denikin, Judenitsch, von der imperialistischen Bourgeoisie Englands, Frankreichs, Amerikas, Japans und anderer Länder freigebig mit Gold unterstützt, mit ihren Horden vom Osten und Westen, vom Süden und Norden auf den Mittelpunkt der proletarischen Revolution zukrochen, auf ihr Herz - auf Moskau.

Stalin selbst hat sein Urteil abgegeben, in welchem Zustand die Rote Armee zu damaliger Zeit war, und die Aussichten umrissen, wie eine wirkliche, disziplinierte Rote Armee der Arbeiter und Bauern beschaffen sein müßte, um all die vielen, von der zaristischen Generalität geführten Heere der Konterrevolution zu schlagen.

Solche Armee haben wir geschaffen. Wir haben sie geschaffen, weil Lenin und Stalin persönlich diese für damalige Zeit so schwierige Aufgabe gemeinsam in Angriff nahmen und mit titanischer Energie zu Ende führten.

Stalins mächtiger Wille, die Stalinsche stahlharte Hand, seine außerordentliche Kaltblütigkeit und Unerschütterlichkeit in allen Situationen, die hohen Anforderungen, die er an sich und seine Umgebung stellte und die sich mit ungewöhnlicher Sorge um den Menschen paarten - all dies begeisterte Mannschaften, militärische Führer, Kommissare und politische Funktionäre zu Heldenmut und ruhmvollen Taten. Und die Rote Armee siegte, wuchs und erstarkte durch das Siegen und formte sich zu der unüberwindlichen Streitmacht, die das Sowjetland vor allen seinen Feinden schützt.

Man hat Stalin aus diesem Grunde mit den großen Feldherren verglichen, die in die Annalen der Geschichte eingegangen sind. Solcher Vergleich hält keiner Kritik stand. Man kann Lenin oder Stalin nicht mit Feldherren vergleichen, auch wenn sie beide riesige Menschenmassen in den Kampf geführt haben, darunter fest formierte Truppenverbände, die mit modernsten Kampfmitteln ausgerüstet waren.

Gestützt auf die marxistische Auffassung vom Kriege, hat Stalin die neue Theorie proletarischer Strategie und Taktik in ihren Prinzipien entwickelt.

Die Prinzipien der proletarischen Strategie wurden von ihm folgendermaßen formuliert:

„Die wichtigste Aufgabe der Strategie ist die Festlegung der Grundrichtung, in der die Bewegung der Arbeiterklasse verlaufen soll und in der es für das Proletariat am vorteilhaftesten ist, zur Erreichung der im Programm gestellten Ziele den Hauptschlag gegen den Gegner zu führen. Der Plan der Strategie ist der Plan der Organisierung des entscheidenden Schlages in der Richtung, in der dieser Schlag am schnellsten ein Höchstmaß von Resultaten ergeben kann.“[3]

„Mit anderen Worten: Die Richtung des Hauptschlages festlegen bedeutet, den Charakter der Operationen für die ganze Periode des Krieges vorausbestimmen, somit also zu neun Zehnteln den Ausgang des ganzen Krieges vorausbestimmen. Darin besteht die Aufgabe der Strategie.“[4]

In Stalin vereinigen sich in glücklicher Weise der große Stratege mit dem glänzenden Taktiker der proletarischen Revolution. Nach marxistisch-dialektischer Methode wandte er die Gesetze der Strategie und Taktik des Klassenkampfes auf die militärische Praxis, auf den Kampf der revolutionären Streitkräfte an.

„Die Taktik ist ein Teil der Strategie, ihr untergeordnet und in ihrem Dienst stehend. Die Taktik befaßt sich nicht mit dem Kriege als Ganzem, sondern mit seinen einzelnen Episoden, mit den Kämpfen, mit den Schlachten. Will die Strategie den Krieg gewinnen oder, sagen wir, den Kampf gegen den Zarismus zu Ende führen, so will dagegen die Taktik diese oder jene Schlachten, diese oder jene Kämpfe gewinnen, diese oder jene Kampagnen, diese oder jene Aktionen erfolgreich durchführen, die mehr oder minder der konkreten Kampflage in jedem gegebenen Moment entsprechen. Die wichtigste Aufgabe der Taktik ist die Festlegung der Mittel und Wege, der Formen und Methoden des Kampfes, die der konkreten Situation im gegebenen Augenblick am besten entsprechen und den strategischen Erfolg am sichersten vorbereiten. Deshalb dürfen die taktischen Aktionen, ihre Resultate nicht an und für sich, nicht vom Standpunkt des unmittelbaren Effekts gewertet werden, sondern vom Standpunkt der Aufgaben und Möglichkeiten der Strategie.“[5]

Beim Studium der bedeutendsten Operationen, die über unsere Erfolge und unseren Sieg im Bürgerkrieg entschieden, beim Studium der Stalinschen Pläne und seiner Methoden zu ihrer Verwirklichung erkennt man die Besonderheit seiner Strategie und Taktik ganz deutlich.

Hier einige Beispiele aus dem Bürgerkrieg, die diese Besonderheit veranschaulichen.

Genosse Stalin hatte Befehl gegeben, zum Schlag gegen Denikin in Richtung Orjol und Woronesh anzusetzen. Dazu forderte er von den Armeebefehlshabern kategorisch:

„…zur Durchführung der gestellten Aufgaben nicht in Linie vorzugehen, sondern die Hauptkräfte des Feindes, die ihre Operationen in den wichtigsten Richtungen vornehmen, auf den Flanken mit konzentrierten Kräften anzugreifen; wobei daran zu denken ist, daß Erfolge nur durch Manövrieren zu erreichen sind. Besonders lenke ich die Aufmerksamkeit auf die Kavallerie, die sich am zweckmäßigsten benutzen läßt, um den Gegner auf den Flanken und im Rücken anzugreifen. Dazu soll man sie in großen Verbänden auf den Flanken massieren und auf diese Weise gleichzeitig die Verbindung sichern.“[6]

Nachdem Orjol und Woronesh zurückerobert waren, mahnte Genosse Stalin:

„Ich wiederhole allen Armeebefehlshabern: eingedenk der Maßnahmen, mit denen wir unsere Erfolge von Orjol und Woronesh erzielt haben, die eigenen Kräfte nicht zersplittern, sondern in vorausbestimmter Richtung, auf schmaler Front massiert, rasch und entschlossen zuschlagen! Mit den eigenen und benachbarten Verbänden unentwegt feste Verbindung aufrechterhalten!“[7]

Im Telegramm vom 24. November 1919 über die Abgrenzung der Kampfeinheiten, das die Unterschrift des Genossen Stalin trägt, werden allen Armeebefehlshabern vom Standpunkt der operativen Kunst sehr wichtige Hinweise gegeben:

„Indem ich mich völlig damit einverstanden erkläre, daß den Truppen die schädliche Angewohnheit der Tuchfühlung abgewöhnt werden muß und sie daran gewöhnt werden müssen, ihre Flanken mit eigenen Mannschaften zu sichern, bin ich der Ansicht, man muß dies durch Ausbildung und Erziehung den Truppen und besonders den Oberbefehlshabern beibringen und nicht die Notwendigkeit der Abgrenzung völlig leugnen… Was man den Truppen hauptsächlich abgewöhnen muß, ist die Furcht vor ungedeckten Lücken an den Flanken.

Wird enge Verbindung zum Nachbarn aufrechterhalten, so erweist es sich bei Angriffen, wenn sie mit möglichst massierten Kräften in die wichtigsten Operationsrichtungen ausgeführt werden, als unnötig, Tuchfühlung zu suchen. Die Abgrenzung aber ist notwendig, um den Einheiten ihre wichtigste Operationsrichtung zuzuweisen, ferner um Aufmarsch und Nachschub zu regeln.“[8]

Der Stalinsche Plan zur Vernichtung Denikins berechnete z. B. die kürzeste Operationslinie anders als nach der Arithmetik. Nach Stalins Plan sollte der Hauptstoß der Südfront durch die Arbeiterstadt Charkow und über den Donbaß der Kumpels geführt werden. Er rechnete auf die Sympathie und die direkte Unterstützung der Roten Armee von Seiten der Arbeiterschaft der Ukraine und des Donbaß. Stalin war also kein einfacher Heerführer und Stratege im gewöhnlichen Sinne des Wortes, sondern Heerführer und Stratege der proletarischen Revolution, dem nicht nur die bewaffneten Streitkräfte zu Gebote standen, über die er unmittelbar verfügte, sondern auch die riesigen potentiellen Reserven an Menschenmassen am Wege der strategischen Hauptstoßrichtung. Diese Reserven, diese gewaltige Potenz hat Stalins strategisches Genie, obwohl sich die proletarische Revolution unter den schwierigsten Umständen entwickelte, in seinen hervorragenden Plan fehlerfrei einbezogen.

Gleichzeitig beachtete Stalin bei seinen Plänen auch immer die potentiellen Reserven des Gegners. Um das zu veranschaulichen, bringe ich Auszüge aus seinem Brief vom 17. Juni 1920 an den Revolutionären Kriegsrat der Reiterarmee:

„Meine Freunde!

Folgende Umstände zu Ihrer Kenntnis:

Gewöhnlich bestehen bei den polnischen Einheiten Militär-Missionen… der europäischen Staaten. Die Mitglieder der Missionen sind aber eigentlich Führer der polnischen Truppen. Sie müssen deshalb (wenn möglich) unbedingt festgenommen und unter sicherer Bedeckung dem Revolutionären Kriegsrat der Front übergeben werden.

In den von den Polen besetzten Städten befinden sich gewöhnlich alle möglichen Roten Kreuze… Diese Institutionen sind polnische Spionageherde. Sie müssen ebenfalls festgenommen und ebendahin gebracht werden.

Die Polen lassen beim Rückzug ihre Waffen den Kulaken zurück, damit im Rücken unserer Truppen ein Bandenunwesen entsteht. Beim Vormarsch müssen daher unsere Truppen unbedingt der Bevölkerung die Gewehre abnehmen und sie entwaffnen … Erklären Sie den Befehlshabern, Kommissaren sowie ohne Ausnahme allen Rotarmisten eindringlich, wir marschieren zur Befreiung des werktätigen Bauern vom polnischen Pan, unser Krieg ist ein Befreiungskrieg…

Behandeln Sie die kriegsgefangenen Ukrainer aus Galizien (die Ruthenen) sorgsam, nicht nur die Bauern, sondern auch die Intelligenz! Machen Sie den von den Polen unterdrückten galizischen Ukrainern klar, wenn sie uns unterstützen, werden wir gegen Lwow vorrücken, es befreien und ihnen übergeben! Wir werden die Polen verjagen und den unterdrückten Ukrainer-Galiziern helfen, sich einen unabhängigen Staat zu schaffen, auch wenn er kein Sowjetstaat, sondern ein Staat wäre, der RSFSR gegenüber wohlgesinnt (wohlwollend, in Freundschaft verbunden)…“

Auch der Stalinsche Plan, der den Durchbruch der Front bei Perm vorsah, die Schlagkraft der III. Armee wiederherstellen und sie zum Angriff gegen Koltschak einsetzen sollte - auch dieser Plan stützt sich ausschließlich auf die Lage im Ural und die Bedeutung des rückwärtigen Gebietes und ist ein Beweis dafür, daß Stalin ein Stratege neuen Typus ist, ein Stratege, der in der schwierigsten politischen und militärischen Situation das wichtigste Glied zu finden versteht, um der ganzen Kette der kommenden Ereignisse die notwendige Richtung zu geben und das gewünschte Ziel in vollem Umfange zu erreichen. Stalins „Permer“ Idee ist im Grunde genommen eine neue Wissenschaft über die Aufgaben des Hinterlandes.

Stalins Prinzipien der militärischen Strategie und Taktik sind im Kurzen Lehrgang der Geschichte der KPdSU(B) gedrängt zusammengefaßt in der Beantwortung der Frage: Warum siegte die Rote Armee? Auf kaum drei Seiten ist die gesamte Philosophie über Strategie und Taktik der siegreichen sozialistischen Revolution wiedergegeben. Nur er, Stalin, der nächste Mitkämpfer Lenin s und unmittelbare Vorbereiter und Führer der proletarischen Revolution und ihrer Streitkräfte, vermochte so glänzend und mit so leuchtender Klarheit die Ursachen unserer militärisch-strategischen und taktischen Siege zu formulieren. Die Stalinsche militärische Strategie und Taktik wurzelt tief in der politischen Strategie und Taktik des Klassenkampfes von Marx, Engels und Lenin .

Wie könnte man infolgedessen Stalin mit bekannten, noch so hervorragenden Feldherren vergleichen, die in die Annalen der Kriegskunst eingegangen sind?

Stalin hat die Lehre vom Staat unter den Bedingungen der kapitalistischen Umwelt weiterentwickelt und die Notwendigkeit begründet, daß der Staat und sein grundlegendes Instrument, das stehende Heer, im Kommunismus bestehen bleiben, solange unser Land von kapitalistischen Staaten umgeben sein wird. Er weist die Veränderung in Form und Funktion des sozialistischen Staates bei einer kapitalistischen Umgebung nach und gibt gleichzeitig damit unserem Land, dem Staat, in dem der Sozialismus gesiegt hat, die neuen Richtlinien zur Entwicklung seiner Streitkräfte.

Bis zu diesem Zeitpunkt hielten z. B. die Marxisten den Aufbau der Armee des siegreichen Sozialismus nach territorialem Milizsystem für richtig. Engels schrieb zum Beispiel im Februar 1845:

„In der kommunistischen Gesellschaft würde es keinem Menschen einfallen, an ein stehendes Heer zu denken. Wozu auch? Zur Bewahrung der inneren Ruhe des Landes? Es wird, wie wir oben sahen, keinem einzigen einfallen, diese innere Ruhe zu stören. Die Furcht vor Revolutionen ist ja nur die Folge der Opposition der Interessen; wo die Interessen aller zusammenfallen, kann von einer solchen Furcht keine Rede sein.“[9]

Engels ging davon aus, daß es in allen zivilisierten Ländern gleichzeitig zum Siege des Sozialismus kommen werde. In welche Lage unser Staat als einziger sozialistischer Staat der Welt geraten würde, das hat Engels nicht vorausgesehen.

Auf Engels Standpunkt hinsichtlich der Armee im Sozialismus stand seinerzeit auch unsere Partei. Im Parteiprogramm und in den Beschlüssen einer Reihe von Parteitagen wird gerade diese Einstellung betont - die Umwandlung des stehenden Heeres in eine sozialistische allgemeine Volksmiliz. Solch eine Einstellung war damals theoretisch richtig. Zu Anfang konnten wir viele Umstände nicht voraussehen, die sich bei der Entwicklung des Sowjetstaates ergaben, zumal wenn sie von seinem Bestehen in der Umkreisung durch kapitalistische Länder herrührten. Nur Stalin gab eine erschöpfende Charakteristik von der Mission und den Aufgaben des sozialistischen Staates und damit gleichzeitig auch die klare Entwicklungslinie der Streitkräfte, sogar für die kommunistische Gesellschaftsordnung unseres Landes bei kapitalistischer Umkreisung.

Je mehr die Hauptaufgabe des Sowjetstaates in der Selbstverteidigung gegen die kapitalistische Umkreisung besteht, desto mehr nimmt die Bedeutung der Streitkräfte des Staates zu. Die gewaltige Macht der modernen Kriegstechnik, die Schwierigkeit, sie zu erlernen, die ständig wachsende Kompliziertheit des ganzen militärischen Ausbildungssystems, der Umstand, daß heutzutage keine Kriegserklärungen mehr erfolgen, sondern Kriege schlagartig beginnen, all das hat zur Folge, daß in der jetzigen Etappe das territoriale Milizsystem als Rekrutierungsbasis für die Rote Armee unseren Verteidigungsinteressen und -aufgaben nicht mehr gerecht würde. Es ergibt sich, daß die früheren Richtlinien überholt sind. Bei Berücksichtigung aller Besonderheiten in der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung des Landes müssen wir zum Kadersystem für die Rekrutierung übergehen.

Diesen neuen Aufgaben und Bedingungen entspringt das neue Gesetz über die allgemeine Wehrpflicht - ein Gesetz, an dem Genosse Stalin sehr viel gearbeitet hat.

Von Anfang an waren beim Aufbau der Streitkräfte des Sowjetstaates außer Organisationsfragen das Problem der Kader und der technischen Ausrüstung entscheidend.

Die politischen Kommandokader, lehrt Genosse Stalin, sind das Gerippe, sind die Grundlage der Armee - sie sind entscheidend für ihre Kampffähigkeit.

Im Verlauf des mehr als zwanzigjährigen Bestehens der Roten Armee und Flotte widmete Genosse Stalin - und widmet auch heute noch - außerordentliche Aufmerksamkeit dem Problem der militärischen und politischen Kader. Seine Sorge, geeignete, allseitig gebildete, willensstarke und der Sache des Sozialismus ergebene Befehlshaber, Kommissare und Polit-Funktionäre zu schaffen, befähigt, die modernen, technisch am besten ausgerüsteten Truppen zu führen, und imstande, sie zu erziehen, ergibt sich aus seiner Einstellung zur Kaderfrage überhaupt. Seine berühmte Losung: „Die Kader entscheiden alles“ formulierte er im Jahre 1935 in einer Rede an die Absolventen der Akademien der Roten Armee. Er sagte damals:

„…wenn unsere Armee in genügender Menge wirklich gestählte Kader haben wird, dann wird sie unbesiegbar sein.“[10]

Zur Lösung des Problems, „in genügender Menge wirklich gestählte Kader“ zu schaffen, mußte er damals mehr als einmal viele Schwierigkeiten überwinden.

Trotzkis Spießgesellen und Nachfolger bekleideten verhältnismäßig lange führende Stellen in Partei und Regierung. Sie haben genügend Mühe darauf verwandt, in der Armee die Kader zu schwächen, sie zu demoralisieren und zum politischen Werkzeug ihrer abscheulichen konterrevolutionären Tätigkeit zu machen, damit die Reihen unserer Roten Armee zersetzt würden. Diese ganze trotzkistisch-bucharinsche Bande samt den Folgen ihres dunklen Treibens wurde unter der unmittelbaren Leitung Stalins liquidiert.

Augenblicklich bildet die Rote Armee ihre militär-politischen Kader auf vierzehn Kriegsakademien und auf sechs militärischen Sonderfakultäten aus. Dies ist eine unserer größten Errungenschaften und das Ergebnis der unaufhörlichen Sorge unseres Stalin um die militärischen Kader. Unsere Kriegsakademien sind der Stolz der Roten Armee und des gesamten Landes.

Die Völker der Sowjetunion, die ganze Rote Armee und Flotte nennen Stalin ihren Freund und Vater. Darin liegt ein tiefer Sinn. Stalin sorgt wirklich wie ein wahrer Freund und Vater für alle Menschen überhaupt, aber besonders und speziell für die Angehörigen der Roten Armee.

Stalin hat den Mut, urwüchsige Talente aus den Tiefen des Volkes zu heben. Er verfolgt ihre Entwicklung, kennt sie persönlich und sorgt für sie.

Wiederholt spricht er über die Flieger und sagt, daß man alles tun müsse, um ihr Leben zu schützen, daß das Leben eines Fliegers „uns teurer ist als jedes beliebige Flugzeug“. Viel Aufmerksamkeit widmet er den Artilleriekadern der Roten Armee. Der Luftflotte und den Fliegern gilt seine Liebe, er schätzt die Panzer und die Panzerleute hoch, aber besser als jeder andere kennt er die Rolle, die die Artillerie nach wie vor im Kriege spielt. Darum war die Frage der qualifizierten Artilleriekader schon von jeher, aber besonders in den letzten Jahren diejenige Frage, mit der sich Stalin auf Stalinsche Art am eingehendsten beschäftigte. Ebenso wie die Industrialisierung des Landes ist die technische Ausrüstung der Roten Armee und Kriegsflotte mit dem Namen Stalins verbunden. Ausschließlich der titanischen Arbeit Stalins ist die Lösung dieser Probleme zu verdanken. Nur er hatte die Kraft, die Partei und die Besten des Staates im Kampf um die Industrialisierung zu führen, von der die technische Neuausrüstung der gesamten Volkswirtschaft abhing. Einzig und allein dank ihm ist unsere Armee technisch besser ausgerüstet als jede andere der Welt.

Mit starker Hand setzte er Lenin s ökonomische Richtlinien in die Wirklichkeit um, unter seiner Führung liquidierten die Partei der Bolschewiki und das ganze Sowjetvolk die industrielle, kulturelle und landwirtschaftliche Rückständigkeit des Landes. Schonungslos entlarvte und zerfetzte er das Kulakengeschwätz der Trotzkisten, Bucharinleute und ihrer Spießgesellen über die Schädlichkeit der Stalinschen Fünfjahrpläne. So vermochte die Partei unter seiner Führung das Land aus dem Zustand mittelalterlicher Unwissenheit, Armut und Unkultur auf die Höhe der modernen Industrie und einer mechanisierten und kollektivierten Landwirtschaft zu heben.

Unsere Heimat verwandelte sich in einen mächtigen Industriestaat und entging dadurch der Gefahr, infolge technischer und kultureller Rückständigkeit zum Spielball der imperialistischen Länder zu werden.

Vor allem die Weitsicht und Vorsorge des Genossen Stalin haben zustande gebracht, daß sich die Sowjetunion

„aus einem schwachen und zur Verteidigung nicht gerüsteten Land in ein im Sinne der Wehrfähigkeit mächtiges Land verwandelt hat, in ein Land, das gegen alle Zufälligkeiten gewappnet ist, in ein Land, das alle modernen Verteidigungsmittel im Massenumfang herstellen und seine Armee bei einem Überfall von außen mit ihnen versorgen kann“[11]

So hieß es am Ende des ersten Fünf jahrplanes. Heute, nach Ablauf des zweiten und des halben dritten Fünf jahrplanes, hat sich unsere Wehrfähigkeit ein gut Teil vermehrt und eine solche Höhe erreicht, daß den Armeen jedes beliebigen imperialistischen Angreifers, die etwa einen Anschlag auf die Errungenschaften unseres Volkes und die Staatsinteressen der Sowjetunion unternehmen sollten, die völlige Vernichtung gewiß ist.

An allen Fragen, die mit der technischen Neuausrüstung der Streitkräfte der Sowjetunion zusammenhängen, hat Stalin persönliches Interesse und nimmt an ihrer Lösung unmittelbar teil. Von ihm stammt die Anregung zu den weitgehenden organisatorischen Schritten und technischen Maßnahmen, um die sowjetischen Waffen weiterzuentwickeln und ständig zu vervollkommnen. Großen Wert mißt er militärischen Erfindungen bei und unterstützt Erfinder bei ihrer Arbeit. Seine Sorge gilt den jungen sowjetischen Konstrukteuren von Waffen aller Gattungen, er beschäftigt sich eigenhändig mit jedem neuen Modell. Unter seinem Vorsitz fällt die Entscheidung darüber, ob diese oder jene Neukonstruktion in die Heeresausrüstung übernommen werden soll. Genauso beständig wie der Sowjetstaat wächst und entwickelt sich die Rote Armee. Im Einklang mit den materiellen und kulturellen Errungenschaften des Landes und im selben beschleunigten Tempo, wie die Veränderungen in der internationalen Lage vor sich gehen, haben sich die Rote Armee und Kriegsflotte in ihrer Struktur, Bewaffnung und zahlenmäßigen Stärke radikal gewandelt. Die gewaltige Umorganisation, die zur Vervollkommnung der Streitkräfte nötig war, wurde unter Stalins unmittelbarer Leitung ausgeführt.

Nicht weniger Aufmerksamkeit widmet er dem Polit-Apparat der Armee, dieser besonderen „Waffengattung“, über die in der bestehenden Form kein Heer der Welt verfügt und die einen wichtigen Faktor für die Kampfkraft und das moralische Gesicht der Roten Armee abgibt.

„Ohne den Kriegskommissar hätten wir keine Rote Armee“, sagte Lenin in den Jahren des Bürgerkrieges. Die gleiche wichtige Bedeutung maß Stalin dem Institut der Roten Armee für Kriegskommissare bei. Der Polit-Apparat, so lehrt Stalin, soll nicht nur alle Glieder der Roten Armee und ihren gesamten Mannschaftsbestand mit dem Zement seiner politischen bolschewistischen Beeinflussung aneinanderkitten, sondern auch im Verein mit dem Befehlsstab den vollen Umfang der militärischen Einsatzbereitschaft der Truppen unter allen Verhältnissen wahren. Der Polit-Apparat, der Kriegskommissar in erster Linie, ist für den politischen und moralischen Zustand der Armee verantwortlich, genausogut aber auch für die materielle Versorgung der Rotarmisten und ihre militärische und politische Ausbildung.

„Der Kommissar des Regiments ist der politische und moralische Führer, der erste Vertreter der materiellen und geistigen Interessen des Regiments. Wenn der Kommandeur der Kopf ist, so muß der Kommissar der Vater und die Seele seines Regiments sein“,

so schrieb Genosse Stalin schon im Jahre 1919. Er war selber in den Jahren des Bürgerkrieges der beste Kommissar für die Armee. Von ihm können wir die große Kunst der politischen Heeresführung lernen.

Sein Name ist Symbol für die moralisch-politische Einheit, Kampffähigkeit und Unerschrockenheit der Streitkräfte unseres Landes. Am Chassan-See, am Chalchin-gol-Fluß und beim Befreiungsfeldzug der Roten Armee in der West-Ukraine und in West-Belorußland gingen Rotarmisten, militärische Führer und politische Kommissare mit Stalins Namen auf den Lippen in den Kampf. Mit Stalins Namen auf den Lippen schlugen die Einheiten der Roten Armee die weißfinnischen Aggressoren. Nicht nur im Auftrag der finnischen Reaktion, sondern als direkte Agenten der englischen, amerikanischen, französischen, deutschen und anderen Imperialisten hatten sie unser Land verräterisch überfallen. Finnland wurde von den Sowjettruppen besiegt und zur Kapitulation gezwungen.

Weil Stalin mit uns ist, weil jeder Rotarmist, militärische Führer, politische Funktionär Stalins tägliche Sorge um die sozialistische Heimat und die Rote Armee genau kennt, darum steht der volle Sieg unserer Streitkräfte im Kampf mit jedem beliebigen Feind fest. Mit Herz und Sinn ist Rotarmist, militärischer Führer, Politkommissar stets bei Stalin. Auf seinen Ruf hin ist jeder bereit, ohne Zögern seine ganze Kraft, und wenn nötig, sein Leben einzusetzen für den Ruhm und die Macht unserer Heimat im Namen des Kommunismus.

Friedrich Engels, der große Mitkämpfer von Karl Marx, sagte schon 1845:

„…bedenken Sie, welche Wunder der Enthusiasmus der revolutionären Armeen von 1792 bis 99 getan hat, die doch nur für eine Illusion, für ein Scheinvaterland kämpften, und Sie werden einsehen müssen, von welcher Kraft ein Heer sein muß, das für keine Illusion, sondern für eine handgreifliche Wirklichkeit sich schlägt.“[12]

Und als er von der Verteidigung der kommunistischen Gesellschaft sprach, erklärte er:

„…daß das Mitglied einer solchen Gesellschaft im Falle eines Krieges… ein wirkliches Vaterland, einen wirklichen Herd zu verteidigen hat, daß es also mit einer Begeisterung, mit einer Ausdauer, mit einer Tapferkeit kämpfen wird, vor der die maschinenmäßige Geschultheit einer modernen Armee wie Spreu auseinanderfliegen muß.“[13]

Diese Prophezeiung der Schöpfer des Marxismus hat sich bewahrheitet. Die Voraussagen dieser Titanen des revolutionären Gedankens sind in unserem Lande nur darum verwirklicht, weil das Banner des Kommunismus aus den Händen des großen Marx und Engels in die gleich starken Hände des großen Lenin und Stalin überging.

Die Rote Armee hat es in der Zeit des Bürgerkrieges bewiesen. Sie hat es in den letzten Jahren mehr denn einmal gezeigt. Ihre Einsatzbereitschaft verdankt sie in erster Linie der großen Kommunistischen Partei Lenin s und Stalins, verdankt sie dem Schöpfer der Streitkräfte des sozialistischen Staates, ihrem Freund und Führer, dem großen Stalin.

Möge unser Stalin noch viele, viele Jahre leben zum Glück der Völker der Sowjetunion und der ganzen fortschrittlichen Menschheit!


FUSSNOTEN

  1. Rede J.W. Stalins auf einer Arbeiterversammlung im Tifliser Stadtbezirk Nadsaladewi anläßlich des Manifestes des Zaren vom 17. Oktober 1905.
    L. Beria, Zur Geschichte der bolschewistischen Organisationen in Transkaukasien, Dietz Verlag, 1950, S. 88.

  2. J.W. Stalin, Werke, Band 4, S. 221.

  3. J.W. Stalin, Werke, Dietz Verlag, Berlin 1952, Band 5, S. 144

  4. Ebenda, S. 145

  5. Ebenda, S. 146

  6. Direktive Nr. 10 726 vom 9. Oktober 1919.

  7. Direktive Nr. 11 144 Op. vom 20. Oktober 1919.

  8. Telegramm Nr. 678/Op.

  9. Marx-Engels, Gesamtausgabe, 1. Abteilung, Bd. 4, S. 375.

  10. J. Stalin, Fragen des Lenin ismus, Dietz Verlag, Berlin 1950, S. 596.

  11. Ebenda, S. 453.

  12. Marx-Engel«, Gesamtausgabe, 1. Abteilung, Bd. 4, S. 376.

  13. Ebenda.

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